Gütesiegel für drinnen und draußen

13. Januar 2015

Zertifizierungen sind selbstverständlich gewordene Merkmale zur Positionierung von Firmen. Dies gilt nicht nur gegenüber Kunden, sondern auch mit Blick auf Mitarbeiter.

Aktives Einbinden der Mitarbeiter erhöht die Wirkung der Zertifizierung

Zertifizierungen sind zur harten Währung avanciert. In Ausschreibungen und bei Auftragsvergaben gelten sie mitunter als Ausschlusskriterium, bei Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen als Prüfstein für die Kompatibilität von Prozessen und Denkweisen. Für das Funktionieren eines Betriebs sind sie indes nicht zwingend notwendig, wenn auch der Gedanke der ordentlichen Dokumentation von Abläufen und Vorgängen im Prinzip richtig ist. Allein die Vielzahl der Optionen, die für jeden einzelnen Betrieb besteht, verlangt nach einer Auswahl. Für welchen Bereich und in welcher Qualität eine Zertifizierung erfolgt, bleibt daher eine rein unternehmerische Entscheidung.

Nächste Stufe der Entwicklung

Zahlreiche Unternehmen, die Anfang der 1990er-Jahre in den Zertifizierungszyklus eingestiegen sind, haben inzwischen eine Evolution durchlaufen: Sie sind von der Außenwirkung zur Innenwirkung vorgedrungen. Das hat vor allem damit zu tun, dass sie gelernt haben, was das Leben mit einem Qualitätsmanagementsystem (QMS) ausmacht. Als untrennbar mit der Zertifizierung verbundene Komponente wird es zum unverzichtbaren Bestandteil des täglichen Arbeitens.
Verbunden mit der Erkenntnis, dass Selbstproduziertes stets besser ist als Nachgeahmtes oder Pflichterfüllendes, ist in diesem Zusammenhang auch den Mitarbeitern eine neue Rolle zugewachsen. Sie werden nicht mehr im Sinne des angestrebten Zertifikats erzogen, sondern gestalten es mit ihren Mitteln mit. Indem sie bewusst auf allen Ebenen gefordert werden, ihre Fähigkeiten auch bei der Zertifizierung zum Nutzen des Unternehmens einzusetzen, lassen sich die Absicht und der Wert dieser Maßnahme fest bei ihnen verankern.

Motivation durch Beteiligung

Wie oft suchen Firmen nach Möglichkeiten, ihre Mitarbeiter glaubwürdig und zielführend in unternehmerische Abläufe einzubeziehen? Wer an der Kernaufgabe „Zertifizierung“ beteiligt wird, bei dem erhöhen sich Motivation, Engagement und nicht zuletzt Kreativität.
Hier haben auch die HR-Bereiche eine neue Aufgabe erhalten. Sind sie doch gefordert, bei der Auswahl der Mitarbeiter bis zum Befähigungsnachweis „zertifizierungstauglich“ die menschlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass über aktive Beteiligung der Mitarbeiter DIN Normen und Gesetzestexte mit Leben erfüllt werden.

Gesundheitsbranche liefert Beispiele

Das ist der erste Baustein einer erfolgversprechenden Zertifizierung: Beteiligung schafft Akzeptanz. Es mag auf den ersten Blick überraschen, dass bei einer Google-Suche „Mitarbeiterbeteiligung im Qualitätsmanagement“ auf den ersten Seiten überwiegend Fundstellen aus dem medizinischen Bereich auftauchen. Letztlich unterliegt das Suchergebnis aber einer zwingenden Logik: In einem Wirtschaftsbereich, in dem die betrachteten Prozesse von Mensch-Mensch-Schnittstellen dominiert werden, ist sowohl die Beteiligung des Einzelnen bedeutsam als auch seine individuelle Kompetenz zum Einhalten definierter Prozesse unverzichtbar.

Zertifizierung als nützliches Instrument im Recruiting

Unternehmen suchen häufig nach Anregungen, wie sie ihren Mitarbeitern die Bedeutung einer Zertifizierung und das Funktionieren der daraus abgeleiteten Vorgänge nahe bringen sollen. Sie tun also gut daran, sich in Apotheken, Kliniken, Arztpraxen oder Pflegeheimen Anregungen dafür zu sammeln. Gleichzeitig können sie sich mit Quereinsteigern aus diesem Wirtschaftszweig nützliches Anwendungswissen zum Thema ins Haus holen.

Zertifikate machen Arbeitgeber transparenter

Ein zweiter Baustein der Zertifizierung hat eine Doppelfunktion: Nicht nur (geschäftliche wie private) Kunden gewinnen über die per neutral geprüftem Management-System definierten Prozesse und Abläufe mehr Einblick – und im Idealfall Vertrauen – in zertifizierte Unternehmen. Auch bestehende und künftige Mitarbeiter können daraus ableiten, wie ernst es dem Unternehmen mit den Eigenschaften ist, mit denen es für sich wirbt. Im Sinne eines „Employer Branding“ mag es daher nützlich erscheinen, sich auf Familienfreundlichkeit oder Gesundheitsmanagement hin zertifizieren zu lassen.

