Ist die Digitalisierung eine Chance für Geringqualifizierte?

21. August 2018

Profitieren alle gleichermaßen vom Aufschwung? Zahlreiche Unternehmen suchen nach hochqualifizierten Fachkräften – aber auch für Geringqualifizierte kann die neue digitale Arbeitswelt Vorteile bringen. Das Nachsehen haben eher die mittleren Einkommensgruppen.

Die Qualifikationslücke wächst

Wer ist von der Digitalisierung betroffen?

Mit dem Thema Digitalisierung verbinden sich in den Medien und bei den Arbeitnehmern in Deutschland zahlreiche Ängste. „Laut der Randstad Studie „[email protected]“ befürchten 13 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland – fast jeder Siebte – dass der eigene Arbeitsplatz in absehbarer Zukunft wegfallen wird. Und diese Ängste sind nicht komplett unbegründet, denn die Arbeitswelt verändert sich tatsächlich. Das bedeutet einen enormen Umbruch für alle Einkommens- und Altersgruppen“, erklärt Dr. Christoph Kahlenberg, Leiter der Randstad Akademie.

Weniger Stellen für mittlere Qualifikationen

Die Studie „[email protected]“ von Randstad zeigt auf: Auf dem deutschen Arbeitsmarkt gibt es nach OECD Employment Outlook 2017 immer mehr Tätigkeiten für Geringqualifizierte. In diesem Segment sind 4,74% mehr Arbeitnehmer beschäftigt als noch 1995. Auch der Anteil hochqualifizierter Tätigkeiten am Arbeitsmarkt stieg um 3,42 Prozentpunkte. Die Stellen für mittlere Qualifikationen, etwa Handwerker, Maschinenführer oder gelernte Bürokräfte, nahmen im gleichen Zeitraum dagegen um 8,16 Prozentpunkte ab. „Die Polarisierung am Arbeitsmarkt nimmt zu“, so Dr. Christoph Kahlenberg, „und in der Mitte ist der Druck am Stärksten. Insbesondere Arbeitsplätze, die zum großen Teil aus Routinetätigkeiten bestehen, drohen zu verschwinden.“

Das geforderte Wissen kommt nicht von der Universität

Die Arbeit von morgen braucht also neue Kompetenzen, so der Randstad Arbeitsmarktexperte: „Die Halbwertszeit von formalen Ausbildungen, wie etwa Berufsabschlüssen, sinkt. Stattdessen ist immer mehr soziales und digitales Know-how gefragt. Und das erwirbt man nicht unbedingt an einer Berufsschule oder Universität, sondern durch berufsbegleitendes, digitales Lernen – ganz gleich, welchen Bildungsstand man bereits besitzt. Darin steckt eine Chance für Geringqualifizierte, denn sie können dieses Wissen genauso erwerben.“ Klassische Berufsausbildungen werden also durch mobile Learning am Smartphone, Online-Klassenräume und ähnliches ersetzt. So setzt Randstad beispielsweise online abrufbare Videos als Lehrmaterial ein, die neue Lagerarbeiter spielerisch durch die typischen Stationen in der Logistik führen und Grundwissen über Pakete, Lieferscheine und vieles mehr vermitteln.

Neue Möglichkeiten durch digitale Lernmethoden

Aktuell sind in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes beinahe 800.000 Stellen unbesetzt. Diese hohe Nachfrage ermöglicht Geringqualifizierten den Einstieg in die Arbeitswelt.

„Die Verknüpfung digitaler Lernmethoden mit der beruflichen Praxis bietet Vorteile für Arbeitgeber und geringqualifizierte Arbeitnehmer: Unternehmen, die auf digitale Lernmethoden setzen, erschließen sich einen größeren Personalpool. Und Arbeitnehmer, die vorher Schwierigkeiten hatten, Anschluss an den Arbeitsmarkt zu finden, können dauerhaft Kompetenzen für das Berufsleben aufbauen“, so Dr. Christoph Kahlenberg.

Über die Studie [email protected]

Die vorgestellten Ergebnisse stammen aus der Studie [email protected] 2018, die von der Universität Utrecht im Auftrag der Randstad Holding durchgeführt wurde. Die internationale Studie untersucht die Nachhaltigkeit aktueller Arbeitsmarktentwicklungen insbesondere in urbanisierten Gesellschaften, darunter Deutschland, Japan und den USA.

Die Qualifikationslücke wächst
investor relations