Erleuchtung durch Beleuchtung

7. Dezember 2015

Die norm- und bedarfsgerechte Verfügbarkeit von Licht am Arbeitsplatz ist nicht nur eine Frage von Gesetzen. Unternehmen, die auf mehr Produktivität durch höhere Qualität von Arbeitsplätzen setzen, sind gut beraten, neue Beleuchtungskonzepte zu nutzen.

Gesundheitliche und wirtschaftliche Vorteile durch moderne Beleuchtungskonzepte

  • Fach- und regelgerechte Beleuchtung erhöht Produktivität und Sicherheit
  • Neue Leuchtmittel wie LED verbessern zudem Wirtschaftlichkeit und Ökobilanz
  • Intelligente Steuerung optimiert Beleuchtungssituation für alle Situationen und Räume

„Der Tageslichtquotient D ist das Verhältnis der Beleuchtungsstärke an einem Punkt im Innenraum Ep zur Beleuchtungsstärke im Freien ohne Verbauung Ea bei bedecktem Himmel. D = Ep/Ea x 100 %“ - Sätze wie dieser bringen die Verantwortlichen für die Beleuchtung von Arbeitsplätzen schon mal ins Grübeln. Denn darüber hinweg zur Tagesordnung überzugehen, geht nicht. Sie stehen so in der „Technischen Regeln für Arbeitsstätten ASR A3.4: Beleuchtung“, die für Arbeitsplätze verbindlich sind.

Technische Mindeststandards sind definiert

Darin ist zum Beispiel festgehalten, dass Arbeitsstätten möglichst ausreichend durch Tageslicht beleuchtet sein müssen. Auch weist sie die Mindestwerte in puncto Beleuchtungsstärke in Lux (ebenso zur Farbwiedergabe) bei künstlichem Licht aus – differenziert sowohl nach Art der jeweiligen Arbeitsräume und -plätze als auch nach Art der Tätigkeiten bzw. nach Branchen.

Es empfiehlt sich angesichts der zahlreichen technischen Feinheiten gerade für kleine und mittlere Unternehmen, ausgewiesene Beleuchtungs-Experten zu Rate zu ziehen. Für die sind nicht nur die zitierten Sätze mühelos verständlich, sie haben auch den Zugang zum neuesten Stand der Technik. Hier gilt, auch aus Gründen der Wirtschaftlichkeit, der Einsatz von LED-Leuchtmitteln derzeit als der Idealweg.

Bestandteil der Arbeitsschutz-Vorschriften

Verantwortung und Handlungsbedarf für Unternehmen ergeben sich aus dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG). Demzufolge müssen Arbeitgeber die erforderlichen Maßnahmen treffen, um die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit zu gewährleisten – dazu gehört auch die ordnungsgemäße Beleuchtung der Arbeitsplätze. Diese ist detailliert in der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)  aufgeführt. Dort heißt es zum Thema Beleuchtung:

  1. „Die Arbeitsstätten müssen möglichst ausreichend Tageslicht erhalten und mit Einrichtungen für eine der Sicherheit und dem Gesundheitsschutz der Beschäftigten angemessenen künstlichen Beleuchtung ausgestattet sein.
  2. Die Beleuchtungsanlagen sind so auszuwählen und anzuordnen, dass sich dadurch keine Unfall- oder Gesundheitsgefahren ergeben können.
  3. Arbeitsstätten, in denen die Beschäftigten bei Ausfall der Allgemeinbeleuchtung Unfallgefahren ausgesetzt sind, müssen eine ausreichende Sicherheitsbeleuchtung haben.“

