Betriebsärzte widmen sich Leib und Seele

27. Oktober 2017

Bei ihrer Jahrestagung stellen sich die deutschen Werksmediziner einer gewandelten Arbeitswelt – von der Digitalisierung bis zur Umweltmedizin.

Für die Mediziner aus ganz Deutschland spielten zahlreiche Themen eine Rolle, die dem rapiden Wandel in der Wirtschaft entspringen – und dem wachsenden Gesundheitsbewusstsein in der Gesellschaft. So widmete sich etwa Dr. Marc Wittlich vom Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung der „neuen Berufskrankheit Nr. 5103“, sprich: Hautkrebserkrankungen durch langjährige UV-Strahlung der Sonne bei „Outdoor-Workern“. Aber nicht nur bei den typischen Berufen am Bau oder in der Landwirtschaft sei daher eine individuelle Gefährdungsanalyse gefordert, sondern bei allen Beschäftigten, die sich regelmäßig oder häufig im Freien aufhalten. Weil eine einschlägige Diagnose alles andere als trivial ist, hat die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung DGUV gemeinsam mit den Unfallversicherungs-Trägern die DGUV-Arbeitshilfe (PDF) „Hautkrebs durch UV-Strahlung“ entwickelt.

Neue Medizin für neue Arbeitsformen

Das Spektrum der Möglichkeiten im Zuge der Digitalisierung reicht von den erweiterten Optionen in der Behandlung und Konsultation durch Telemedizin, bis hin zum Umstand, dass eine „Industrie 4.0“ auch eine „Arbeitsmedizin 4.0“ nötig mache. Prof. Dr. Stephan Letzel von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, gleichzeitig Präsidiumsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e. V. – DGAUM machte deutlich, dass – wie in anderen Unternehmensbereichen auch – die Digitalisierung zunächst vor allem Veränderung bedeute, aber nicht automatisch überall „Verbesserung“ nach sich zieht. Auch in einer Arbeitswelt 4.0 werde es Gefahren geben, die sowohl von psychischen Faktoren wie Monotonie oder Überforderung ausgehen als auch von physischen Faktoren wie Lärm, körperlichen Belastungen oder genauso wie Bewegungsarmut beeinflusst sind. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und zunehmend älterer Beschäftigten einerseits, sowie neuen Arbeitsformen andererseits entstehen daraus eine wachsende Bedeutung für die Prävention und den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz.

Auch Führungskräfte brauchen Beistand

Mit Diskussionen über mögliche Wege zur barrierefreien Fabrik oder über Gesundheit als Führungsaufgabe im Rahmen der Corporate Social Responsibility (CSR) signalisierten die Betriebsärzte ihre Bereitschaft, sich ganzheitlich an den aktuellen Veränderungsprozessen in den Unternehmen zu beteiligen. Bei der Frage nach „Schutz und Stärkung der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz“ fanden dabei auch Themen wie „Führungskräfte - die vergessene Mitarbeitergruppe in puncto psychosoziale Belastung“ Eingang in Diskussion und Erfahrungsaustausch.
 

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