Betriebssport muss am Ball bleiben

21. Juni 2016

Wandel der Arbeitswelt verändert das sportliche Miteinander in der Firma. Die Effekte auf Leistung und Betriebsklima bleiben unbestritten.

  • Betriebssport fördert physische und psychische Fitness der Mitarbeiter.
  • Neue Wege bei der Arbeitsorganisation verändern die Voraussetzungen für organisierten Betriebssport.
  • Kooperationen mit anderen Unternehmen oder Vereinen ermöglichen es Firmen, weiter das Instrument Betriebssport attraktiv zu halten.

Betriebssport wirkt auf zweierlei Weise in das Unternehmen hinein. Denn er verfügt gleichermaßen über eine gesundheitsfördernde wie eine soziale Komponente. Während sich die positiven Folgen der erhöhten Fitness jener Mitarbeiter leicht erkennen lassen, die aktiv sporteln, bleibt die soziale Wirkung oft unerkannt. Was auch daran liegt, dass entsprechende Initiativen und Gruppen eher vom Zufall gesteuert existieren, als dass sie nach Plan installiert würden.

Training für die „soft skills“

Dabei ist der Effekt bereits vielfach dokumentiert und auch wissenschaftlich belegt. In ihrer Diplomarbeit „Die Auswirkung von Betriebssport auf das Betriebsklima von Unternehmen“ zitiert etwa Silke Jena das Beispiel der Verlagsgruppe Milchstraße in Hamburg. Deren Geschäftsführung verfolge mit ihrem breiten Sport- und Gesundheitsangebot für die Mitarbeiter das Ziel: „Die viel zitierten Softskills der Beschäftigten, also Teamgeist, gegenseitiger Respekt und Vertrauen, Selbstverantwortung, körperliche und geistige Belastbarkeit, sollen möglichst gut entwickelt und ausgebildet sein.“ In der Realität zeige sich allerdings, dass die Zusammenhänge zwischen Betriebssport und Betriebsklima „komplizierte, empirisch schwer nachweisbare Beziehungsgefüge“ darstellen. Übersetzt heißt das: „Es fällt nichts vom Himmel, dafür muss hart trainiert werden.“

Betriebssport macht sich bezahlt

Die Effekte scheinen der Mühe und der Investition durch den Arbeitgeber wert. Denn nach Analyse umfassender Berichte aus dem ganzen Land durch den Deutschen Betriebssportverband (DBSV) sorgt das gemeinsame Sporteln von Kolleginnen und Kollegen für:

  • einen verbesserten Gesundheitszustand,
  • eine erhöhte Leistungsfähigkeit,
  • eine wachsende Leistungsbereitschaft,
  • die Förderung sozialer Kontakte,
  • die Verstärkung abteilungsinterner und abteilungsübergreifender Kommunikation und Gruppenbildung, 
  • eine höhere Identifikation mit dem Unternehmen,
  • eine verringerte Unfallhäufigkeit am Arbeitsplatz und
  • eine geringere Personalfluktuation.

Ausgleich für psychische Belastung

Zudem spielen in das Thema Betriebssport auch die Berührungspunkte von physischer und psychischer Gesundheit der Mitarbeiter hinein. Dies hat in umfangreichen Studien die Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) untersucht. Darin kooperieren der BKK Dachverband, die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), der AOK-Bundesverband sowie der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) bei der Prävention und der betrieblichen Gesundheitsförderung. Allen Studien gleich ist die Erkenntnis: Arbeit spielt eine zentrale Rolle für das allgemeine Wohlbefinden – auch im Privaten. Zugleich kann Arbeit auch psychisch belasten und Beeinträchtigungen hervorrufen. Dafür liefere sportliche Aktivität in vielerlei Hinsicht ausgleichende Hilfe.

Bleibt soziale Funktion auch künftig erhalten?

Allerdings steht auch hier die Anpassung an eine veränderte Arbeitswelt im Fokus derer, die in die Zukunft blicken. „Wird der Betriebssport seine Funktion als Partner der betrieblichen Sozialpolitik weiterhin spielen können?“ fragt man sich beim DBSV besorgt. „Wir erleben eine Revolution, in der neue Werte wie Selbstverwaltung und Selbstverwirklichung wichtig werden.“ Mit der Organisation der Arbeit änderten sich auch die Grundlagen des Betriebssports. Der Trend zu mehr Eigenverantwortung und Selbständigkeit der Beschäftigten kollidiere mit den „einengenden Regeln“ vieler Sportarten.

Neue Allianzen für sportliche Betriebe

„Wir werden uns aber wohl darauf einstellen müssen, dass wir mit diesen beruflichen Veränderungen im Freizeitverhalten zu noch mehr Individualität kommen werden“, vermutet der Sportverband. Mit der Konsequenz, dass betriebsübergreifende Fun- und Gesundheitssportarten an Gewicht zu- und die Bindung des Einzelnen an bestimmte Sportarten abnähmen. Der Betriebssport „sollte aus dieser Konkurrenz lernen und nach Wegen suchen, vergleichbare Betriebssportangebote anzubieten“, heißt es in einem Dokument des DBSV. „Dabei wird der einzelne Betrieb häufig überfordert sein. Hier ist dringend geboten, Kooperationen mit anderen Unternehmen und auch mit den regionalen Betriebssportverbänden einzugehen.“

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