Fairplay mit flexiblen Arbeitskräften

17. August 2015

Eine Zwei-Klassen-Behandlung von Mitarbeitern erweist sich als kontraproduktiv. Für Teilzeitler, Home Office-Worker, Zeitarbeitnehmer und Co. sind integrative Spielregeln von Vorteil.

  • Teilzeit- und Halbtageskräfte sowie Heimarbeiter und Außendienstler fühlen sich oft benachteiligt, was die Zugehörigkeit zur Präsenzbelegschaft angeht.
  • Hier sind Fair-Play-Regeln gefragt, die beide Welten abdecken.
  • Das trägt zur Motivation und Integration bei. Darüber hinaus verstärkt es auch Produktivität und Wissenstransfer.
  • In der Summe trägt es zu einer einheitlichen Qualität von Prozessen und Abläufen bei.

In der ersten Arbeitswoche nach Rückkehr als Teilzeitkraft aus der Elternzeit war Anwältin Johanna R. noch nichts aufgefallen. Aber in der zweiten Woche, es war der Dienstagmorgen, erkannte sie sofort, was schieflief. „Als mir meine Sekretärin die Unterlagen für die Woche auf den Schreibtisch legte, ging mir ein Licht auf“, berichtet sie. „Das waren ausschließlich unattraktive oder unangenehme Aufgaben.“ Ihr war auch gleich klar, dass kein Mobbing dahintersteckte, sondern etwas anderes geschehen war: „Die Kollegen hatten, wie das in der Kanzlei seit Jahren üblich ist, sich am Montagmittag beim Italiener getroffen, die Aufgaben für die Woche verteilt und sich nichts weiter dabei gedacht. Ich war nicht mit am Tisch – also bekam Aschenputtel die Reste.“

Auch Informelles im Betrieb braucht Regeln

Seitdem investiert die Anwältin, Oma macht es möglich, zwei zusätzliche Stunden am Montag, um in der Verteilrunde wieder dabei zu sein. Zwar hatten nach einer ersten Unterredung die beiden Chefs nicht nur eine Verschiebung der Anwesenheitszeiten akzeptiert. Auch die Kollegen signalisierten, sie bei den künftigen Pizza-Palavern zu berücksichtigen, „aber es ist doch etwas anderes, wenn man dabei ist“. Immerhin: Sie ist jetzt jedes Mal die Eingeladene.

Während bei technischen Größen wie Lohnsteuer, Altersvorsorge oder Arbeitszeitkonten das Dasein für Betriebsangehörige mit flexiblen Arbeitszeiten haarklein vom Gesetzgeber geregelt ist, braucht es bei Organisation und sozialem Miteinander die Eigeninitiative des Betriebs. Denn tragfähige Lösungen lassen sich hier stets nur dann finden, wenn die individuellen Gegebenheiten sowie vertraute Rituale und eingefahrene Gepflogenheiten berücksichtigt werden. So entsteht Akzeptanz bei allen Beteiligten und so lassen sich auch vermeintlich unverrückbare Zustände ansatzweise verändern.

Miteinander im Team berücksichtigen

Es gibt einige klassische Felder, auf denen es sich lohnt, sich vom zweigleisigen Umgang mit „typischen“ bzw. „untypischen“ Arbeitsformen zu verabschieden. Getrennte Eingänge und Garderoben oder Umkleideräume für Festangestellte und Zeitarbeitskräfte zum Beispiel gehören ebenso zum Inventar von gestern wie unterschiedliche Behandlungen auf dem Parkplatz oder in der Kantine. Besonders störend für das Miteinander im Team und geradezu motivationsschädigend sind äußerlich erkennbare Unterschiede bei Arbeitskleidung oder Uniform.

Als kontraproduktiv erweist sich in der Regel auch der Ausschluss von Besprechungen und Meetings – auch wenn sie, wie der genannte Pizza-Palaver – informeller Natur sind. Gleiches gilt für Aus- und Weiterbildung sowie die innerbetriebliche Kommunikation. Hier sollten atypisch Beschäftigte, Beschäftigte im Außendienst und Heimarbeiter im gleichen Umfang und zum gleichen Zeitpunkt beteiligt werden wie ihre Kollegen. Dies sollte auch dann geschehen, wenn unter Umständen der Beschäftigte dauerhaft davon profitiert, das Unternehmen aber vielleicht nicht.

Gleichen Wissensstand sicherstellen

Gerade im Umfeld der Zeitarbeit hat die Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGPF) wenig Bereitschaft zu entsprechend altruistischem Verhalten bei den Betrieben festgestellt. In einem 2012 veröffentlichten Ratgeber empfiehlt sie gleichwohl entsprechendes Fair Play. Nachträglich Defizite ausbügeln zu müssen, weil Wissens- oder Aktualitätslücken entstanden sind, schadet der Produktivität und dem Ertrag im Unternehmen mehr als der zusätzlich erforderliche Aufwand.

Eine Überlegung, der sich jedes Unternehmen in diesem Zusammenhang stellen sollte, ist der Umgang mit Rückkehrern, Umstellern und Zeitarbeitnehmern am ersten Tag. Unter dem Stichwort „Onboarding“ kursieren hier diverse Konzepte. Nicht nur Großunternehmen mit ihren weitreichenden internen Möglichkeiten sind hier gefordert, sondern auch kleine und mittelgroße Firmen. In der Regel hilft es schon viel weiter, wenn man dazu nur die Erfahrungen derer sammelt und auswertet, die schon im Unternehmen sind – und deren Ideen und Kritik in eine nachhaltige Willkommenskultur ummünzt.

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