Aus den Kinderschuhen herausgewachsen

22. Januar 2012

„Familienfreundlich“ konnte sich noch bis vor kurzem ein Betrieb nennen, der dafür sorgte, dass während der Arbeitszeit seiner Mitarbeiter(innen) deren Kinder irgendwie versorgt waren. Inzwischen umgreifen, wie aktuelle Beispiele zeigen, ganzheitlich ausgerichtete Angebote ein viel weiteres Feld der Work-Life-Balance - und haben auch einen umfangreicheren Familienbegriff im Blick.

Wo aus dem vermeintlichen Nachteil eines Standorts tief in der Provinz ein Vorteil gemacht wird

Aus dem vermeintlichen Nachteil eines Standorts tief in der Provinz einen Vorteil zu machen – das ist der Multivac Sepp Haggenmüller GmbH & Co. KG gelungen. Eine konsequente „Familienpolitik“ spielt dabei eine entscheidende Rolle. Das Unternehmen ist im Allgäu zuhause, genauer in Wolfertschwenden, einem Ort, den die Öffentlichkeit normalerweise nur dann wahrnimmt, wenn sie sich gerade zwischen Memmingen und Kempten auf der A7 Richtung Süden in den Urlaub staut. 1961 hat dort in einer kleinen Garage der Unternehmensgründer Sepp Haggenmüller die erste Vakuum-Kammermaschine gebaut. Heute bedient Multivac als multinationales Unternehmen mit seinen Verpackungslösungen Kunden in mehr als 140 Ländern in aller Welt. Die Belegschaft am Heimatstandort stützt sich im Kern auf Bewohner des Allgäus, weshalb dort flexible Arbeitszeiten schon früh eine wichtige Rolle spielten. Denn im Sommer brauchten die Nebenerwerbslandwirte oft kurzfristig ein paar Stunden, um die Ernte einzubringen, während im Winter auf dem Hof viel Zeit übrig war, die man auch in der Fabrik zubringen konnte. Das ist in vielen Fällen noch heute so. Dazugekommen ist das Angebot, dass bei gleicher Eignung bevorzugt Kinder von Mitarbeitern eine Lehrstelle erhalten. Das gibt den Eltern Sicherheit und Motivation, den Kindern eine Chance für einen Job in der Heimat – und dem Unternehmen die Sicherheit, dass die Azubis auch bei der Sache sind. Im Laufe der 50-jährigen Unternehmensgeschichte wurden nahezu alle Auszubildende in ein Arbeitsverhältnis übernommen. Derzeit bildet Multivac bereits in der zweiten Generation die Kinder der einstigen Lehrlinge aus. Und damit das auch künftig so bleibt, arbeitet das Unternehmen mit dem örtlichen Kindergarten zusammen und bietet seinen Mitarbeitern Betreuungsplätze für Kinder ab sechs Monate an. Dieses Angebot läuft seit gut drei Jahren und trifft auf große Resonanz. „Familie und Beruf durch flexible Arbeitszeiten vereinbaren und tatkräftige Unterstützung des Arbeitgebers genießen – dieses Ideal ist bei der Belegschaft von Multivac gelebter Alltag“, so Personalleiter Manfred Schafroth.

Quelle: eigene Recherche

Wo Coaching, Kantinenzugang und Ferienwohnungen ganz auf die Familie ausgerichtet sind

