„Leichte Sprache“ ist ziemlich schwer

13. April 2016

Ob eine Präsentation beim Publikum gut ankommt oder nicht, hängt wesentlich davon ab, wie verständlich der Vortragende für alle Zuhörer ist. Das Prinzip der „Leichten Sprache“ liefert hierfür wertvolle Hinweise.

Selbst Menschen mit hohen intellektuellen Fähigkeiten erreichen beim Zuhören schnell die Grenze dessen, was ihr Verstand verarbeiten kann. Die Gründe dafür sind vielfältig. Häufig liegt es an der schlechten Vorbereitung des Vortragenden, der sich nicht die Mühe macht, sich auf sein Publikum einzustellen. Ebenfalls oft zu beobachten ist die Annahme, dass allein schon die Teilnahme an einem Vortrag die Kommunikation „auf Augenhöhe“ voraussetzt – was zum unbedachten bis inflationären Gebrauch von Fachjargon führt.

Barrierefreiheit kennt viele Anlässe

In der Regel belasten solche Voraussetzung die Aufnahmebereitschaft der Zuhörer. Vielfach wird der Inhalt des Gesagten dadurch entwertet, die Effizienz beim Weiterverarbeiten des Gehörten eingeschränkt. Unter den vielen Anleitungen, wie derlei zu vermeiden ist, gewinnt in jüngster Zeit das Prinzip „Leichte Sprache“ an Bedeutung. Es kommt ursprünglich aus der Kommunikation für und mit Menschen, die Lernschwierigkeiten haben oder deren Wahrnehmungsvermögen sowie geistige Fähigkeiten eingeschränkt sind. Sie gilt als grundlegender Beitrag zu Barrierefreiheit.

Das Zuhören und Verstehen erleichtern

Solche Barrieren bestehen indes auch überall dort, wo Sender und Empfänger nicht automatisch auf gleicher Wellenlänge liegen. Verschiedene Prinzipien und Regeln der Leichten Sprache sind daher auch gut tauglich für die Alltagskommunikation. Denn sie erleichtern die Aufnahme im „Vorüberhören“.

  • Verwenden Sie einfache Wörter: „Sagen“ ist besser als „anmerken“.
  • Verwenden Sie Wörter, die etwas genau beschreiben: „Bus und Bahn“ sind besser als „öffentlicher Nahverkehr“.
  • Vermeiden Sie Fach- und Fremdwörter: „Arbeits-Gruppe“ ist besser als „Workshop“. Sind bestimmte Fachbegriffe unvermeidbar, müssen sie erklärt werden.
  • Anders, als es der Deutschlehrer für die Aufsätze gewünscht hat, sollten Sie für gleiche Dinge stets auch die gleichen Worte verwenden.
  • Bei geschriebenen Texten (z.B. in einem Powerpoint-Dokument) sollten Sie lange Worte vermeiden bzw. durch Bindestriche in verständliche Bestandteile gliedern („Bundes-Gleichstellungs-Gesetz“)
  • Machen Sie kurze Sätze. Verzichten Sie idealerweise auf Nebensätze, auf jeden Fall aber auf „eingeschachtelte“ Sätze.
  • Lassen Sie Ihren Text von einem Mitglied der Zielgruppe auf Verständlichkeit überprüfen. Das Prinzip „Prüfung“ ist ein Kernelement der „Leichten Sprache“. Ohne eine solche Freigabe darf das Prädikat nicht vergeben werden.

Gut vorbereitet bedeutet „gut verständlich“

Inzwischen finden sich zahlreiche Beispiele für „Leichte Sprache“ im Internet, z.B. bei der Bundesregierung oder beim Verein Lebenshilfe. Sie veranschaulichen den Weg, den man beim Umdenken auf den vereinfachten Sprachgebrauch einschlägt.

Wer in die diversen Handreichungen und Ratgeber zum Thema einsteigt, wie sie z.B. das „Netzwerk Leichte Sprache“, das „Büro für Leichte Sprache der Lebenshilfe Bremen“ oder das Arbeitsministerium veröffentlicht haben, stellt schnell eines fest: „Leicht“ ist alles andere als einfach. Es setzt eine aufwendige und umfassende Beschäftigung mit den eigenen Texten voraus. Wer möchte, dass seine Botschaft unmissverständlich und gut merkbar ankommt, sollte diesen Aufwand nicht scheuen.

Leichte Sprache ist eine besonders leicht verständliche Sprache. Sie unterliegt Regeln, die z. B. die Wortwahl, Grammatik und Textgestaltung betreffen. Unter anderem sollen möglichst einfache Wörter verwendet werden. Sätze sollen kurz und einfach aufgebaut sein. Durch Leichte Sprache erhalten Menschen mit geistigen Behinderungen einen Zugang zu Informationen - ganz ohne fremde Hilfe. Zugang zu Informationen zu haben ist zugleich Grundlage für eine selbstbestimmte Teilhabe. Die Leichte Sprache ist bereits in der Barrierefreien-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0) rechtlich verankert. Ein Ratgeber http://www.bmas.de/DE/Service/Medien/Publikationen/a752-leichte-sprache-ratgeber.html „Leichte Sprache“ Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)

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