Der letzte macht das Licht aus

Es sind zum Teil sehr alte, gleichwohl bewährte Regeln, mit denen sich Mitarbeiter im Unternehmen an der Energiewende beteiligen lassen. Gerade weil der „human factor“ das Zünglein an der Verbrauchs-Waage ist, führt der Weg zu mehr Energieeffizienz über die Menschen im Betrieb.

Wenn die Mitarbeiter eines Automobilherstellers aufs Fahrrad umsteigen, ist das schon ungewöhnlich. So richtig „heiß“ wird die Geschichte, wenn es sich dabei nicht um irgendjemand, sondern um Mercedes-Benz handelt – und wenn die „Bikes“ dann auch noch E-Klasse sind. E wie Elektromotor. Seit dem Spätherbst 2011 auf jeden Fall drehen sich neue Räder im Werk Untertürkheim, östlich von Stuttgart. Seither können Mitarbeiter an diesem Standort mit Elektrorädern kostenlos Ihren Arbeitsweg zurücklegen.

Während der Arbeitszeit kann das Zweirad dann an einer der Ladestationen aufgeladen werden, die speziell für dieses Projekt vor dem Tor des Werksgeländes aufgebaut wurden. Den ersten Testpiloten hatte ihr Arbeitgeber zwei Pedelecs und ein Elektro-Kleinkraftrad zur Verfügung gestellt. Mit dem Start der Serienproduktion des smart ebike im Frühjahr 2012 wurde die Flotte dann um fünf weitere Pedelecs ergänzt. „Unsere Mitarbeiter werden zu den ersten zählen, die unser smart ebike er-fahren können“, machte smart-Chefin Dr. Annette Winkler den potentiellen Nutzern das Angebot schmackhaft.

Neue Wege zum Ausprobieren anbieten

Die Testpiloten wurden für jeweils zwei bis vier Wochen anhand von zuvor festgelegten Kriterien ausgewählt: Dazu gehören unter anderem die Entfernung zum Wohnort, die zurückgelegten Höhenmeter sowie das aktuell genutzte Verkehrsmittel. „Wir möchten natürlich auch unseren Mitarbeitern die Möglichkeit geben, Elektromobilität hautnah zu erleben“, sagte Sven Giesler, Sprecher der ehrenamtlichen Umweltschutzgruppe der Daimler AG.

Für solche Anstrengung gibt’s dann bei einem Werksbesuch des grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann auch ein dickes Lob fürs ganze Haus, wenn er ausdrücklich das Engagement von Daimler beim Elektro- und Wasserstoffantrieb: „Daimler hat die Zeichen der Zeit erkannt. Damit bestehen beste Chancen für die Zukunft des Unternehmens.“

Steuervorteile nur mit Energiemanagement und Audit

Initiativen wie die von Mercedes-Benz zeigen, dass es oft gar keinen großen Aufwand bedeutet, um Mitarbeiter für das Thema Energiewende zu begeistern – und gleichzeitig auch noch Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu erzielen. Dies ist umso bedeutsamer, als Unternehmen, die den Spitzenausgleich bei der Energie- und Stromsteuer beanspruchen, seit dem 1. Januar 2013 u. a. nachweisen müssen, dass sie ein Energiemanagement oder – im Falle von kleinen und mittleren Unternehmen – ein entsprechendes Audit durchgeführt haben. Da macht sich jede Maßnahme bezahlt, dank derer die Mitarbeiter das Thema schon verinnerlicht haben.

Auch ohne den steuerlichen Anreiz lohnt es sich, Mitarbeiter energiebewusst zu machen. Jede nicht verbrauchte Kilowattstunde verbessert die Firmenbilanz. Mit einem unternehmensweiten Energiemanagement erfassen Unternehmen ihren Energieverbrauch detailliert, identifizieren Einsparpotenziale und verfügen über Ansatzpunkte, um entsprechende Energieeffizienzmaßnahmen umzusetzen. Die „Initiative EnergieEffizienz“ der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) unterstützt Unternehmen aus Industrie und Gewerbe mit einem Handbuch und einem Webspecial unter www.stromeffizienz.de bei diesen Schritten. 