Die Deutsche Rentenversicherung Bayern Süd gehört zu den Unternehmen, die sich dem audit berufundfamilie unterzogen haben und die sich in einer Vorreiterrolle sehen. Zu den Angeboten, die über Standards wie Gleichstellungsmaßnahmen, das Unterbringen von Kindern in Tagesstätten oder Horten sowie die Möglichkeit von Teilzeitarbeit hinausgehen, gehört zum Beispiel, dass das unternehmensinterne CoPV (= Coaching, Prozess- und Veränderungsbegleitung) in Einzelfällen auch bei Problemen von Vereinbarkeit von Beruf und Familie als Lösung zur Verfügung steht. An zwei Standorten sind jeweils 100 alternierende Telearbeitsplätze nutzbar; deren Vergabe orientiert sich vorrangig nach sozialen Kriterien wie der Zahl und dem Alter der Kinder sowie der pflegebedürftigen Angehörigen. Außerdem dürfen auch Angehörige die Betriebsrestaurants zu den vergünstigten Mitarbeiterkonditionen nutzen. Mitarbeiter(innen) und ihre Angehörigen stehen kostengünstige Ferienwohnungen am Tegernsee, in Bad Reichenhall und Bad Füssing zur Verfügung. Damit sie auf dem Laufenden bleiben, werden für beurlaubte Mitarbeiter(innen) zwei Mal jährlich Wochenendseminare mit Schulungen angeboten. Auch wenn derzeit der Schwerpunkt auf Angeboten für junge Familien mit Kindern liegt, hat die Rentenversicherung schon angekündigt, dass künftig verstärkt das Thema Pflege aufgegriffen werden soll. „Denn angesichts der Alterung der Gesellschaft wird die Zahl der Beschäftigten, die einen pflegebedürftigen Angehörigen betreuen, zunehmen. Weil Pflegebedürftigkeit oft unvorhergesehen von einem Tag auf den anderen eintritt, ist es für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wichtig zu wissen: Beim Thema Pflege können sie auf die Unterstützung des Arbeitgebers zählen“, heißt es in einer Erklärung der Geschäftsleitung.

Quelle: eigene Recherche

Wo es bei Kundenzufriedenheit auch mal Minusstunden vom Arbeitszeitkonto geschenkt gibt

Die Keller Dental-Labor GmbH in Remscheid, ermöglicht ihren 16 Beschäftigten mit flexbilen Arbeitszeiten und -orten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Das inhabergeführte Unternehmen begegnet damit der Marktentwicklung in der eigenen Branche – sprich: sinkenden Preisen und steigende Anforderungen der Kunden –] mit sehr hohen Ansprüchen an Qualität und Kundenorientierung. Wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Verantwortung übernehmen und flexibel auf die Wünsche der Kunden eingehen sollen, dann muss sich nach Ansicht des Inhabers Rainer Alles auch der Betrieb flexibel zeigen und offen für die zeitlichen Belange der Angestellten sein. So bietet das Labor flexible Arbeitszeiten, die über ein Arbeitszeitkonto gesteuert werden. Minustage am Ende des Jahres werden nicht zwingend vom Urlaub abgezogen, sondern auch verschenkt, wenn Kunden, Kollegen und das Unternehmen zufrieden waren. Es sind Teilzeitarbeitsplätze ebenso wie Heimarbeitsplätze für Arbeiten verfügbar, die nicht ständig durch den Meister überwacht werden müssen. Beschäftigte können zudem selbstständig im Team ihre Arbeitszeiten absprechen. Das Unternehmen sieht dadurch Vorteile bei der Personalgewinnung: Gute Fachkräfte werden trotz des schwieriger werdenden Marktes händeringend gesucht, denn viele qualifizierte Zahntechniker wechseln in andere, besser bezahlte Branchen, in denen ihr handwerkliches Geschick gefragt ist. Rainer Alles, Inhaber der Keller-Dental GmbH: „Nur wenn man gut ausgebildete und hoch motivierte Arbeitskräfte hat, die Verantwortung tragen und mitdenken, kann man flexibel auf Kundenwünsche reagieren. Ich versuche, die individuellen Bedürfnisse bei unserem Personal-Management zu berücksichtigen. Dadurch bekomme ich ein hohes Maß an Engagement und Zufriedenheit zurück. Für mich umfassen familienfreundliche Maßnahmen das gesamte persönliche Umfeld, seien es die Eltern, Oma oder Opa, das Haustier oder die Vereinszugehörigkeit.“

Quelle: www.mittelstand-und-familie.de

Wo Eltern auf einen regionalen „Tagesmütterpool“ zugreifen und in den Sommerferien auf Kinderbetreuung zählen können

