Führung und Krisen-Management

31. Mai 2009

Täglich kursieren neue Meldungen über drohende Firmenpleiten und Milliardenlöcher. Besorgte Mitarbeiter fürchten um Arbeitsplätze, gestresste Führungskräfte bangen um Aufträge. Umso wichtiger ist nun eine Personalführung, die durch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit glänzt.

Händische To Do Listen, Zeitaufzeichnungen und lästige Notizzettel gehören schon lange der Vergangenheit an. Wer regelmäßig mit Smartphone und PC arbeitet, findet für so gut wie jede organisatorische Aufgabe eine passende App. Doch in diesem Fall gilt keinesfalls „viel hilft viel“, verliert man doch schnell den Überblick was man wo abgespeichert hat. Der Schlüssel zum Erfolg sind Apps, die nicht nur ein detailliertes Problem lösen, sondern ein komplettes Tätigkeitsfeld abdecken.

Slack ist wohl das bekannteste Tool, wenn es um effiziente unternehmensinterne Kommunikation geht. Kinderleicht lassen sich einzelne Kommunikationskanäle, sogenannte „Channels“ erstellen. Diese kann man je nach Bedarf allen Mitarbeitern zugänglich machen oder auf einen bestimmten Arbeitskreis beschränken. Durch die praktische Suchfunktion lassen sich in der kostenlosen Basisversion der App auch Unterhaltungen mühelos wiederfinden.

Wer eine zuverlässige App zum Brainstorming sucht, sollte sich unbedingt mit Evernote beschäftigen. Dieses Tool ist schon lange über die reine Notizfunktion hinausgewachsen und erlaubt es, ganze Notizbücher zu erstellen, zu teilen und gemeinsam zu bearbeiten. Dank der guten Synchronisation sind so PC und Smartphone immer auf dem neuesten Stand.

Wunderlist ist besonders zu empfehlen, wenn man einfache To Do Lists erstellen möchte. Diese App ist sehr einfach aufgebaut, hat jedoch auch einige praktische Zusatzfunktionen wie etwa die Wiederholung von wiederkehrenden Aufgaben. Aufgaben können darüber hinaus an Personen zugewiesen und mit Deadlines versehen werden.

Wer präzise seine Zeit aufzeichnen will greift am besten zu Toggl. Dieses Tool ist besonders für Freelancer interessant da es in der günstigen Premium Version nicht nur die Arbeitszeit erfasst und Kunden und Projekten zuordnet, sondern darüber hinaus auch Stundensätze miteinbezieht. Es können mit dieser App auch Berichte erstellt und ausgehenden Rechnungen angehängt werden.

„Keiner meistert eine Krise alleine. Umso wichtiger ist in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine gesunde Vertrauenskultur im Unternehmen. Die Führungskräfte müssen die Ängste der Angestellten wahrnehmen und sich intensiv um ihre Mitarbeiter kümmern“, sagt Andreas Bolder, Direktor Personal bei Randstad Deutschland. „Die Anforderungen an das Personalmanagement nehmen in Krisenzeiten zu. Die Unternehmensidentität von Randstad zeichnet sich schon immer durch eine hervorragende Balance zwischen individueller Leistung und Teamleistung aus“, erklärt er. Diese Kernkompetenz müsse man beibehalten.

Es ist ausschlaggebend, die Unternehmenskultur und die Arbeitgebermarke auch in schwierigen Zeiten aufrecht zu halten, um glaubwürdig zu bleiben. Dabei spielt eine professionelle Personalführung, die sich speziellen Grundsätzen verpflichtet, eine große Rolle. Zu den Markenwerten vieler Firmen gehören beispielsweise Zuverlässigkeit, Innovation, Dynamik und Offenheit. Eben durch solche Grundsätze werden neue Mitarbeiter schnell integriert und langjährige Angestellte dauerhaft an das Unternehmen gebunden. Sie prägen deren Handeln und stärken die Firmenidentität. „Wer in der Krise alles über Bord wirft, wofür ein Unternehmen einmal stand, der wird bei den ersten Anzeichen des Aufschwungs große Probleme haben, potentiellen Bewerbern zu erklären, warum diese sich für das Unternehmen entscheiden sollen“, erklärt Bolder. Insbesondere hochqualifizierte Menschen sind für eine motivierende Unternehmenskultur aufgeschlossen und laufen so zu Hochtouren auf.

Wer Menschen motivieren will, muss – gerade in der Krise – tiefer gehen

Die Urmotive für dieses so menschliche Verhalten sind in der Verhaltensbiologie zu finden. Laut Andreas Schnabel, Geschäftsführer der Professor von Cube & Kollegen GmbH, muss man diese Motive erkennen und ansprechen. Denn nur dadurch ließen sich Menschen bewegen.

Fünf Triebe setzen Menschen in Bewegung: Der Nahrungstrieb, der Sexualtrieb, Neugier, Aggression und Bindung. Im Unternehmen, so ist Schnabel überzeugt, geht es vor allem um die Erfüllung der Triebe Neugier und Bindung, wobei Bindung von größter Bedeutung sei. Die Arbeitsfelder bei Randstad sind vielfältig, so dass sich die Mitarbeiter stets neuen Herausforderungen stellen können und zahlreiche Möglichkeiten haben, um ihren Wissensdurst immer wieder zu stillen.