Potenzial noch nicht erkannt

„Viele Unternehmen haben das Potenzial von Energiemanagement noch nicht erkannt. Bisher hat nur etwa jedes fünfte Unternehmen in Deutschland ein Energiemanagementsystem eingeführt“, so Annegret-Claudia Agricola, Bereichsleiterin der dena. „Dabei können Unternehmen mit einem betrieblichen Energiemanagement wirtschaftliche Einsparpotenziale systematisch aufdecken und dann konsequent erschließen.“

Kleine und mittlere Unternehmen, denen häufig die notwendigen Ressourcen für die Einführung eines kompletten Energiemanagements fehlen, können mit Hilfe des dena-Handbuchs einzelne Bestandteile eines Energiemanagements einführen. Es lohnt sich für sie, zunächst über ein Energie-Controlling, Energieverbräuche und -kosten kontinuierlich zu erfassen.

Fördermittel für Energieberatung

Bei der Planung und Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen können sie dann auf die Hilfe eines Energieberaters zurückgreifen. Für eine solche Beratung stellt die KfW Fördermittel im Rahmen ihres Programms „Energieberatung Mittelstand“ bereit. Das Energie-Controlling lässt sich bei Bedarf zu einem vollständigen Energiemanagementsystem ausbauen.

Wie sehr es darauf ankommt, die Mitarbeiter in die Energiewende einzubinden, zeigt sich am Beispiel der Endress+Hauser Conducta GmbH + Co.KG im württembergischen Gerlingen. Sie ist einer der weltweit führenden Anbieter von Messstellen und Komplettsystemen für die Flüssigkeitsanalyse – sowie einer der drei Preisträger des „Energy Efficiency Awards 2012“ zum Film. In der Begründung der Jury heißt es: „Beispielgebend ist auch die Einbindung der Mitarbeiter: Im Rahmen des betrieblichen Ideenmanagements werden sie aufgefordert, Vorschläge zur Senkung des Energieverbrauchs einzureichen.“ Endress+Hauser Conducta habe, so die Experten weiter, in vorbildlicher Weise Energieeffizienz zu einem zentralen Bestandteil ihrer Unternehmensstrategie gemacht.

Mitarbeiter beim Energiesparen einbinden

Um welche Dimensionen es geht, zeigt das Beispiel der Die SCA Hygiene Products. Das Unternehmen hat zwischen 2003 und 2010 den Energieverbrauch seiner vier deutschen Werke Mannheim, Kostheim, Neuss und Witzenhausen bei stabiler Produktionsmenge um insgesamt rund 220 Gigawattstunden pro Jahr gesenkt. „Zwei Drittel der Einsparungen wurden durch Maßnahmen erzielt, für die keine oder nur geringe Investitionen erforderlich waren“, dokumentiert die dena. „Insgesamt wurden 35 Mio. € in Energieeffizienzmaßnahmen investiert. Die Energiekosten konnten um 8 Mio. € pro Jahr gesenkt werden. Die Kapitalrendite beträgt 23%.“

Der Schwerpunkt der Energieeffizienzmaßnahmen lag auf kontinuierlichen Prozessoptimierungen unter der aktiven Einbeziehung aller Mitarbeiter – nicht nur einer kleinen Gruppe von Technikern und Ingenieuren. Ein entsprechendes Programm sorgte dafür, das Bewusstsein und Verhalten aller Mitarbeiter zu erreichen und ihnen deutlich zu machen, dass jeder Mitarbeiter an der Verbesserung der Energieeffizienz beteiligt ist.

Kosten und Ersparnisse kommunizieren

In diesem Zusammenhang informiert das Unternehmen seine Angestellten regelmäßig durch Kostenkataloge über die Energiekosten und deren Anteil an den Gesamtkosten des Unternehmens. Ziel: Bewusst zu machen, wie viel zum Beispiel eine 1,5 mm Leckage in einer Druckluftleitung oder die zusätzliche Stromaufnahme an einem Motor der Papiermaschine bei Zuschalten eines besonderen Trockenmoduls kostet.

Diverse Kampagnen unterstützen das Vorgehen. Zu den wichtigsten zählt dabei das Eurostar Reward Programm: Jedes Quartal wird u. a. das Werk mit der besten Energieeffizienzoptimierung ermittelt. Einmal pro Jahr wird das beste europaweite Team ausgezeichnet und mit einer Wochenendreise zur Verleihung belohnt.