Die „letzte Zigarette“ ist Chefsache

Verantwortungsbewusstes Führen schließt die Gesundheit der Mitarbeiter ein. Bei der Hilfe zur Sucht-Entwöhnung sind daher auch Vorgesetzte gefragt.

  • Rauchfreie Arbeitsumgebungen sind nicht nur eine Frage der guten Luft, sondern der Gleichbehandlung der Mitarbeiter.
  • Verzicht aufs Rauchen ist – genauso wie jede andere Befreiung von Abhängigkeiten – für den Einzelnen genauso vorteilhaft wie für den Arbeitgeber.
  • Vorgesetzte und Personalverantwortliche sind gefordert, eventuelle Ausstiegsbemühungen von Mitarbeitern zu unterstützen.

Das historische Ereignis ging am 25. Februar 1990 in Washington D.C. über die Bühne. Der US-Kongress verabschiedete ein Gesetz, das künftig das Rauchen an Bord von Inlandsflügen untersagte. Über kurz oder lang galt das Verbot auch auf der Langstrecke, Airlines rund um den Globus folgten; heute ist die zivile Passagierluftfahrt innerlich rauchfrei. Dass es kaum Fluggesellschaften gab, die aufbegehrten, hat handfeste Gründe: Die Intervalle für die Wartung der Flugzeugzelle verlängerten sich ob des Wegfalls korrosionsauslösender Nikotinrückstände, auch die Erneuerung von Sesseln und Kabinenausstattung erfuhr nun längere Fristen. Ein Milliarden-Deal.

Drohen Angestellte mit Justitia?

Zudem fürchteten die Airlines als Arbeitgeber, dass mehr und mehr ihrer Mitarbeiter wegen gesundheitlicher Risiken und Schäden, ausgelöst durch Raucher an Bord, vor den Kadi zögen. Dem galt es vorzubeugen. Andere Zweige der Hospitality-Branche erkannten das Vorgehen der fliegenden Kollegen als vernünftig und zogen nach. Auch wenn manchen Gastronomen zwiespältige Gefühle angesichts der rauchenden Stammkundschaft erfüllten, ging doch für die meisten die Rechnung auf.

Abschied oder Ausgrenzung

Inzwischen sind rauchfreie Arbeitsplätze Standard in den meisten Wirtschaftszweigen. Während sich die Arbeitgeber durch Dienstanweisungen oder Verbote leichttun, entsprechendes umzusetzen, sieht sich mancher Arbeitnehmer vor die Wahl gestellt: Raus vor die Tür oder aufhören! Viele von ihnen fühlen sich zwar vor der Tür nicht wohl, haben aber entweder nicht die Kraft zum Aufhören oder sind mit Versuchen mehrfach gescheitert.

Methoden zur Entwöhnung

Wollen Arbeitgeber ihre Beschäftigten beim Ausstieg aus dem Tabakkonsum unterstützen, stehen ihnen fünf Wege offen, wie sie das angesehene Internetportal www.ich-werde-nichtraucher.de auflistet:

  • Verhaltensbezogene Methoden
  • Nikotinersatztherapie
  • Medikamentöse Tabakentwöhnung
  • Entspannungstechniken
  • Akupunktur oder Hypnose

Arbeitsumfeld reinigen

Den besten Erfolg versprechen dabei aus Expertensicht die verhaltensbezogenen Methoden, wobei hier der Arbeitgeber auch die meisten Möglichkeiten hat, aktiv beizutragen. Denn ähnlich wie bei psychischen Erkrankungen von Mitarbeitern lassen sich hier durch Änderungen im Umfeld, bei der Organisation oder bei Prozessen unterstützende Kräfte freisetzen. Weshalb auch Methoden, die auf Psychotherapie und Hypnose aufbauen, oft dauerhaft Wirkung zeigen. Auf entsprechende Wünsche sollten – bei jedem Suchtaussteiger – Personalverantwortliche auch dann hören, wenn die Entwöhnung ohne Beteiligung des Unternehmens stattgefunden hat. Zum Beispiel deshalb, damit der Betroffene nicht in eine Umgebung zurückkehrt, die ihn rückfällig werden lässt.

Vorgesetzte am nächsten dran

Warum sollten Unternehmen auf diesem Feld überhaupt aktiv werden? Neben den vielen organisatorischen Aufgaben und der Personalentwicklung haben Führungskräfte und Personalverantwortliche hier aus eigenem Interesse Handlungsbedarf. Mehr noch als beim Rauchen gilt dies beim Alkoholkonsum. „Auf Sie kommt in dieser Frage eine wichtige Schlüsselfunktion im Unternehmen zu“, heißt es in einem Handout, das die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) gemeinsam mit der Barmer GEK erarbeitet hat. „Viel hängt von Ihren Kenntnissen zur konkreten Ansprache und im Umgang mit einem auffällig Alkohol konsumierenden Mitarbeiter ab. Sie verfügen in Ihrer Position über gute Möglichkeiten, diese Person frühzeitig auf ihr Verhalten hinzuweisen und können rechtzeitig intervenieren, um fehlerhaftes Arbeiten und/oder Krankschreibungen zu vermeiden.“

Frage der Fürsorge

Gleichzeitig bietet der Arbeitsplatz hervorragende Möglichkeiten, Suchtproblemen entgegenzuwirken. „Suchtprävention und Suchthilfe am Arbeitsplatz müssen dabei Chefsache sein“, forderte die DHS schon 2013 anlässlich der 53. Fachkonferenz „Sucht und Arbeit“. „Die Vorgesetzten tragen die Verantwortung für Arbeitsleistungen und Fürsorge. Und nur sie können strittige und tabubelastete Regelungen durchsetzen, gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern. Der Gewinn von Prävention für die Unternehmen lässt sich der DHS zufolge bemessen. „Untersuchungen in 300 Unternehmen aus 15 Ländern zeigten: 1,00 Euro Investition pro beschäftigter Person und Jahr versprechen 2,20 Euro ökonomischen Erfolg.“