Fragen stellen hilft beim Führen

22. April 2015

Mit ihrer „Schule für Unternehmer“ geht Gertrud Hansel einen neuen Weg im Management-Training. In ihrem gerade erschienenen „Handbuch für Unternehmer“ greift sie das Thema „Führung“ an der pragmatischen Seite auf.

Kann man Führung tatsächlich wie ein Schulfach ansehen, in dem es bestimmte Lektionen zu lernen gibt – mit Methoden, Regeln, Lernsätzen?

Gertrud Hansel: Führung braucht sicherlich Methode. Aber sie ist keine Wissenschaft, Psychotherapie oder Religion. Es ist sehr dienlich, wenn Manager sich mit Führungstechniken beschäftigen. Das verschafft ihnen ein größeres Spektrum an Handlungskompetenz. Sie lernen sich selbst besser kennen und wissen bewusst um ihre eigenen Stärken und Schwächen.

Also läuft es mehr auf Selbstreflektion hinaus als auf ein Patentrezept?

Gertrud Hansel: In der Tat gibt es leider bis heute keine Technik, die bei allen Menschen und zu jeder Zeit funktioniert. Es gibt kein Patentrezept, wie ein Chef alle Mitarbeiter immer glücklich macht, leider. Arbeitsforschung, Soziologie und Psychologie können bis heute keine allgemein gültige Führungsmethode anbieten, die alle Führungsfragen beantwortet.

Woran liegt das aus Ihrer Sicht – und wie geht man damit um?

Gertrud Hansel: Mitarbeiter und damit Menschen bleiben kompliziert, wie sie es schon immer sind und waren. Dem gilt es Rechnung zu tragen, auch das ist eine Art von Wertschätzung. Für den Unternehmer bedeutet das, sozusagen im Selbstversuch die Methoden herauszufinden, die bei ihm persönlich funktionieren. Dazu heißt es erst einmal, die eigenen Führungsmethoden im positiven Sinne „in Frage“ zu stellen.

Welche Fragen haben Sie da vor Augen?

Gertrud Hansel: Man sollte die Motive der besten Mitarbeiter überprüfen. Was schätzen sie? Wie hat die Führungskraft es geschafft, dass diese Menschen sich mit dem Unternehmen identifizieren? Welche Maßnahmen haben dazu geführt, dass diese Mitarbeiter ein Gewinn für das Unternehmen sind?

Das ist aber nicht allein rational zu begründen. Sie raten also, auch Emotionen unter die Lupe zu nehmen?

Gertrud Hansel: Sie werden es nicht schaffen als Chef in die Herzen und Hirne Ihrer Leute zu sehen. Es ist utopisch zu glauben, die wirklich wahren Ängste und Bedürfnisse aller zu verstehen. Das ist auch nicht nötig. Wichtig ist es, die Strukturen zu erkennen und darauf zu reagieren. Es geht nicht darum eine neumodische wissenschaftliche Hypothese zu realisieren. Für den Unternehmer geht es einzig und allein darum, dass seine Mitarbeiter mitarbeiten und zum Erfolg beitragen.

Wie stellt es ein Unternehmer richtig an, seinen Mitarbeitern etwas Gutes zu tun?

Gertrud Hansel: Er muss ihnen die Möglichkeit bieten, Arbeiten zu verrichten, die ihnen sinnvoll und befriedigend erscheinen. Er muss seine Leute davon überzeugen, dass er ihre Fähigkeiten schätzt. Er zeigt ihnen Entwicklungsmöglichkeiten, so sie diese denn auch wollen. Achtung: Lob und Anerkennung ist zwar wichtig, aber nicht für alle unerlässlich. Wichtiger ist für manchen die Möglichkeit Verantwortung zu übernehmen oder einen Karrieresprung zu schaffen. Auch hier gilt wieder: Zuerst sich selbst die entsprechenden Fragen stellen, dann handeln.

Welchen Tipp, der nicht im Lehrbuch steht, hat die „Schulleiterin“ für den Unternehmer im Umgang mit seinen Mitarbeitern?

Gertrud Hansel: Es gibt so viele Führungsmethoden wie Sand am Meer. Viele davon sind schon irgendwo beschrieben. Die könnte man nachlesen und auswendig lernen. Falsch. Eine gute Führungskraft wendet ihre eigene Methode an, von der sie weiß, dass sie ohne Einschränkung und in jeder Situation damit arbeiten kann. Der erste Schritt ist, diese Methode zu ermitteln und festzulegen. Der zweite Schritt ist dann, sich darin zu üben, Menschen zu führen. Das ist wie bei einem Musikstück: Seine ganze Kraft entfaltet es erst dann, wenn der Solist es meisterhaft beherrscht.

Info zur Person Gertrud Hansel

Gertrud Hansel ist Businesscoach, Trainerin und Inhaberin der "Schule für Unternehmer". Sie berät Unternehmer zu aktuellen Fragen der Unternehmensführung seit 20 Jahren in allen Phasen der Selbstständigkeit (Gründung, Wachstum, Krise).

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