Grenzenlos sprachlos

2. Juni 2014

Um fremdsprachliche Schlagbäume zu lüften, sind Unternehmen gut beraten, das Können und Wissen ihrer Mitarbeiter aufzugreifen, zu kanalisieren und zu fördern. Nach innen wie nach außen liefern Fremdsprachenkenntnisse wertvolle Brückenschläge im partnerschaftlichen Miteinander.

Sprachbarrieren erschweren die Führung und den Zugang zu fremden Märkten

„Manager mit Chinesisch-Kenntnissen gesucht“: Über die Schlagzeile in der ZEIT vom Sommer 2012 mag der eine oder andere noch geschmunzelt oder verständnisvoll genickt haben: „Klar, wenn man einen Markt mit 1,7 Milliarden Menschen ansprechen will …“. Inzwischen, da die Folgen der EU-Osterweiterung um sich greifen, reift die Erkenntnis heran, dass es sich auch für einen kleineren Sprachraum wie Bulgarien oder Rumänien lohnt, die Sprache zu erlernen. Zumal ein Ansatz schon länger nicht mehr funktioniert „Wir hatten Englisch in der Schule. Damit werden wir schon zurechtkommen.“

Auf fremde Kulturen einlassen

Die Geschäftswelt war noch nie internationaler aufgestellt als heute. Der Aufstieg der „emerging markets“ wie Indien, Brasilien oder Mexiko, ebenso wie die nach wie vor boomenden Volkswirtschaften Asiens fordern von Unternehmen in wachsendem Umfang ein Engagement jenseits ihrer Heimatmärkte. „Verkauft wird in der Landessprache“: Das bedeutet, sich auf fremde Kulturen einzulassen – und damit zu allererst auf fremde Sprachen. Sprachen, die weit außerhalb des handelsüblichen Stundenplans im deutschen Schulsystem liegen.

Damit wird eine individuelle Fähigkeit von Mitarbeitern plötzlich wertvoll, die früher als nebensächlich, wenn nicht gar als hinderlich galt: die fremde Muttersprache. Türken, Griechen, Italiener oder Portugiesen stellen sich nicht mehr als einen „Störfaktor“ bei einer der reibungslosen Kommunikation dar, sondern als Brückenbauer zu Kunden und Geschäftspartnern in Auslandsmärkten. Statt sie ihnen mit Nachdruck in Deutschsprachlerdie deutsche Sprache möglichst perfekt einzubimsen umzuerziehen, ermuntert sie so manches Unternehmen, ihr Sprachwissen mit den Kollegen zu teilen.

Eine Frage des Respekts und der Führung

Nicht zuletzt deshalb, weil es neben der Kommunikation nach außen auch um die nach innen geht. Das ist nicht nur eine Frage der Höflichkeit oder des Respekts. In großen Industriebetrieben kommt es beispielsweise vor, dass eine ganze Schicht aus Menschen zusammengesetzt ist, die in einer oder mehreren fremden Muttersprachen zu Hause sind. Wer hier als Führungskraft nur mittelbar in Dialog treten kann, dem fehlt es am wichtigsten Instrument zur effizienten Führung. Orientierung, Steuerung und Informationsvermittlung leiden unter mangelnder Sprachkenntnis – nicht nur im Normalfall, sondern vor allem in Krisen.

Vorreiter sind dabei vor allem Betriebe aus dem Bereich der Gastronomie und Hotellerie sowie des Reise- und Verkehrswesens, seit jeher grenzüberschreitend und von der Begegnung verschiedener Kulturen geprägt. Doch längst sieht man die kleinen Flaggen als Symbole für Fremdsprachenkenntnisse nicht mehr nur an den Uniformen von Flugpersonal, sondern auch im Elektronikmarkt oder beim Zahnarzt. Auf einen Kunden in seiner Muttersprache zugehen und seine Bedürfnisse erfragen zu können, gilt inzwischen immer öfter als Mindeststandard für Servicequalität.

Management muss Sprachstrategien entwickeln und fördern

Hintergrund: Zwei Drittel der Deutschen können sich in mindestens einer Fremdsprache unterhalten – und sind damit im europäischen Vergleich nur Mittelmaß hinter Spitzenreitern wie Luxemburg, Holland oder Schweden zurück, in denen über 90 Prozent aller Bürger eine andere Sprache neben ihrer Muttersprache beherrschen. Das brachte 2012 die Eurobarometer-Umfrage „Europäer und ihre Sprachen“ an den Tag. Eine gleichzeitig vorgestellte Studie zu Fremdsprachenkenntnissen von europäischen Schülern im Teenageralter in 14 europäischen Ländern zeigt, dass nur 42 Prozent ihre erste Fremdsprache wirklich beherrschen. Ein Sechstel erreicht nicht einmal das Niveau „Grundkenntnisse“.

Recruiting bezieht Sprachkenntnis mit ein

Die sprachliche Herausforderung betrifft denn auch beileibe nicht nur Deutschland, sondern kennt keine Grenzen. Das Forschungsinstitut des „Economist“ hat bei einer globalen Untersuchung vor zwei Jahren herausgefunden, das schon bei der Hälfte der Firmen aller Herren Länder mindestens einer von fünf Mitarbeitern gezwungen ist, im Job in einer anderen als seiner Muttersprache zu kommunizieren. Entsprechend richten viele Unternehmen ihr Recruiting aus und legen verstärkt Wert auf Fremdsprachenkenntnisse. Hier gilt zwar immer noch Englisch als das Maß aller Dinge, aber die Defizite bei der weltweit zweitwichtigsten Sprache, Mandarin, sind erkannt: Nur acht Prozent aller Mitarbeiter im internationalen Durchschnitt haben hier wenigstens rudimentäre Kenntnisse.

