Gute Unterhaltung!

23. Oktober 2013

Eine Idee, ein Konzept, einen Projektplan zu präsentieren - Alltag im Unternehmen. Die Vortragenden sind dabei nicht nur inhaltlich gefordert. Es gilt, die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums zu gewinnen und zu halten. Die Lösung: eine Mischung aus Entertainment und Ökonomie.

Gesten wirken mehr als Worte

Waren Sie schon mal in einem Frank-Sinatra-Konzert? Oder haben Sie wenigstens eine Aufzeichnung von einem seiner Auftritte im Fernsehen gesehen? Achten Sie einmal drauf: Der Star betritt die Bühne. Er schnippst einmal mit den Fingern – und das Auditorium liegt ihm zu Füßen. „Auftrittsökonomie“ nennt man das.

Anderes Beispiel: TV-Duell. Vor vielen, vielen Jahren: SPD-Chef und Bundeskanzler Helmut Schmidt gegen Unionskanzlerkandidat Helmut Kohl. Kohl wettert und wettert. Was die Sozialdemokraten alles falsch gemacht hätten, ach, und überhaupt …! Ihm gegenüber Schmidt. Zigarette rauchend. Kamera Close-up: Eine Rauchschwade verlässt während einer Schimpfkanonade Kohls gerade genüsslich Schmidts im Nanobereich grinsenden Mund Richtung Nase. Das war’s. Was Kohl sagte, weiß ich nicht mehr. Keine Auftrittsökonomie eben.

Kleine Dosis, große Wirkung

Worauf will ich hinaus? Große Präsentierer beherzigen die Auftrittsökonomie. Sie überfrachten ihre Zuhörer nicht mit Wissen. Mehr noch: Sie wechseln das Medium. Sie belassen es nicht beim gesprochenen Wort. Sie fesseln den Zuhörer mit scheinbaren Nebensächlichkeiten.

Der sogenannte Visualisierungspapst Axel Rittershaus sagte einmal, worin der Erfolg solcher Redner-Asse liegt: „Die Aufmerksamkeitsspanne von uns Menschen ist sehr begrenzt.“ Im Zeitalter von YouTube sei sie auf wenige Minuten zusammengeschrumpft. Ideal sei es, spätestens nach zehn bis fünfzehn Minuten das Medium zu wechseln.

Medienwechsel erzeugt Aufmerksamkeit

Rittershaus führt gerne das Beispiel des Apple-Gründers Steve Jobs an. Der wechselte in seinen Präsentationen alle paar Minuten das Medium. Er ließ einen Gast auftreten, zeigte einen kurzen Video-Clip oder führte ein Produkt vor – PowerPoint, wenn es sein muss, aber nie allein, sondern nur sparsam und gekonnt eingesetzt.

Rittershaus weiß, wovon er spricht. Von Haus aus selbst Software-Techniker, beschäftigt sich der Mitgründer des Bundesverbandes IT und Kommunikation (BITKOM) seit 1998 mit „Soft Skills”, also mit Training, Coaching und Präsentieren. Sie entschieden häufig eher über Erfolg und Misserfolg von Projekten und Unternehmen als eine noch so ausgefeilte Technik wie PowerPoint, ist Rittershaus überzeugt. Nicht ohne Grund lassen sich Chefs und Vorstände führender Unternehmen und Organisationen von ihm coachen. Im Auftrag der Bundesregierung war er Delegationsmitglied der ersten EU-Konferenz zum Thema eGovernment.

Sieben auf einen Streich…

Ihnen bringt er so naheliegend erscheinende Tricks bei wie die Wiederholung. Doppelt genäht hält besser, sagt man. Oder: Einmal ist keinmal. Die Werbepsychologie weiß: Durchschnittlich bedarf es sieben Wiederholungen, bis eine Werbebotschaft bei einem Empfänger angekommen ist. Zu Deutsch: Bis es endlich alle kapiert haben.

Rittershaus: „Gleiches gilt auch für den Vortrag.“ Klar: Dem Vortragenden ist jeder seiner Kernaussagen absolut wichtig. Da sind wir alle wie Professoren. Bitten Sie einmal einen Professor, er möge Ihnen die fünf wichtigen Aussagen seines Vortrages kurz skizzieren. Er wird Ihnen antworten: „Wieso fünf? Alle sind wichtig.“ Für ihn.

Konzentrat der Gedanken statt Büffet der Botschaften

Es macht sich bezahlt, Aussagen zu verdichten und sie in abgewandelter Form, aber gleicher Intention mehrfach zu platzieren. Mal als Appell, mal als Frage, mal durch ein Zitat untermauert, mal mit einer Grafik belegt. Denn was passiert einem Zuhörer, der keine Speisekarte bekommt, sondern nur ein Büffet an Botschaften? Er macht sich seine eigenen Gedanken. Über alles Mögliche. Bestenfalls auch über Ihre Aussagen. Er schweift ab. Er ist unkonzentriert. Er macht sich Notizen. Und gerade in diesem Moment kommt die, aus wessen Sicht auch immer, wichtigste Aussage durch den Lautsprecher. Schon hat der Zuhörer den Faden verloren – und Sie Ihren Zuhörer. Also: wiederholen, wiederholen, wiederholen. Nur steter Tropfen höhlt den Stein.

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