Freiwillig am Ball bleiben

11. Juni 2012

„Gesundheit im Unternehmen“ - das wird von vielen Personalverantwortlichen als eher heikles ­Thema wahrgenommen. Auch wenn sie sich der Bedeutung einer fitten und gesunden Belegschaft für das Wohlergehen des Betriebs bewusst sind, sträuben sie sich oft, als „Erzieher oder Lehrer“ ­ihrer ­Mitarbeiter in diesem Bereich aktiv zu werden. Betriebssport bietet eine gute Möglichkeit, das ­Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden.

Etwas, das der Gesundheit gut tut und die sozialen Kräfte im Betrieb fördert

Meistens sind es ein paar Freiwillige, die den Grundstein für eine Betriebssportgruppe legen, Freiwillige und Sportliche. Am Arbeitsplatz entdecken sie die gemeinsamen Interessen und weil man sich gut versteht, verabredet man sich ein erstes Mal nach Feierabend zu einem Fußballspiel, einer Radl-Tour oder einer Partie Eisstockschießen. Aus dem Kennenlernen beim Auftakt wird oft ein regelmäßiges Miteinander, neue Teilnehmer stoßen dazu, andere lassen sich zu eigenen Aktivitäten anregen. Ganz ohne Dienstanweisung entsteht auf diesem Weg etwas, was der Gesundheit gut tut und die sozialen Kräfte im Betrieb fördert. Beispiele finden sich landauf, landab. 

„Wer keine Lust hat, teure Monatsbeiträge in ein Fitness-Studio zu investieren und lieber nette Leute kennenlernen möchte, anstatt alleine zu trainieren, findet ein preiswertes und vielseitiges Angebot bei der BSG.“
Betriebssportgemeinschaft (BSG) der RheinEnergie AG

Zum Beispiel bei der RheinEnergie AG, bei der sich in den frühen 50er Jahren eine Faustballmannschaft formierte, zu der sich im Lauf der Jahre immer mehr Sportarten und Sportler gesellten. Seit über 30 Jahren gibt es dort eine offizielle Betriebssportgemeinschaft (BSG), die unter dem Dach des Unternehmens allen offensteht, „die Spaß am aktiven Sport im Team haben“. Die Kölner haben sich außerdem ein cleveres Argument einfallen lassen, um ihre Attraktivität zu steigern: „Wer keine Lust hat, teure Monatsbeiträge in ein Fitness-Studio zu investieren und lieber nette Leute kennenlernen möchte, anstatt alleine zu trainieren, findet ein preiswertes und vielseitiges Angebot bei der BSG.“ Bei 15 wählbaren Sparten und einem Monatsbeitrag von 3,75 Euro pro Sportart ein schlagkräftiges Argument.

Auch an Deutschlands zweitgrößtem Airport, dem Flughafen München, spielt Sport eine bedeutende Rolle. Wobei der heutige Flughafen-Chef Dr. Michael Kerkloh als begeisterter Langstreckenläufer vorbildlich die Pace vorgibt und nicht nur in der Unternehmensleitung, sondern auch beim jährlichen Laufwettbewerb ganz vorn dabei ist. Ansonsten zeigen die Bayern, wie vielfältig Sport ist und wie man auch jene gewinnt und motiviert, die verschwitzten Trikots wenig abgewinnen können. Kegeln und Golf gehören dort genauso zum Programm wie Schach, Fischen oder Wassergymnastik. Ein Blick in die Chronik zeigt dabei, dass sich auch immer wieder Sparten aufgelöst haben, Tanzen zum Beispiel, und neue hinzugekommen sind, wie 2003 der Radsport. Denn die Initiative geht auch hier von Mitarbeitern aus, nicht von der Firmenleitung. Die allerdings hat dafür gesorgt, dass den Sportlern eine eigene Mehrzweckhalle für Trainings und Spiele zur Verfügung steht.