Schon 2008 hat die EU-Kommission das „Wirtschaftsforum für Mehrsprachenfähigkeit“ eingerichtet. „Sprachstrategien müssen in den Unternehmen ganz Europas von den höchsten Managementebenen unterstützt werden, beispielsweise dadurch, dass in Sprachkurse investiert wird, dass Muttersprachler beschäftigt werden und dass für gute mehrsprachige Kommunikation über das Internet gesorgt wird“, hieß es aus Brüssel.

Sprach-Invests erhöhen Wertschöpfung

Der damalige Kommissions-Vizepräsident Günter Verheugen, Kommissar für Unternehmen und Industrie, schrieb den EU-Unternehmen der EU ins Stammbuch: „Investitionen in Sprachkenntnisse und der kluge Umgang mit der Vielfalt werden entscheidend dafür sein, dass die europäische Gesellschaft die Vorteile einer globalisierten Welt voll ausschöpfen kann. Vielfältige Sprachkenntnisse ermöglichen Kommunikation, gegenseitiges Verstehen und das Finden neuer Lösungen. Es ist höchste Zeit, dass die allgemeine und berufliche Bildung diesen Bedürfnissen Rechnung trägt und allen den Zugang zu einem breiten Spektrum von Fähigkeiten ermöglicht.“

Auf Unternehmensebene heruntergebrochen bedeutet dies, Personal- und Organisationsentwicklung stärker aufeinander zu beziehen – und zwar unter interkulturellem Vorzeichen. „Nahe liegend und vor allem für größere Unternehmen rentabel wäre zum Beispiel die Etablierung eines Sprachwissensmanagements“, meint Prof. Dr. Jürgen Bolten. Er leitet das Fachgebiet „Interkulturelle Wirtschaftskommunikation“ an der Universität Jena.

Systematisches Herangehen gefordert

„Derzeit bleiben die muttersprachlichen, zweitsprachlichen und (inter-)kulturellen Kompetenzen von Mitarbeitern – einschließlich Expatriates und Repatriates – in der Regel unerfasst und können folglich für die betriebliche Praxis auch nicht nutzbar gemacht werden“, so seine Erkenntnis. Übersetzungs- und Dolmetscherhilfen, interkulturelles Tutoring und Coaching, Tandem-Lernen oder zielkulturelle Beratungsleistungen seien hier Potentiale, die innerhalb von Unternehmen prinzipiell vorhanden sind, aber viel systematischer und zielgerichteter entwickelt werden müssten.

„Hilfreich wäre in diesem Zusammenhang die Schaffung von unternehmensinternen und -externen Anreizsystemen zur Mehrsprachigkeitspraxis und zur interkulturellen Kompetenzentwicklung“, empfiehlt Bolten. „Intern könnte ein entsprechend ausgerichtetes Weiterbildungs-Punktesystem Mitarbeiter dazu motivieren, eigenes Wissen explizit zu machen und dem Unternehmen in Form von Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen, Wissensquellen aufzuspüren oder sich aktiv an Maßnahmen zur Entwicklung von Mehrsprachigkeit und interkultureller Kompetenz zu beteiligen.“

Fremdsprachenwörterbuch

Auf ein Wort …

Je näher die Welt zusammenrückt, desto wichtiger wird die Kommunikation. Gespräche mit Menschen aus anderen Kulturen und Sprachräumen scheitern oft daran, dass wir uns sprachlos gegenüber stehen, weil uns ein paar einfache Formeln fehlen. Um es etwas aufzulockern, geben wir Ihnen im „randstadkorrespondent Wörterbuch“ einige wichtige Redewendungen an die Hand. Einfach mal ausprobieren: Sie werden sehen, das wirkt Wunder!

Guten Abend!

Chinesisch (kantonesisch): Maan on! Chinesisch (mandarin): Wan shàng hao.! Portugiesisch: Boa noite! Schwedisch: God afton! Norwegisch: God kveld, God aften! Russisch: Dobry vecher! Niederländisch: Goedenavond! Hindi: Namaste! Koreanisch: An-nyong Ha-shim-ni-ka! Japanisch: Konbanwa! Türkisch: iyi ak, samlar!

Bitte schön!

Chinesisch (kantonesisch): M sai haak hei, Chinesisch (mandarin): Bu yong xie, Portugiesisch: De nada! Schwedisch: Varsågod! Norwegisch: Vær så god! Russisch: Pazhaluista!, Niederländisch: Niets te danken! Hindi: Aapakaa svaagat hai! Koreanisch: Chon-man-e Mal-sum-im-ni-da, Japanisch: Douitashimashite! Türkisch: Bir! Sey de-gil!

Prost!

Chinesisch (kantonesisch): Ging jau! Yam booi! Chinesisch (mandarin): Gan bei! Portugiesisch: Tchim-tchim! Saúde! Schwedisch: Skål!, Norwegisch: Skål!, Russisch: Vashe zdorovie! Niederländisch: Proost! Hindi: Cheers! Koreanisch: Konbe! Japanisch: Kanpai! Türkisch: Serefe!

Danke schön!

Chinesisch (kantonesisch)M goi saai; fei seung chi do jeh! Chinesisch (mandarin) Fei cháng gàn xìe; henv gàn xìe! Portugiesisch Muito obrigado! Schwedisch Tack så mycket Norwegisch Tusen takk! Russisch Bolshoe spasibo! Niederländisch Dank u wel! Hindi Aapakaa bahut bahut dhanyavaad Koreanisch Te-dan-hi Kam-sa-ham-ni-da Japanisch Arigato gozaimasu Türkisch Çok te! sekür ederim!

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