Betriebliches Gesundheitsmanagement

4. Dezember 2014

Egal, welche Branche und welche Unternehmensgröße: Wo gearbeitet wird, besteht (Be-)Handlungsbedarf in Gesundheitsfragen. Je schlanker und effizienter Organisation aufgestellt sind, desto eher bringt sie auch schon ein kleiner Virus aus dem Gleichgewicht. Rechtzeitiges Gegensteuern ist Aufgabe eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements - das auch für kleine und mittlere Firmen umsetzbar ist.

Gesundheitsmanagement ist eine Führungsaufgabe

„Betriebliches Gesundheitsmanagement“ – allein schon der Begriff treibt bei manchem Unternehmer, insbesondere in kleinen und mittleren Firmen, den Blutdruck in ungesunde Höhen: Noch eine unproduktive Aufgabe, um die man sich kümmern soll … Dabei ist es gerade die Produktivität, derenthalben Investitionen auf diesem Gebiet sinnvoll sind.

Einstieg ist einfacher als befürchtet

„Gesunde Mitarbeiter kosten Geld, kranke Mitarbeiter ein Vermögen“, lautet eine unternehmerische Binsenweisheit. In der Praxis sind der Einstieg und erste Maßnahmen des „BGM“ viel leichter und einfacher zu haben, als mancher befürchtet. Vor allem deshalb, weil es reichlich professionelle Unterstützung gibt, zum Beispiel von Krankenkassen und Berufsgenossenschaften, die selbst ein großes Interesse an Gesundheit in den Belegschaften haben.

Steht „BGM“ für die strategische Komponente, liefert „BGF“ die operative Grundlage dafür – die „Betriebliche Gesundheitsförderung“. Sie ist letztlich auch der ehrlichere Begriff, weil damit der (Be)Handlungsbedarf klar wird, während „Management“ suggeriert, es gelte nur einen Bestand zu verwalten. Der Bedarf dafür ist allerdings auch nicht von der Hand zu weisen, denn eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg der BGF besteht darin, dass sie als Führungsaufgabe wahrgenommen wird und in bestehende Managementsysteme integriert ist. Lesen Sie dazu auch das Interview mit Herrn Binzius: „Die Hürden niedriger setzen“.

Gesundheitsförderung wird Teil des Qualitätsmanagements

In Großunternehmen hat sich zunehmend die Erkenntnis durchgesetzt, dass BGF einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Unternehmensziele und des Unternehmenserfolgs leisten kann. Dort ist BGF häufig als Teilprozess in das Qualitätsmanagement integriert. Für kleine und mittlere Unternehmen kann daraus sogar ein Vorteil erwachsen: Weil die Wege kürzer, die Kommunikation direkter und der Kontakt aller Beteiligten enger ist, lassen sich viele Elemente von BGF und BGM unkompliziert in den betrieblichen Alltag integrieren.

Mit einem Verbandskasten im Sekretariat und Grünpflanzen zur Lufterfrischung in den Büros hat nicht ausgesorgt, wer die Gesundheit in seinem Betrieb hochhalten will. Ein Blick in die Krankheitsstatistik zeigt, dass es nicht kleine Schnittwunden und Erstickungsanfälle sind, die für schmerzhafte Ausfallzeiten in der Belegschaft sorgen. Rückenschmerzen sowie andere Störungen und Ausfälle im Bewegungsapparat belasten das Arbeitszeitkonto einer Firma wesentlich höher. Erkältungen und Grippen tragen das ihre dazu bei, dass sich die Reihen an den Schreibtischen und den Werkshallen lichten.

Investitionen in Gesundheitsmanagement machen sich schnell bezahlt

Vorbeugen ist tatsächlich günstiger als Heilen

In beiden Fällen ist durchdachtes Vorbeugen und Handeln gefragt, wenn langfristig und nachhaltig die Gesundheit im Team gefördert werden soll. Ergonomische Arbeitsplätze genauso wie strikte Hygieneregeln und ein „Klimaschutz“ vor Erregerwolken der „Ich schaff’s schon noch irgendwie, mein Soll zu erfüllen“-Triefnasen gehören detailliert geplant und konsequent umgesetzt, wenn sie dauerhaft Wirkung erzielen sollen.

Viele Elemente, die zum betrieblichen Gesundheitsmanagement gerechnet werden, fallen zudem in den Sektor: „Da müssen wir sowieso etwas unternehmen.“ Dazu gehören das Vorbeugen gegen den Fachkräftemangel genauso wie Bemühungen, ein Unternehmen familienfreundlich zu gestalten. Aber auch die gesunde Ernährung im Betriebsrestaurant und der Nichtraucherschutz, das Eingliederungsmanagement und eine Schwerbehinderten- und behinderungsgerechte Arbeitsgestaltung rechnen Experten zum BGM.