Betriebssport trägt auch zur Arbeits- und Berufszufriedenheit bei

„Das Thema Betriebssport und seine Auswirkungen auf Mensch und Betrieb ist gerade in einer Zeit fortschreitender Technisierung und Automatisierung ein aktuelles Thema“, stellte schon vor einigen Jahren Silke Jena in ihrer Diplomarbeit „Die Auswirkungen von Betriebssport auf das Betriebsklima von Unternehmen“ (Diplomica Verlag, ISBN 978-3-8324-9751-4) an der Fachhochschule Hof fest – zu einem Zeitpunkt, als der Begriff „demografischer Wandel“ allenfalls in Fachkreisen präsent war. Inzwischen ist der Altersdurchschnitt in Belegschaften weiter gewachsen, die Immobilität an Bildschirmarbeitsplätzen hat weiter zugenommen und die Fitness der ins Arbeitsleben entlassenen Jugendlichen ist dank gekürzter Lehrpläne geschrumpft. Zahlreiche Firmen haben dies schon zum Anlass genommen, ein betriebliches Gesundheitsmanagement aufzusetzen – noch mehr Unternehmen suchen aber noch einen geeigneten Weg.

„Für die Unternehmen stellt Betriebssport eine freiwillige betriebliche Sozialleistung dar, durch die der Arbeitnehmer neben seinem Arbeitsentgelt eine zusätzliche Zuwendung bekommt“, bringt Jena die Grundlage eines entsprechenden Angebots und dessen Ziele auf den Punkt: „Da diese Sozialleistungen einen nicht unwesentlichen Kostenfaktor für den jeweiligen Betrieb bedeuten, wird nicht nur von einem entsprechenden Nutzen für den Arbeitnehmer, sondern auch für den Arbeitgeber ausgegangen. Die Motive der Betriebssport fördernden Unternehmen sind dabei sehr zahlreich. So erwartet man von der Sport treibenden Belegschaft u. a. einen verbesserten Gesundheitszustand, eine erhöhte Leistungsfähigkeit, eine wachsende Leistungsbereitschaft, die Förderung sozialer Kontakte und geringere Fehlzeiten.“

In die gleiche Kerbe schlägt die Berufsgenossenschaft der Feinmechanik und Elektrotechnik (BGFE) und empfiehlt Unternehmen, Betriebssport einzuführen. „Sport verbessert die Gesundheit, fördert den Teamgeist und führt zu mehr Motivation“, heißt es in Köln, wo man allerdings auch dazu rät, den Betriebssport in einen größeren Kontext zu stellen. Denn durch den Einsatz betrieblicher Gesundheitsförderungsmaßnahmen auf Basis von Analysen der Gesundheitssituation, der Umsetzung von Präventionsmaßnahmen, verbunden mit Aufklärungskampagnen, sowie der Einführung von Gesundheitsangeboten wurden in Unternehmen Senkungen des Krankenstandes zwischen 30 und 50 Prozent nachgewiesen, wie die AOK-Dokumentation zu „Wirtschaftlicher Nutzen Betrieblicher Gesundheitsförderung aus Sicht von Unternehmen“ von 2005 belege. Gesundheitssport und Bewegungsangebote seien somit „wichtige Einzel-Bausteine innerhalb der betrieblichen Gesundheitsförderung und somit eine lohnende Investition in und für die Mitarbeiter“. 

„Sport verbessert die Gesundheit, fördert den Teamgeist und führt zu mehr Motivation.“
Reinhold Müller, Ehrenpräsident des Deutschen Betriebssportverbands (DBSV)

Das sieht auch Reinhold Müller so, Ehrenpräsident des Deutschen Betriebssportverbands (DBSV): „Meine persönlichen Erfahrungen, aber auch die Aussagen vieler Firmen- und Personalleitungen zeigen, dass eine gut funktionierende Betriebssportgemeinschaft zu einem deutlich besseren Betriebsklima und zu einer starken Identifikation mit der Firma wesentlich beitragen. Repräsentative Erhebungen und Analysen belegen, dass der Betriebssport mehr bringt als nur eine Verbesserung des Gesundheitszustandes der Mitarbeiter. Er trägt auch maßgeblich zur Arbeits- und Berufszufriedenheit, zu einem harmonischen Betriebsklima und zu einem hohen Grad an Identifikation mit dem Unternehmen bei.“

Lesen Sie hierzu auch unseren „Tipp Recht“: Ist die Teilnahme am Betriebssport versichert?

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