Das Steuerbüro Knollenborg & Partner GbR, Lingen, ist stolz auf seine „kleinen Knollis“. Die kleine Laurena sowie der eineinhalb Jahre alte Nick und die zweieinhalbjährige Lia, Kinder von Kolleginnen der Kanzlei, besuchen die betriebsinterne Minikrippe in dem Steuerberater- und Wirtschaftsprüferbüro. Dass es bei Knollenborg & Partner Anschauungsunterricht in Sachen „Familienfreundlichkeit“ gibt, liegt vor allem an Elisabeth und Wilhelm Knollenborg, die flexiblen Arbeitszeitmodellen gegenüber sehr aufgeschlossen sind. Ihr Unternehmen ist für erfolgreiche Bemühungen, Fachfrauen in der Firma zu halten, ohne dass diese mit dem „Rabenmütter-Image“ etikettiert werden, bereits ausgezeichnet worden. Als Vorsitzende des „Überbetrieblichen Verbundes“ im Landkreis Emsland, einem Verbund von Unternehmen, die sich die Aufgabe gestellt haben, zusammen mit der Koordinierungsstelle des Landkreises Emsland die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern und unter anderem einen „Tagesmütterpool“ verwalten, engagiert sich Elisabeth Knollenborg seit Jahren dafür, Hemmnisse bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf abzubauen. Bei Knollenborg wurden für die „kleinen Knollis“, Büroräume zu Spiel- und Ruhezonen umfunktioniert. Während die Mütter ein paar Türen weiter arbeiten, kümmern sich die gelernten Erzieherinnen Brigitte Gerndt und Lydia Richter um die Kleinen. Im Garten des Unternehmens wurde ein kleiner Spielplatz eingerichtet. Die Kinder strahlen – und ihre Mütter gleich mit: „Für mich ist das einfach ein gutes Gefühl, dass ich meine Kleine in der Nähe weiß“, sagt Mutter Elke Hoormann. „Und ich kann gleichzeitig meinen Beruf weiter ausüben, da sich gerade im Steuerrecht ständig etwas ändert.“ Einer der größten Vorteile für das Steuerbüro Knollenborg: Die Personalfluktuation ist selbst bei einem Frauenanteil von 80 Prozent extrem gering. Das freut das Unternehmen, dessen Investitionen sich langfristig rechnen, und das freut die Mandanten, die auf Dauer die gleichen vertrauten Ansprechpartnerinnen haben. Während der Elternzeit sind die Beschäftigten eingeladen, an Kanzleibesprechungen und Weiterbildungen teilzunehmen; ein unternehmensinterner „Arbeitskreis Familie“ trifft mehrmals im Jahr zusammen, um neue Ideen zu entwickeln, einmal jährlich findet im Unternehmen ein Familiennachmittag statt.

Quelle: www.mittelstand-und-familie.de und eigene Recherche

Für Kinder von Mitarbeitern bei JAKO-O im oberfränkischen Bad Rodach – mit mehr als 1,5 Millionen Kunden einer der großen Spezialversender in Deutschland für Kinderkleidung und alles für das Kinderzimmer, Spielsachen sowie Materialien zum Lernen, Lesen und Basteln – oder einem anderen Unternehmen der HABA-Firmenfamilie gibt es während der Sommerferien eine Ferienbetreuung. Während die Eltern ihrem Job nachgehen, erleben die Vier- bis Zwölfjährigen Themenwochen mit pädagogisch qualifizierten Betreuern. Dem Mangel an Krippenplätzen am Standort Bad Rodach wurde mit Eigeninitiative begegnet: Seit 2004 steht den Mitarbeitern die Betriebskinderkrippe „Luise Habermaaß“ zur Betreuung ihrer Babys und Kinder bis zum Alter von drei Jahren zur Verfügung. In der Kinderkrippe werden die Bedürfnisse der Mitarbeiter berücksichtigt: „Der Arbeitsalltag erfordert ja mitunter Flexibilität, sei es die länger dauernde Besprechung oder die verspätete Rückreise von einer Messe. Uns als Arbeitgeber ist es daher sehr wichtig, dass die Eltern die Abholzeiten variabel abstimmen können, auch kurzfristig,“ erläutert Geschäftsleiterin Bettina Peetz die familienfreundlichen Verhältnisse. Teilzeitregelungen für Mütter und Väter sind zum Beispiel etwas ganz Normales und werden in einer Vielzahl individueller Vereinbarungen angeboten. „Wir sind gerne Vorbild für andere Unternehmen und wünschen uns, dass Familienfreundlichkeit zu einem Markenzeichen der deutschen Wirtschaft wird“, so der Aufruf von Bettina Peetz an andere Unternehmen für eine elternfreundliche Personalpolitik.