Die Firmenbindung von Deutschlands führendem Personaldienstleister ist ebenfalls sehr ausgeprägt. „Wir geben den Mitarbeitern Freiraum. Sie dürfen Fragen stellen und bekommen eine Rückmeldung. Daneben gehören Flexibilität und Hilfsbereitschaft zu den Meilensteinen des Unternehmens. Sie bilden quasi die DNA von Randstad“, betont Bolder. Ein faires Arbeitsklima und ein loyaler, offener Umgang zwischen Führungskräften und Mitarbeitern ist auch deshalb wichtig, weil die Angestellten ein gutes Gedächtnis haben. „Es wird genau wahrgenommen, wie ein Unternehmen in der Krise mit den Mitarbeitern umgeht. Hier beweist sich, ob Talentmanagement, Coaching und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit Schönwetterparolen sind oder wirklich gelebt werden“, erklärt er. Gibt es stattdessen eklatante Abweichungen, wird das Vertrauen in das Unternehmen nachhaltig beschädigt.

Wenn der Aufschwung einsetzt, suchen viele Mitarbeiter ihr Heil in der Flucht zu einem anderen Arbeitgeber. Eine Erosion der Loyalität kommuniziert sich dann – bis hin zum Kunden – wie ein Lauffeuer. Das sind keine hilfreichen Startbedingungen, um die Marktchancen zu realisieren, wenn sich die Wirtschaftslage wieder bessert.

Flexible Firmen haben die Nase vorn

In der Krise hat der Kostendruck bei den meisten Firmen stark zugenommen. Es gilt nun, den Spagat zwischen Kosten- und Zukunftsorientierung zu schaffen. Unternehmer, die nur auf die Kosten achten, stehen möglicherweise bald ohne fähige Mitarbeiter und ohne eine leistungsfähige unternehmerische Infrastruktur da. Und wer nur auf eine baldige Konjunkturwende hofft und die notwendigen Anpassungsmaßnahmen unterlässt, der läuft wiederum Gefahr, dass ihm die finanziellen Mittel ausgehen.

„In dieser Situation sind die von der Politik verabschiedeten Erleichterungen des Konjunkturpaketes II eine hilfreiche Maßnahme“, sagt Bolder. Zeitarbeit ist ein geeignetes Instrument, um der weiter anhaltenden Volatilität von wirtschaftlichen Zyklen zu begegnen. Die Dynamik des aktuellen Abschwungs allerdings hat alle überrascht. Die Folge: Entscheidungen und Maßnahmen müssen schneller getroffen werden als in „normalen“ Zeiten. Die Prozesse und Standards vieler Unternehmen sind aber für die notwendige Geschwindigkeit nicht immer ausgelegt. Randstad dagegen hat frühzeitig auf eine Flexibilisierung gesetzt und ist nun besser aufgestellt als andere Firmen. Die Anzahl der offenen Stellen geht zwar zurück, sie tendieren jedoch niemals gegen Null. Das haben zurückliegende Rezessionen gezeigt. „Gerade jetzt bestehen hervorragende Chancen, qualifizierten Personalbedarf über Zeitarbeit zu abzudecken“, erläutert der Personaldirektor von Randstad.

Unternehmer, die während einer Hochkonjunktur ein gut funktionierendes Frühwarnsystem aufgebaut haben, können in der Krise rechtzeitig reagieren und die Talsohle besser durchstehen. Das gilt für die Finanzierung von unternehmerischen Aktivitäten genauso wie für das Personalmanagement.

Strategische Personalführung hat viele Facetten

Allerdings werden in wirtschaftlich florierenden Zeiten die vorhandenen Schwächen von Unternehmen und Führungskräften oftmals überdeckt oder schlichtweg ignoriert. „Es scheint immer noch eine schwierige Managementdisziplin zu sein, in einer Boomphase die eigenen Produkte, Dienstleistungen, Strukturen und Organisationsformen kritisch zu hinterfragen. Das gilt auch für die Praxis der Managemententwicklung“, betont Bolder. In Zukunft wird man noch genauer und kritischer auf den eigenen Managementnachwuchs schauen müssen. „Blender“ werden es schwerer haben. Stattdessen werde es eine Renaissance des gesunden Menschenverstandes geben. Bolder meint: „Großmannssucht, Gier und Realitätsverlust von Managern sind keine ‚hinnehmbaren persönlichen Schwächen‘, sondern ein massiver ökonomischer Risikofaktor für ganze Branchen.“ Die derzeitige Diskussion um Millionen-Boni für ehemalige Bankenmanager unterstreicht das. Unabhängige und machtvolle Kontrollinstanzen und Kontrollprozesse können einiges an Unheil verhindern. Das fängt aber damit an, dass jede Führungskraft für kritische Rückmeldungen an ihren Entscheidungen oder an persönlichem Verhalten nicht nur empfänglich bleiben sollte, sondern sie aktiv einfordern muss.

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