Umfassende Aufgabe

Wer sich um Suchtprävention und Suchthilfe kümmert, Mitarbeiter gezielt auf den Ruhestand vorbereitet oder altersangepasste Fort- und Weiterbildung und lebenslanges Lernen sowie ein Betriebliches Vorschlagswesen betreibt, ist gut dabei. Denn mit derlei Maßnahmen wirken Unternehmen zwei anderen Krankheitsfeldern entgegen, die gewaltige Ausfälle und Kosten verursachen: Stress und Burnout. Lesen Sie dazu auch die Artikel „Stress für die Psyche“ und „Wissen kompakt“.

Weil zur Immunisierung gegen solche Belastungen auch die Integration des privaten Umfelds sowie gemeinsame Aktivitäten mit Familien und Partnern der Beschäftigten gut geeignet sind, kommt sogar der gute alte „Tag der Offenen Tür“, die Weihnachtsfeier in der Kantine oder der Betriebsausflug gesundheitlich aufs Haben-Konto. Manchmal hilft ja auch schon eine Umwidmung bestehender Anlässe und Feste – zum Beispiel in einen Gesundheitstag. Solche Events in Firmen „gehören zu den Höhepunkten innerhalb des Angebots Firmenfitness“, sind die BGM-Experten der Barmer überzeugt (siehe Artikel „Sportlich einsteigen“). Besondere Vorteile seien kurze Wege, der direkte Austausch mit Kolleginnen und Kollegen sowie die Einbindung von qualifizierten Dienstleistern.

So gesehen ist die Sorge, dass ein BGM großen Verwaltungs- und Kostenaufwand nach sich zieht, von der Dimension her schon gar nicht mehr so groß wie vielfach befürchtet. Im Gegenteil: Wie fast immer bei Maßnahmen, die ein Unternehmen stärker machen, geht es vor allem darum, Bestehendes miteinander zu vernetzen und zu integrieren. Vielfach genügt es sogar schon, an einigen Stellschrauben zu drehen, um eine Verbesserung herbeizuführen. Zudem leistet der Staat entsprechendes Engagements durch Fördermittel Vorschub.

 

Die Nachfrage der Mitarbeiter nach gesunden und sportlichen Angeboten ist hoch

Mitarbeiter wünschen sich Angebote des Arbeitgebers

Dazu kommt: Motivationstechnisch ist betriebliches Gesundheitsmanagement ein gefragtes Angebot. Fast drei Viertel der Beschäftigten wünschen sich entsprechende Angebote ihres Arbeitgebers – das brachte 2009 eine bundesweite Erhebung der DAK zutage. Unter den 1.020 befragten Arbeitern und Angestellten gaben 92% an, dass ein betriebliches Gesundheitsmanagement geeignet ist, die Arbeitszufriedenheit zu steigern. 67% der Befragten würden Kursangebote wahrnehmen, um ihre Gesundheit zu erhalten. Die Mehrzahl der Arbeitnehmer hält neben Kursangeboten andere Faktoren für wichtig, um die Gesundheit zu erhalten: Die Befragten nennen hier eine Verbesserung von Führung und Zusammenarbeit (58%), eine familienfreundliche Arbeitszeitregelung (56%) sowie Entscheidungsspielräume und Eigenverantwortung (40%).

An Gesundheit zu sparen kommt teuer

„Viele Unternehmen haben bereits erkannt, dass sich ein betriebliches Gesundheitsmanagement refinanziert", erläuterte DAK-Vorstandsvorsitzender Herbert Rebscher damals die Ergebnisse. „Investition in Gesundheit heißt Senkung des Krankenstandes und weniger Kosten“, sagte er und warnte davor, das Thema Gesundheit gerade in Krisenzeiten ins Visier der Kostenrechner geraten zu lassen: Ausgaben, die nicht für einen kurzfristigen betriebswirtschaftlichen Nutzen erforderlich seien, würden auf den Prüfstand gestellt. „Das betriebliche Gesundheitsmanagement sollte besonders in der derzeitigen Krise eine wichtige Aufgabe im Unternehmen bleiben. Unternehmen mit gesunden und motivierten Mitarbeitern kommen besser durch die Krise und sind wettbewerbsfähiger.“

Vom Spitzensport lernen

Ein Blick auf jene Unternehmen weist den Weg, die ohne ausgefeiltes Gesundheitsmanagement buchstäblich nicht wettbewerbsfähig wären: die Mannschaften im Spitzenfußball. Nicht umsonst beschäftigen sie ganze Ärztestäbe, die nicht nur dafür da sind, die Gesundheit angeschlagener Spieler wieder herzustellen, sondern vorbeugend dafür zu sorgen, dass es erst gar nicht zu einem Ausfall kommt.

„Wartung und Instandhaltung“ nennt man das im Maschinenpark. Das Konzept dahinter passt auch für die Belegschaft. Lesen Sie dazu auch den Artikel „Sportlich einsteigen“. Denn die Ärzte und Physiotherapeuten der Kicker arbeiten ja auch nicht im luftleeren Raum, sondern eng mit dem Trainerstab zusammen, der sich neben taktischen Konzepten und spielerischen Tricks auch allerhand einfallen lässt, um die Fitness des Teams zu stärken und zu erhalten. Genau darum geht es auch im Betrieblichen Gesundheitsmanagement: Dafür zu sorgen, dass alle fit sind und sich auch fit fühlen.

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