Wie stark die richtige Beleuchtung auf die menschliche Arbeitsleistung zum Beispiel im Büro auswirkt, hat in einer ausführlichen Studie das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf unter die Lupe genommen. Dessen Erkenntnissen zufolge „führt Licht mit hoher Beleuchtungsstärke in tageslichtweißer Farbe zu erhöhter Aufmerksamkeit. Mit solchem Licht kann beispielsweise die Leistungsfähigkeit von Nachtschichtarbeitern erhöht und die Vigilanz, die Daueraufmerksamkeit, gesteigert werden“, heißt es in dem Bericht. Und weiter: „Auch die Leseleistung, die Aufmerksamkeit/Konzentration erfordert, kann deutlich gesteigert werden. Für Face to Face Kommunikation und Telefonate erweist sich dagegen Licht in warmweißer Farbe mit niedriger Beleuchtungsstärke als vorteilhaft.“

Wirksames Mittel für mehr Energieeffizienz

Nicht nur am Schreibtisch, auch an den Werkbänken verändert sich die Lichtsituation. Das gesetzlich seit April 2015 verordnete Aus für die Hochdruck-Quecksilberdampflampe (HQL) schafft erheblichen Handlungsbedarf in deutschen Betrieben. Nach den EU-Vorgaben zur Ausphasung ineffizienter Geräte trifft es nun die HQL – und das bedeutet, sofern alte HQLs nicht durch andere Lampen ersetzt werden können, müssen Leuchten sogar komplett ausgetauscht werden. Die stromintensiven HQLs werden häufig noch in der Straßenbeleuchtung, Industrie und Produktion eingesetzt.

Als alternative Lichtquellen eignen sich auch hier LEDs, Leuchtstoff- Halogen-Metalldampflampen (HQIs). Ein Umstieg auf neue Leuchten gilt in mehrfacher Hinsicht als vorteilhaft: Sie reduzieren CO2-Emissionen, bieten eine bessere Lichtausbeute und überzeugen mit wirtschaftlichen Vorteilen. Der Stromverbrauch sinkt deutlich, die lange Lebensdauer der Lichtquellen sorgt für weitere Ersparnis und der Wartungsaufwand minimiert sich signifikant. Die höheren Anschaffungskosten amortisieren sich schon oft nach wenigen Jahren. Beim Wechsel einer alten Anlage auf LED-Beleuchtung und Lichtmanagement sind bis zu 80 Prozent Einsparung möglich. Die Publikation licht.wissen 09 „Sanierung in Gewerbe, Handel und Verwaltung“ enthält umfassende Informationen zum Thema.

Mehr Gestaltungsmöglichkeit bei Steuerung

Technik und Ergonomie arbeiten dabei meist Hand in Hand. Auch die Ergebnisse der Studie „LightWork“ des Fraunhofer IAO zeigen, dass eine individuelle und bedarfsgerechte Beleuchtung positiv bewertet wird. Sie bringt Effizienzgewinne – sowohl technisch als auch hinsichtlich ihrer Wirkung auf den Menschen. Die Studie macht im Ergebnis viele Aspekte der modernen Beleuchtung sichtbar. Sei es die Energieeinsparung der Flurbeleuchtung – hier kann allein durch präsenzbasiertes Lichtmanagement mehr als ein Viertel der Beleuchtungszeit eingespart werden – oder farbdynamische Arbeitsplatzbeleuchtungen, bei denen der Anwender je nach Jahres- und Tageszeit zwischen individuellen Farbtemperaturen wählen kann: Zukünftig werden nach Einschätzung des Instituts Beleuchtungssysteme, wie sie im Projekt „LightWork“ installiert wurden, zum Stand der Technik gehören.

