„Digitale Souveränität“ geht die ganze Firma an

1. Februar 2016

Eine neue Aufgabe für Personalverantwortliche: Datensicherheit in jedem Betrieb und im Bewusstsein jedes Mitarbeiters. So wird „Digitale Souveränität“ zum Leistungsmerkmal in der Unternehmensbilanz.

Grundlagen „digitaler Souveränität“ entscheiden über Wettbewerbsfähigkeit

  • Ungeschützte, unsichere Datenkommunikation bedroht das souveräne Handeln von Staat und Wirtschaft
  • Trotz politischer Anstrengungen ist jedes Unternehmen selbst gefordert, Vorsorge zu treffen und sein Betriebswerte zu schützen
  • Personalarbeit muss die Entwicklung und Sensibilisierung der Mitarbeiter auf diesem Gebiet vorantreiben

Es ist etwa ein Jahr her. Da ging während der CeBit der erste „Nationale IT-Gipfel“ über die Bühne. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und der EU-Kommissar für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft, Günther Oettinger, nahm an dem Treffen teil. Ein zentrales Thema der Gespräche war, wie Deutschland und Europa ihre digitale Souveränität sichern und ein moderner Ordnungsrahmen für den digitalen Binnenmarkt aussehen soll. Mit dem Treffen begann auch die Arbeit in acht Plattformen und zwei Foren, die zentrale Aspekte der Digitalen Agenda umsetzen sollen. Seither ist der Begriff der „digitalen Souveränität“ nicht mehr ganz fremd in Deutschland.

„Selbstbestimmt und selbstbewusst“

Parallel zur politischen Diskussion meldete sich die Wirtschaft. „Wir müssen unsere digitale Handlungsfähigkeit wiederherstellen. Die digitale Revolution erfordert Digitale Souveränität für Deutschland und Europa. Wir müssen bei digitalen Schlüsseltechnologien, Diensten und Plattformen internationales Spitzenniveau erreichen und gleichzeitig in der Lage sein, selbstbestimmt und selbstbewusst zwischen Alternativen vertrauenswürdiger Partner zu entscheiden.“

Risiko im Wettbewerb

Der das sagt, heißt Dieter Kempf. Seit 1996 ist er Vorstandsvorsitzender der DATEV und seit 2005 Honorarprofessor für Betriebswirtschaftslehre an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Er spricht für Bitkom, den Branchenverband der IT-, Telekommunikations- und Neue-Medien-Branche in Deutschland. Er macht deutlich, was es heißt, wenn „Digitale Souvernität“ fehlt. Seine Kernbotschaft: Ohne rasche Maßnahmen zur Unterstützung eines neuen Wandels der Wirtschaft auf digitaler Grundlage würden Deutschland und Europa im internationalen Wettbewerb zurückfallen und damit die Grundlagen für den Wohlstand künftiger Generationen verspielen.

Schlüsselkompetenz – verfügbar oder nicht?

Freundlicherweise hat Bitkom gleichzeitig auch eine der seltenen, von politischen Begriffen befreiten Definitionen des Begriffs „Digitale Souveränität“ geliefert. Sie besteht in der Fähigkeit zu selbstbestimmtem Handeln und Entscheiden im digitalen Raum. Digital souveräne Länder oder Regionen verfügen aus Bitkom-Sicht bei digitalen Schlüsseltechnologien und -kompetenzen, entsprechenden Diensten und Plattformen über eigene Fähigkeiten auf internationalem Spitzenniveau.

Funktionieren nach innen, Integrität nach außen

Sie sind darüber hinaus in der Lage, selbstbestimmt und selbstbewusst zwischen Alternativen leistungsfähiger und vertrauenswürdiger Partner zu entscheiden, sie bewusst und verantwortungsvoll einzusetzen und sie im Bedarfsfall weiterzuentwickeln und zu veredeln. Nicht zuletzt sind digital souveräne Systeme in der Lage, ihr Funktionieren im Innern zu sichern und ihre Integrität nach außen zu schützen. „Damit grenzen wir Digitale Souveränität von den beiden Extrempolen Fremdbestimmung und Autarkie ab“, sagt Kempf.

Sichere Umsetzung nicht allein über die Technik, sondern über die Menschen möglich

Was der Bitkom-Präsident feststellt, gilt gleichwohl für jedes einzelne Unternehmen in Deutschland. Auch dort ist Fremdbestimmung eine Gefahr, auch dort braucht es Leistungsfähigkeit und Stärke, um im digitalen Wandel mitzuhalten – Stichwort „Fabrik 4.0“. Auch dort ist es wichtig, selbständig zwischen Alternativen wählen zu können, auch dort braucht die Innovationsfähigkeit den zuverlässigen, sicheren Zugriff auf Daten. „Digitale Souveränität“ ist daher in jedem Unternehmen ein Thema – und für kleine und mittlere Betriebe eine besondere Herausforderung.

Jedes Unternehmen muss für sich handeln

An dieser Stelle kommt die Aufgabe ins Spiel, neben dem technischen Equipment auch die Mitarbeiter auf das Thema „Digitale Souveränität“ einzustellen. Denn jedes Unternehmen ist selbst gefordert, seine Souveränität zu gestalten und zu schützen – allen voran indem Datenschutz und Datensicherheit zur Chefsache und zur betrieblichen Selbstverständlichkeit erhoben werden.

Aufgabe für Personalentwicklung und -training

Personalabteilungen und HR sind gefordert, die digitalen Skills der Belegschaft zu erkennen und zu entwickeln. Mitarbeiter müssen befähigt, geschult und motiviert werden im Umgang mit den neuen Werkzeugen und deren Wirkung. Nicht zuletzt ist der Personalbereich selbst gefordert, zum Beispiel beim Speichern von Personaldaten in Netzen oder Clouds – denn mangelhafter Schutz dort gibt nicht nur wertvolles Unternehmenskapital preis, sondern setzt auch die Reputation der Firma aufs Spiel. Ein Unternehmen, von dem sensible Personalia an die Öffentlichkeit dringen, kann sich die Mühe mit dem „Employer Branding“ sparen; es hat sein Markenzeichen auf lange Frist schon verpasst bekommen.

„Chance für verbesserte Arbeitsabläufe“

Als Kronzeuge für die Sensibilität des Themas sei noch einmal Sigmar Gabriel mit einem Statement zitiert, das er im Herbst 2015 anlässlich der High-Level Konferenz „Digitaler Wandel in Kreativwirtschaft, Handel und Mobilität - Chancen und Gestaltungsmöglichkeiten in Europa“ in Berlin gab: „Wir sind mitten in einer digitalen Revolution, die mit hoher Geschwindigkeit und großer Kraft Branchen, Märkte und unser tägliches Leben umwälzt. Viele Unternehmen packen diesen Wandel entschlossen und erfolgreich an und nutzen die Chance, ihre Arbeitsabläufe, Kommunikation und letztlich durch neue Produkte unser tägliches Leben zu verbessern. … Für mich ist dabei wichtig, dass die fundamentalen Werte und Grundrechte der analogen Welt auch in einer digitalen Welt gelten. … Digitalisierung ,Made in Germany‘ sollte sich an dem Ziel orientieren, die Menschen zu ermächtigen; ihre Fähigkeiten zu steigern und ihnen mehr Freiheit geben, ihr Leben in die Hand zu nehmen. Der Schlüssel dazu ist digitale Souveränität."

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