Gesundheits-Ideen aus dem Netzwerk saugen

21. Juni 2016

Beim Aufbau eines betrieblichen Gesundheitsmanagements oder von Betriebssport-Angeboten stehen Firmen nicht allein da. Der Zugang zu Expertenwissen in der Region oder im eigenen Unternehmen ist in der Regel leicht zu erschließen.

  • Betriebliches Gesundheitsmanagement ist ein Baustein im Kampf gegen den Fachkräftemangel.
  • Diverse Anbieter – von den IHKs bis zu den Krankenkassen – begleiten Unternehmen beim Aufbau und bei der Umsetzung von Strategien und Aktionen.
  • Das Einbeziehen der Mitarbeiter schon in der Ideenfindung und Planung erhöht die spätere Akzeptanz des Angebots

Egal, wie ein Unternehmen die Themen Sport und Gesundheit anfasst: Sie stehen erstens nie isoliert da und es gibt zweitens stets eine Rückkopplung ins operative Geschäft. In ihrem Buch „Betriebliche Gesundheitspolitik – eine Chance für die Mitbestimmung“ zitieren Forscher der Hans Böckler-Stiftung ein Beispiel aus der unternehmerischen Praxis; dort hat eine neue Form der Arbeitsorganisation dazu geführt, dass in der Firma neben Qualitäts- und Ideenmanagement auch ein betriebliches Gesundheitsmanagement eingeführt wurde. Danach bot eine Krankenkasse – auf Basis des BGM – den Einstieg in ihr Bonussystem an, zudem beteiligte sich das Unternehmen an einschlägigen Wettbewerben. Aus beiden Schritten resultierten wiederum Verbesserungen in anderen Prozessen des Unternehmens.

Workshops als erste Orientierung

Um neue Ideen zu generieren, wie sich Gesundheit und Sportfreude innerhalb des Unternehmens anstoßen lassen, sind die Firmen nicht allein auf eigene Kräfte angewiesen. Netzwerke liefern hier umfangreiche und zuverlässige Ansatzpunkte. So hat zum Beispiel das Demografienetzwerk Westfälisches Ruhrgebiet ein Memorandum erstellt, in dem das gemeinsame Verständnis betrieblichen Gesundheitsmanagements aus der Perspektive unterschiedlicher Gruppen beschrieben ist, die sich intensiv mit Wegen gegen den Fachkräftemangel befassen. Das Memorandum ist so formuliert, dass sich die einschlägig tätigen Berater auf ein gemeinsames Fundament verpflichten – das jedes Unternehmen abrufen kann. Unter dem Motto „Arbeit Gesund Gestalten“ veranstaltet das Netzwerk unter anderem Workshops zum BGM. Dabei kommt auch schon mal ein Biofeedbackgerät zum Einsatz, das den Stress-Level beim Spiel an der Autorennbahn misst – eine Idee des bundesweit tätigen Gesundheits-Unternehmen prevent.on.

IHK bildet Fachkräfte für Gesundheitsmanagement aus

Womit sich die Frage stellt: Wer im Unternehmen nimmt die Aufgabe in die Hand, Aktivitäten in den Bereichen Sport und Gesundheit zu initiieren, zu steuern, zu begleiten und zu prüfen? Einen Hinweis darauf liefert der Zertifikatslehrgang „Fachkraft für betriebliches Gesundheitsmanagement“, den die deutschen Industrie- und Handelskammern (IHK) anbieten. Teilnehmer, so heißt es in der Beschreibung des rund halbjährigen, häufig als Fernstudium angebotenen Lehrgangs „erwerben die notwendigen Kompetenzen, um betriebliches Gesundheitsmanagement erfolgreich in einem Unternehmen zu etablieren. Anhand einer prozessorientierten Vorgehensweise lernen sie die gesundheitliche Ausgangssituation im Betrieb zu analysieren, d. h. arbeitsplatzbedingte Belastungen zu identifizieren sowie die sich bietenden Gesundheitspotenziale zu erkennen und zielorientierte Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit daraus abzuleiten.“ Dazu erlernen sie auch die notwendigen Kompetenzen, um spezifische Gesundheitsförderungsmaßnahmen zu planen, umzusetzen und zu koordinieren. Dafür wird die jeweilige gesundheitliche Wirkung bewertet und der wirtschaftliche Nutzen dargestellt.

Private Initiativen fördern

Auf der anderen, nicht-offiziellen Seite stoßen Unternehmen in der Regel stets dort auf gute Resonanz, wo sie freiwilligen Initiativen die Tür öffnen. Dies gilt derzeit im Betriebssport besser umgesetzt als in der Betriebsgesundheit, finden sich doch auf den Schwarzen Brettern und im Intranet eher Hinweise auf die nächste Trainingseinheit der Firmen-Radrennfahrer als auf den Vortrag „Gut ausschlafen, gut arbeiten“ – obwohl zum Beispiel die Krankenkassen dabei offensiv ihrer Unterstützung anbieten.

Vereine und Fitnessanbieter als Partner

Auf diesem Feld haben sowohl die Personalabteilung wie auch, wenn vorhanden, das Gesundheitsmanagement die Möglichkeit, animierend und koordinierend aufzutreten. Auch dabei ist Netzwerken angesagt, um den Mangel eigener Ressourcen zu überbrücken: „Am einfachsten ist es, wenn man sich einen kompetenten Kooperationspartner sucht“, so die Betriebssportexpertin Dr. Bettina Wollesen (Uni Hamburg) im Interview mit aok-business.de. „Ein gut aufgestellter Fitnessanbieter, Sportvereine oder Dienstleister für betriebliche Gesundheitsförderung können die Organisation übernehmen. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass zum einen gewährleistet werden muss, dass die Unternehmensleitung derartige Projekte fördert und die Mitarbeiter bei der Planung integriert werden.“

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