Studie zum LED-Einsatz, Tipps für gesunde Beleuchtung

Kernaussagen der Studie „LightWork“

Arbeitsplatzbeleuchtung mit LEDs bietet Unternehmen mehrerlei Vorteile, insbesondere bei Effizienz und Komfort für die Arbeitnehmer. Allerdings verändern sich dadurch auch Nutzungsgewohnheiten und technische Voraussetzungen bei Installation und Bedienung, wie die Studie des Fraunhofer IAO zeigt. Die Steuerung der Beleuchtung sollte nur automatisch erfolgen, wenn es eine manuelle Eingriffsmöglichkeit gibt. Im Sommer wird tagsüber kaltweißes Licht und erst am Abend warmweißes Licht bevorzugt. Im Winter wird bereits am frühen Nachmittag warmweißes Licht bevorzugt verwendet. Bei Büroräumen mit mehreren Arbeitsplätzen wird die Beleuchtung weniger individuell gesteuert als in Einzelbüros. Die Leuchtdauer im Winter beträgt mehr als 80 Prozent der Gesamtleuchtdauer eines Jahres. Morgens ist das Bedürfnis nach kaltweißem Licht sehr hoch und nimmt über den Tag verteilt ab. Abends ist eine starke Tendenz zu warmweißem Licht vorhanden. m Frühling und Sommer wird in Summe ein kälteres Lichtspektrum bevorzugt. Im Herbst und Winter geht die Tendenz zu wärmeren Lichtfarben. Im Sommer wird eine hellere Beleuchtung benutzt, im Winter eher einer dunklere. Die individuelle Lichtsteuerung erfolgt meist intuitiv. In Büros mit mehreren Arbeitsplätzen wird von den Benutzern mehr Kunstlicht eingeschaltet als in Einzelbüros. In Einzelbüros wird die arbeitsplatzzentrierte Beleuchtung bevorzugt. Die Möglichkeit, einzelne Lichtmodule individuell anzusteuern, erfolgte primär über ein Interface am Arbeitsplatzcomputer. Die Kombination von LED-Beleuchtung mit einer Präsenzmelder-basierten Lichtsteuerung kann in stark frequentierten Flurbereichen Einsparungen bis zu 20 Prozent ergeben. In abseits befindlichen Flurbereichen sind es in Einzelfällen 90 Prozent und mehr, die eingespart werden können. Die Kombination einer präsenzregistrierten Lichtsteuerung ohne LED-Technologie erfordert einen erhöhten Wartungsaufwand. Quelle: Studienbericht des Light Fusion Lab des Fraunhofer IAO

Sechs Tipps für gesünderes Licht

1. Nur das richtige Zusammenspiel ...

einer harmonischen Beleuchtung trägt zu dauerhaftem Wohlbefinden bei und verhindert Augenbeschwerden, Kopfschmerzen, Nervosität und Ermüdungserscheinungen. Vor allem an Bildschirmarbeitsplätzen kommt hinzu: Schlechte Beleuchtungsverhältnisse – zu helles Licht, zu hohe Kontraste, Blendungen oder Spiegelungen – begünstigen Zwangs- und Fehlhaltungen, die Beschwerden im Schulter-, Nacken- und Armbereich auslösen.

2. Lichtintensität erfüllen:

500 Lux sind nach der Norm DIN EN 12464-1 für die „Beleuchtung von Arbeitsstätten“ mindestens erforderlich, besser sind 750 Lux und mehr.

3. Individuelle Einstellungen ermöglichen:

Jeder empfindet Licht anders. Praktisch ist es daher, wenn es sich individuell und raumweise regulieren lässt, etwa mit Dimmfunktion.

4. Direktes und indirektes Licht mischen:

Nur eine Lichtquelle für ein Büro reicht nicht aus. Direktes Licht wird für Arbeiten am Schreibtisch benötigt, zusätzliches indirektes Licht hellt den Raum auf und schafft eine angenehme Arbeitsatmosphäre.

5. Arbeitsplatz ausrichten:

Der Schreibtisch samt PC-Bildschirm sollte stets im rechten Winkel zum Fenster stehen, damit es nicht zu Blendeffekten kommt.

6. Vorgaben erfüllen:

Maßgeblich ist vor allem die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV). Ob die vorhandene Beleuchtung ausreicht, überprüfen zum Beispiel erfahrene Elektromeister oder bei größeren Objekten auch Lichtplaner.

Quelle: Betriebliches Gesundheitsmanagement der AOK

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