Damit Zuhörer nicht auf Durchzug schalten

Wem an der Aufmerksamkeit des Publikums von Vorträgen und Präsentationen gelegen ist, verzichtet klugerweise auf Phrasen. Denn die signalisieren dem Auditorium: „Kenne ich schon, brauche ich nicht aufzupassen.“

  • Phrasen schwächen die Kraft des Vortrags, individuelle Formulierungen stärken ihn
  • Zu sehr vertraute Redewendungen ermüden die Zuhörer
  • Aus dem Aufwand für eigene Satz-Schöpfungen lässt sich im Idealfall ein Markenzeichen kreieren

„Schön, dass Sie alle gekommen sind.“
„Ich möchte heute über das Thema … zu Ihnen sprechen.“
„Wie ich eben schon sagte …“
„Zurück zu meinem eigentlichen Thema.“
„Abschließend kann ich sagen, dass …“

Wir erkennen auf Anhieb: Da hält jemand einen Vortrag oder eine Rede. Wir erkennen zudem: Dieser jemand folgt den Standardregeln fürs Nicht-aus-dem-Rahmen-Fallen. Zu guter Letzt erkennen wir dann noch, dass jede einzelne dieser Phrasen für sich, alle drei im Bündel aber besonders unsere Motivation weit nach unten drücken, begeistert zuhören zu wollen.

Schmaler Grat zwischen „Merken“ und „Vergessen“

Ein lebendiger, anregender Vortrag zieht seine Kraft daraus, dass der Redner auf standardisierte Redewendungen verzichtet. Auch wenn sie in noch so vielen Schulungsunterlagen ans Herz gelegt werden und es jede Menge Vorbilder gibt, die sich mit ihrer Hilfe rhetorisch durchs Leben schlagen. Hirnforscher rund um die Welt haben wiederholt festgestellt, dass solch vertraut klingende Formulierungen beim Zuhörer auf den „Durchzug einschalten“-Knopf drücken. Nach dem Motto: Das kenne ich ja schon, das brauche ich nicht aufnehmen. Problematisch, dass der Durchzug auch über die Phrase hinaus geöffnet bleibt. Noch problematischer, dass die Funktionen „Merken“ und „Vergessen“ das gleiche Netzwerk in unseren Gehirnen nutzen

Stereotypen wirken ermüdend

Phrasen senden überdeutliche Signale an die Durchzugsschaltung. Regelmäßige Besucher von Vorträgen und Präsentationen kennen den Effekt aus der Bebilderung von Powerpoint-Dateien: Wenn einem zu „international“ nichts anderes einfällt als der Eiffelturm und zu „Partnerschaft“ wieder nur zwei sich schüttelnde Hände, dann ist die Wahrscheinlichkeit geistreicher und inspirierender Inhalte eher unterdurchschnittlich. Die Ermüdung setzt fast unmittelbar ein. Ein Blick in die Klamottenkiste der audiovisuellen Kommunikation zeigt, dass diese Erkenntnis alles andere als neu ist. Eine große Fluggesellschaft packte einst, als sie Teile der Piloten-Schulung in den Selbstunterricht am Monitor auslagerte, zwischen die zahlreichen technischen Zeichnungen und Bilder immer wieder mal das Foto eines Pin-ups, um die Durchzugstür mit Karacho zuzuschlagen.

Nachahmen ist verboten

Sich von Phrasen zu verabschieden, bedeutet Mühe. Denn es gilt, jede von ihnen durch eine Eigenkreation zu ersetzen. Experten kennen mehrere Tricks, um in diesen schöpferischen Prozess einzusteigen, raten aber zugleich davon ab, originelle Einfälle anderer zu kopieren. Wenn also der Referent Huber seinen Vortrag mit einem Gongschlag und den Sätzen „Hier ist das Huber-Fernsehen mit den Tagesthemen“ beginnt – dann ist das sein Markenzeichen. Oder wenn der Vortragende Schmidt seine Referate regelmäßig mit einem Lied („Jetzt singen wir fröhlich schmidteinander“) ausklingen lässt, dann gehört ihm diese Idee allein.

Eigene Erfahrungen liefern gute Ansätze

Was hilft, ist eine gründliche Analyse dessen, was den Redner selbst begeistert oder worin er bestens vertraut ist. Denn darüber lässt sich trefflich auch frei sprechen. Ein leidenschaftlicher Boccia-Spieler zum Beispiel findet in seinem Sport genauso viele Anleihen und Sinnbilder wie ein Fontane-Freund in den Seiten seines Lieblingsautors. Wer wochenends viel Zeit in der Natur verbringt, kann darüber ebenso lebendig erzählen wie einer, der dann an seinem Motorrad schraubt. Selbstverständlich sind auch Bezüge zur eigenen Branche oder Firma erlaubt; ob es dann Meilensteine aus der Geschichte sein müssen oder eine Anekdote aus der letzten Hausmesse? Für die richtige Wahl empfiehlt sich ein Blick auf die Teilnehmerliste und ein paar Gedanken zur Erwartungshaltung der dort Notierten.

Direkter Weg zum Abgewöhnen

Eine bewährte Methode, um sich von Phrasen zu verabschieden, ist die Umkehrung des Prinzips „phrase of the week“ vom Lernen zum Löschen. Wer regelmäßig den eigenen Sprachgebrauch auf nichtssagende Bemerkungen untersucht (wem keine einfallen, kann z.B. die Phrasendreschmaschine bemühen LINK: http://orthografietrainer.net/service/phrasendreschmaschine.php, braucht die gefundenen Redewendungen nur ein paar Minuten lang laut auszusprechen und ist danach ziemlich sicher davon kuriert. Das Überraschende der Methode: Es fallen einem gleich eine ganze Reihe von attraktiven Alternativen ein.

„Bitte denken Sie daran, nach meinem Vortrag Ihr Handy wieder einzuschalten. Danke!“
„We’ve just landed in Hamburg. The local time ist 10 past eight. We wish you a nice evening. And don’t forget to call your Mom!“
„Liebe Fahrgäste, in wenigen Minuten hält der nächste Bahnsteig an unserem Zug. Er heißt Hannover Gleis 9 und freut sich schon sehr auf Sie.“