Automatisierung mit kritisch-positiver Erwartung

Online-Umfrage des randstad korrespondent erbringt differenziertes Bild: Positive Erwartungen für die eigene Arbeit überwiegen, negative Folgen sind bewusst.

„Ich werde bei Routine-Aufgaben entlastet“: 77 Prozent. „Meine Arbeit wird effizienter“: 69 Prozent. „Ich gewinne mehr Zeit für anspruchsvolle Tätigkeiten“: 63 Prozent. Man kann nicht behaupten, dass Mitarbeiter in deutschen Unternehmen die Vorzüge der Automatisierung nicht erkennen. Das zeigt sich beim Blick auf die drei Top-Positionen der Antworten auf die Frage „Was erwarten Sie bei einer wachsenden Automatisierung an Ihrem Arbeitsplatz?“. Sie erfolgten im Rahmen der aktuellen Umfrage des randstadkorrespondent „Automatisierung: Fluch oder Segen?“, an der sich rund 1.200 Menschen beteiligten.

Freiraum bleibt, Leistungsdruck wächst

Das Meinungsbild wird in der Gegenprobe bestätigt: Nur 9 Prozent befürchten, dass sie als Folge der Automatisierung weniger Zeit für anspruchsvolle Arbeiten erhalten werden. Nur 6 Prozent erwarten, dass ihre Arbeit weniger effizient ausfällt. Dass dennoch keine goldenen Zeiten am Arbeitsplatz der Zukunft in Aussicht stehen, zeigt sich allerdings auch. 55 Prozent der Antwortenden gehen davon aus, dass sich der Leistungsdruck erhöhen wird. Zumal mehr von ihnen erwarten, dass die Einzelarbeit zunimmt (30 Prozent), als dass es mehr Teamwork geben wird (23 Prozent).

Diese Einschätzungen erfolgen vor dem Hintergrund

  • dass 54 Prozent der Antwortenden eine wachsende Automatisierung an ihrem persönlichen Arbeitsplatz erwarte, 35 Prozent aber nicht;
  • dass 80 Prozent nicht die Sorge haben, sie oder ihr Arbeitsplatz könnten durch Roboter ersetzt werden, während dies 9 Prozent „teilweise“ erwarten, 6 Prozent „langfristig“ und 4 Prozent „mittelfristig“;
  • dass 56 Prozent in ihrem Unternehmen einen sehr hohen oder hohen Stellenwert der Automatisierung beobachten, während ihn 11 Prozent gering oder sehr gering sehen.

Handlungsbedarf bei Qualifizierung

Was die Hausaufgaben in der Personalarbeit angeht, zeigt sich ein gemischtes Bild. In 62 Prozent der Unternehmen hat man sich bei der Aus- und Weiterbildung auf eine zunehmende Automatisierung von Prozessen und Arbeitsabläufen eingestellt. In 18 Prozent der Firmen ist das nicht der Fall. 20 Prozent der Antwortenden wissen nichts zur Haltung ihres Arbeitgebers bei dieser Aufgabe.

Potenziale noch nicht ausgeschöpft

Diesen Werten steht die offenkundige Erkenntnis der Beschäftigten entgegen, dass sie das Potenzial für die Automatisierung in ihrem Aufgabenbereich noch nicht für ausgeschöpft halten. Diese Einschätzung teilen 80 Prozent von ihnen, während nur 9 Prozent das Ende der digitalen Fahnenstange schon erreicht sehen.

Wertschätzung für Zukunftsfähigkeit

Diese Einschätzung erhält ihre Prägnanz durch die Gewichtung der unterschiedlichen Effekte, die sich aus der Automatisierung ergeben oder ergeben sollen. Der Faktor „Zukunftsfähigkeit“ erhält hier die größte Zustimmung (51 Prozent „sehr wichtig“) vor „Wettbewerbsfähigkeit“ und „Effizienzsteigerung“. Eher indifferent sind die Einschätzungen zum Wert der Automatisierung bei „Einhaltung betrieblicher Regeln und Abläufe (Compliance)“ mit gut 30 Prozent „unwichtig“ oder „teils-teils“. Ähnliche Werte sind bei „Innovationsfähigkeit“, „Qualitätssteigerung“ oder „Kostenreduzierung“ verzeichnet.

Gespaltene Meinung beim Arbeitsplatzerhalt

Ebenfalls gespalten sind die Erwartungen, was den Erhalt oder den Abbau von Arbeitsplätzen angeht. Hier erwarten 45 Prozent der Antwortenden, dass Maschinen und Roboter Jobs kosten werden, und 43 Prozent, dass dies nicht der Fall sein wird. Wenn es einen Abbau geben wird, dann erwarten ihn die meisten in der Personalabteilung (57 Prozent) und in der Produktion (49 Prozent). Die geringsten Risiken werden bei Forschung & Entwicklung sowie im Marketing unterstellt.

Planung und Forschung auf der Gewinnerseite

Auch hier zeigt die Gegenprobe, wieviel Dynamik das Thema birgt. 47 Prozent der Antwortenden glauben zwar, dass wegen der Automatisierung keine neuen Arbeitsplätze in ihrem Unternehmen entstehen werden. Für 31 Prozent allerdings stellt sich diese Option schon. Allen voran in den Bereichen „Planung & Steuerung“ sowie „Forschung & Entwicklung“ stehen hier hohe Wachstumschancen im Raum. Die schlechtesten Perspektiven haben die Abteilungen Einkauf und Finanzen.

Die Online-Umfrage erfolgte Ende April bis Anfang Mai 2017. Insgesamt nahmen 1.186 Menschen daran teil. 8 Prozent von ihnen kamen aus dem Bereich Geschäftsführung/Vorstand, 30 Prozent aus Team-/Abteilungs-/Bereichsleitung, 31 Prozent aus Anstellung mit und 25 Prozent aus Anstellung ohne Personalverantwortung. Die genannten Werte sind auf ganze Zahlen gerundet.