Familienfreundlichkeit wirkt in zwei Richtungen

2. Juni 2014

Will sich ein Unternehmen das Prädikat „familienfreundlich“ ans Revers heften, dann gelten Kindertagesstätten oder kita-ähnliche Einrichtungen derzeit als „Mittel der Wahl“. Als Einzelmaßnahme jedoch decken sie nur einen Teil der Wünsche ab, die Eltern an das Arbeitsumfeld haben, in das sie zurückkehren.

Kita-Angebote stehen im Mittelpunkt der Familienfreundlichkeit

Solange man die Situation nur von außen betrachtet, erscheint ein Kita-Angebot eines Unternehmens heutzutage als wirklich großzügige Geste gegenüber den Mitarbeitern mit Kindern. Es handelt sich um eine jener freiwilligen sozialen Leistungen, die derzeit noch alles andere als selbstverständlich sind und es den Eltern deutlich erleichtern, Arbeit und Beruf miteinander zu verbinden. So gesehen haben sich Arbeitgeber, die diesen Aufwand betreiben, das Prädikat „familienfreundlich“ durchaus verdient.

Staat fördert Kita-Betrieb

„Der Ausbau des Kinderbetreuungsangebotes ist von zentraler Bedeutung für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, zumal dadurch nicht nur Eltern profitieren, sondern auch die Arbeitgeber“, sagte die damalige Familienministerin Kristina Schröder vor Jahresfrist beim Unternehmenstag „Erfolgsfaktor Familie 2013“. Mit dem Förderprogramm Betriebliche Kinderbetreuung unterstützt das Bundesfamilienministerium Arbeitgeber bis zu zwei Jahre lang mit einem Zuschuss zu den Betriebskosten neu geschaffener Betreuungsplätze für Mitarbeiterkinder unter drei Jahren.

Bei gleichem Anlass betonte DIHK-Präsident Eric Schweitzer die Kreativität von Unternehmen, die Betreuungskonzepte innerhalb der Firma umsetzen. „Betriebliche Kinderbetreuung kann staatliche Angebote ergänzen und exzellent besondere Anforderungen der Unternehmen und ihrer Belegschaften berücksichtigen. Betriebliches Engagement in diesem Bereich ist dabei längst nicht mehr nur eine Sache von Großunternehmen, sondern auch kleine und mittlere Unternehmen kooperieren miteinander und entwickeln innovative Konzepte“, so Schweitzer. Denn die Zugehörigkeit zur Unternehmensfamilie im Rahmen einer gelebten Work-Life-Balance gilt inzwischen quer durch die Wirtschaft als belastbarer Baustein der Arbeitgeber-Attraktivität.

„Nachwuchsfrage“ im wörtlichen Sinn

Die beim Unternehmenstag dargestellten Modelle reichen vom Ausbau klassischer Betriebs-Kitas in größeren Unternehmen über Tagesmütter, Schüler- und Ferienbetreuungskonzepte bis zur kooperativen (Notfall-)Betreuung, für die sich mehrere kleine und mittlere Unternehmen zusammenschließen. Als Anstoß für viele dieser Modelle nennen die Unternehmen einerseits die deutlich gewachsene Nachfrage junger Mütter und Väter nach betrieblichen Angeboten, aber auch das Ziel, sich als attraktiver Arbeitgeber für den Fachkräftenachwuchs zu positionieren.

Unternehmen können breites Spektrum an Möglichkeiten nutzen

Dass sich im Werkzeugkoffer für Familienfreundlichkeit auch noch andere attraktive Instrumente befinden, machte der „Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2013“ des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) deutlich. Er lieferte ein detailliertes Bild darüber, wie verbreitet familienbewusste Maßnahmen in den heimischen Betrieben mittlerweile sind (siehe Grafik). Für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht beispielsweise die Commerzbank Jobsharing inzwischen auch für Führungskräfte; das Chemieunternehmen BASF offeriert Mitarbeitern, die wegen familiärer Pflichten ihre Arbeitszeit reduzieren, zur Abfederung der Einkommenseinbußen ein zinsloses Darlehen. Bei Bosch gilt die Eltern- oder Pflegezeit inzwischen sogar als Karrierebaustein, der bei einer anstehenden Beförderung mit einem längeren Auslandsaufenthalt gleichgesetzt wird.

Flexible Arbeitszeit und finanzielle Förderung

Die meisten Firmen nutzen den Erhebungen des IW zufolge eine familienbewusste Personalpolitik, um ihre Attraktivität als Arbeitgeber zu erhöhen. Dabei setzen die Betriebe ein breites Spektrum an Instrumenten ein – von Patenprogrammen über finanzielle Zuwendungen und günstige Kredite bis zu Sabbaticals. Die Aspekte „Flexibilität“ und „Förderung“ dominieren dabei das Angebot:

  • Flexible Arbeitszeitmodelle seien die gängigste Methode, familienfreundliche Strukturen herzustellen. „So bieten mehr als acht von zehn Unternehmen Teilzeitarbeit an, individuell vereinbarte Arbeitszeitarrangements sind in rund sieben von zehn Betrieben möglich“, schreibt das IW. Mehr als jede zweite Firma setze auf Vertrauensarbeitszeit, bei der die Beschäftigten weitgehend selbst bestimmen können, wann sie ihr Pensum erledigen. „Auch wenn Mitarbeiter kurzfristig ihre Arbeitszeiten verändern möchten, reagieren die meisten Betriebe flexibel“, stellt das Institut fest. Nicht einmal zwei Prozent der Unternehmen lehnten einen Wunsch nach Anpassung der Arbeitszeit ab.
  • Fördermaßnahmen für Mitarbeiter mit familiären Pflichten dienen aus Sicht des IW ebenfalls dazu, „eine Arbeitskultur zu schaffen, in der sich Familie und Beruf besser vereinbaren lassen. Zu diesen Maßnahmen zählen zum Beispiel die Rücksichtnahme auf Eltern bei Planungs- und Organisationsprozessen, die Ermutigung von Männern, in Elternzeit zu gehen, sowie freiwilliger Sonderurlaub für Berufstätige, die sich daheim um kranke Kinder oder pflegebedürftige Angehörige kümmern wollen.“

Ganzheitlicher Ansatz macht sich bezahlt

Das traditionell wirtschaftsnahe IW zieht auch bei der Frage „Zahlt sich eine familienfreundliche Personalpolitik für die Unternehmen eigentlich aus?“ eine überwiegend positive Bilanz, denn ausgeprägt familienbewusste und engagierte Unternehmen seien meist erfolgreicher als solche, die auf die privaten Lebensumstände ihrer Mitarbeiter wenig eingehen. „Allerdings ist nicht ganz klar, warum das so ist“, heißt es jedoch: „Steigern Teilzeitmodelle, Vertrauensarbeitszeit und Betriebskindergärten die Motivation der Mitarbeiter und damit letztlich die Unternehmensrenditen? Oder haben ohnehin erfolgreiche Firmen einfach nur mehr Spielräume für eine familienfreundliche Unternehmenskultur?“

Grundsätzlich spricht vieles dafür, dass ein ganzheitliches Personalmanagement, zu dem auch familienbewusste Maßnahmen gehören, den Grundstein für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens legt: „Denn wer personalpolitische Aspekte bereits im Vorfeld breit und flexibel angeht, ist meist auch im täglichen Geschäft um schnelle und praktikable Lösungen nicht verlegen.“

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