Nicht minder groß an Wirkung ist allerdings das, was über Zertifikate zur Fertigung, zum Umweltmanagement, zur Energiefitness, zur Kundenorientierung oder zur ständigen Verbesserung kommuniziert wird. Denn grundsätzlich spiegelt sich in den einschlägigen Dokumenten nicht nur die Bedienungsanleitung für die Firma, sondern auch der Umgang mit jenen, die diese Bedienung zu verantworten haben. Wer nach fachlicher Kompetenz strebt und Führungsverantwortung übernehmen möchte, kann aus der Dokumentation von Audits und dem QM-Handbuch inzwischen meist ziemlich gut herauslesen, wie es um die Wirklichkeit im Betrieb bestellt ist.

Zertifizierungen signalisieren Bereitschaft für Reflektion

Dazu kommt die Sicherheit, dass jene neutralen Firmen, die Zertifizierungen erteilen, in regelmäßigen Abständen die Managementsysteme aufs Neue unter die Lupe nehmen. Damit ist folglich nicht nur sichergestellt, dass alle Mitarbeiter die Prozesse tatsächlich einhalten und das Managementsystem auf eventuelle Veränderungen des Unternehmens angepasst wird – sondern auch, dass die Geschäftsgrundlage für das Arbeitsverhältnis verlässlich weiterbesteht.

Der dritte Baustein schließlich ist die kapitalisierende Wirkung einer Zertifizierung. Als Rendite auf die investierten Mengen an Hirnschmalz, Zeit und Geld erhalten die Unternehmen eine Steigerung ihres immateriellen Werts – der, wie die jüngste Entwicklung lehrt, sogar Börsenphantasien auslösen kann. Was wirklich zählt, sind allerdings die fundamentalen Werte. Ein Beispiel hierzu aus Niedersachsen. Dort können sich Firmen ihre frühzeitige demografiebewusste Personalpolitik bestätigen lassen.

Selbst Demografie ist ein Zertifikat wert

Das Wirtschaftsministerium in Hannover und die Demografieagentur für die niedersächsische Wirtschaft bieten Unternehmen eine Hilfe dabei, Betriebe zukunftssicher aufzustellen. Mit dem Zertifikat „Demografiefest. Sozialpartnerschaftlicher Betrieb" zeichnet das Wirtschaftsministerium zusammen mit der Demografieagentur Betriebe aus, die unter Beteiligung der Sozialpartner Maßnahmen durchführen, um sich demografiefest aufzustellen.

Beratung als Vorstufe zum Zertifikat

Das erst kürzlich öffentlich vorgestellte Zertifikat ist für Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies ein Mittel zur Arbeitgeberattraktivität „als Standortfaktor im Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“. Der Erhalt der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit der älter werdenden Arbeitnehmerschaft sei hier ein zentrales Anliegen.
Unterstützt werden die Unternehmen auf ihrem Weg zur Zertifizierung durch die Demografieagentur, die vor zwei Jahren von NiedersachsenMetall und dem DGB mit Unterstützung der niedersächsischen Landesregierung gegründet wurde und bundesweit einzigartig ist. Sie berät die Unternehmen in Fragen zur Personalstrategie, Führungs- und Unternehmenskultur, Gesundheitsmanagement, Arbeitsorganisation und -gestaltung, Qualifizierung und Kompetenz.

Mehr Attraktivität für „Arbeitgebermarke“

Dazu Geschäftsführer Lutz Stratmann: „Die Wettbewerbsfähigkeit insbesondere unserer mittelständischen Wirtschaft hängt in zunehmenden Maße davon ab, ob es den Unternehmen gelingt, qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einem schwieriger werdenden Arbeitsmarkt zu finden und an das Unternehmen zu binden.. Dabei wird es unter anderem darum gehen, vor allem älteren Beschäftigten einen längeren Verbleib im Unternehmen zu ermöglichen und das Unternehmen auf dem Arbeitsmarkt als attraktive Arbeitgebermarke zu platzieren."
Das Angebot zur Zertifizierung ist für niedersächsische Betriebe kostenfrei. Unverzichtbarer Bestandteil für die Zertifizierung ist eine gelebte Sozialpartnerschaft in den Betrieben sowie die erfolgreiche Durchführung und Dokumentation eines „DemografieChecks“. Dabei werden die Ist-Situation im Betrieb ermittelt und Handlungsfelder aufgezeigt. Je nachdem, welche Handlungsfelder betroffen sind, kommen unterschiedliche Instrumente zum Einsatz, die sinnvoll miteinander kombiniert werden.

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