Quelle: eigene Recherche

Wo werdende Väter nicht auf Montage müssen und seiende Väter die Kids zur Weiterbildung mitnehmen dürfen

Die Anton Schönberger Stahlbau & Metalltechnik, Schwarzach, setzt während des letzten Drittels der Schwangerschaft ihrer Partnerin Mitarbeiter nicht für heimatferne Montageaufträge ein. Für die Schwangerschaftsuntersuchungen ihrer Partnerin werden Mitarbeiter von den beiden Chefinnen des Unternehmens, Andrea und Sabine Schönberger, ausdrücklich freigestellt. „Familienorientierung gehört bei uns zum Geschäftskonzept – denn um qualifizierte Kräfte zu halten, muss man auf die Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben achten. Familienorientierte Personalpolitik ist keine Sozialromantik, sondern bringt echte Vorteile: Motivation, Loyalität und Bindung an das Unternehmen“, sagt Sabine Schönberger. Die Mitarbeiter werden vom Unternehmen an Familientermine wie Hochzeitstage, Geburtstage, Einschulung und Kommunion oder den Muttertag erinnert, wobei auch hier das Angebot zu unbezahlten Freistellungen besteht. Und wenn ganz überraschend einmal Eltern nicht mehr aus und ein wissen, weil der Kindergarten zu hat, die Nachbarin verreist ist und Oma oder Opa die Grippe haben, dann steht eine firmeneigene „Notfallstube“ bereit, in der die Kinder professionell betreut werden, bis der Arbeitstag zu Ende oder eine andere Lösung gefunden ist. So wird das Firmenmotto „Wir schweißen nur Qualität zusammen – und Qualität schweißt uns zusammen.“ zur gelebten Wirklichkeit und der Begriff „Familienbetrieb“, den sich die Firma seit ihrer Gründung 1635 aufs Wappen schreibt, zu einem Statement.

Quelle: www.erfolgsfaktor-familie.de und eigene Recherche

Im Mercedes-Benz Werk Wörth hat der Daimler-Konzern „Vater-Kind-Wochenenden“ eingerichtet, die unter externer Begleitung einen Teil des betrieblichen Weiterbildungsprogramms darstellen. Das Angebot schafft die Gelegenheit für Väter, intensiv Zeit mit ihren Kindern bei gemeinsamen Unternehmungen in der freien Natur oder beim Spielen drinnen zu verbringen, andere Väter aus dem Kollegenkreis kennenzulernen und sich mit ihnen über Erfahrungen mit den Kindern und über den Alltag zwischen Beruf und Familie auszutauschen. Ziel ist, Vätern Kompetenzen für den Familienalltag und für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu vermitteln.

Quelle: www.beruf-und-familie.de

Das Angebot für werdende Mütter war bei den Steuerberatungsspezialisten der Datev, Nürnberg, schon immer umfangreich. Im Rahmen ihrer familienbewussten Personalpolitik wollte Datev auch etwas für werdende Väter anbieten und zu einer besseren Gleichbehandlung von Vätern und Müttern beitragen. Deshalb hat das Unternehmen Briefe entwickelt, die an werdende und frisch gebackene Väter verschickt werden. Mit den „Väterbriefen“ ermutigt das Unternehmen männliche Mitarbeiter, in Elternzeit zu gehen oder auch in Teilzeit während der Elternzeit zu arbeiten. Die Erfolge der familienfreundlichen Maßnahmen und der Väterbriefe kommunizierte das Unternehmen intern in der Mitarbeiter-Zeitschrift. Neben der Vorstellung der Väterbriefe erschienen auch mehrere Interviews mit Datev-Vätern – darunter auch solche in Führungspositionen. Sie sprachen offen über ihre Beweggründe und Erfahrungen mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Anzahl der Väter in Elternzeit hat sich seit der Einführung der Väterbriefe erhöht. Das Unternehmen plant, noch intensiver auf die Männer zuzugehen, um sie in ihrer Planung der ersten drei Lebensjahre des Kindes zu unterstützen.

Quelle: www.mittelstand-und-familie.de und eigene Recherche

Weitere Beispiele dafür, wie Unternehmen sich um die Familien ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern unter

www.erfolgsfaktor-familie.de
www.mittelstand-und-familie.de
www.beruf-und-familie.de

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