Mehr als ein Lippenbekenntnis

5. März 2013

Noch ist es eine überschaubare Zahl an Unternehmen, die sich auch in diesem Jahr wieder bei den Internationalen Wochen gegen Rassismus engagieren. Doch Hanna Daum, CSR-Expertin bei Randstad Deutschland ist sich sicher, dass die Wertschätzung für Mitarbeiter und der Widerstand gegen Diskriminierung bald weitere Teilnehmer aus der Wirtschaft zum Mitmachen bewegen wird.

Rassismus verletzt Menschen in ihrer Würde – durch Worte, Taten und durch ungerechte Strukturen. Rassismus ist in seinen verschiedenen Ausprägungen weltweit verbreitet und gehört folglich auch zu Deutschland. Dies zeigen neben einschlägigen Studien auch die Mordserie des „Nationalsozialistischen Untergrunds“, Anschläge und Übergriffe, die gesetzliche Ausgrenzung von Schutzsuchenden, fehlende Partizipationsrechte für Migrantinnen und Migranten, das Schüren von Ressentiments gegenüber Roma sowie Diskriminierungen von Minderheiten bei der Arbeits- und Wohnungssuche oder im Kultur- und Bildungsbereich.

„Wochen gegen den Rassismus“ im März

Die Internationalen Wochen gegen Rassismus vom 11. bis 24. März 2013 rücken die verschiedenen Dimensionen von Rassismus in den Mittelpunkt. Das Projekt schließt seit vielen Jahren Vereine, Gewerkschaften, Kirchen, lokale Initiativen, Städte und Gemeinden zusammen, die sich gegen Rassismus engagieren.
In dem gemeinsamen Veranstaltungs‐ und Aktionszeitraum um den 21. März – dem UN‐Tag gegen Rassismus – bündeln die Kooperationspartner alljährlich ihre Aktivitäten. Ziel ist es, mit vielen anderen Akteuren in Deutschland und Europa ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen.

Ex-DFB-Chef Zwanziger ist Boschafter

In Deutschland werden die Internationalen Wochen gegen Rassismus vom Interkulturellen Rat gemeinsam mit mehr als 70 Organisationen und Einrichtungen durchgeführt. Neben Randstad Deutschland unterstützen Unternehmen wie Axa, Continental, Lidl, Hornbach, Rewe oder Würth die Internationalen Wochen gegen Rassismus 2013.
Offizieller Boschafter ist in diesem Jahr der ehemalige Präsident des Deutschen Fußball Bundes und der Vorsitzende der DFB Kulturstiftung, Dr. Theo Zwanziger. „Für mich gelten im Sport wie in der Gesellschaft die gleichen Werte: Fair Play, Verständigung und Gleichwertigkeit“, so macht Zwanziger deutlich.

Fair Play gilt in Sport, Gesellschaft und Wirtschaft

„Wir dürfen daher bei Rassismus, Diskriminierung und Gewalt nicht wegschauen“, fordert Zwanziger. „Wir alle, gesellschaftlich Verantwortliche und Menschen vor Ort, sind dazu aufgerufen, deutliche Zeichen gegen die menschenverachtende Ausgrenzung von Minderheiten zu setzen. Die Internationalen Wochen gegen Rassismus im März sind hierzu eine besonders gute Gelegenheit.“

Nicht nur Kräfte der Gesellschaft, sondern auch aus der Wirtschaft haben öffentlich gegen Rassismus Position bezogen. So haben zum Beginn der Internationalen Wochen gegen Rassismus im vergangenen Jahr auch einige Unternehmen eine auf Initiative des Interkulturellen Rats entstandene, gemeinsam veröffentlichte Erklärung „Aktiv gegen Rassismus“ unterzeichnet.

Darin heißt es: „Rassismus findet auch in der Mitte der Gesellschaft Zuspruch. Das bestärkt Rechtsextremisten, die sich gegen die Demokratie, die Menschenrechte und die europäische Einheit stellen. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten nutzen sie Ängste aus und versuchen mit ihren einfachen Parolen Menschen zu gewinnen. Wir können etwas gegen Rassismus tun!“

Firmen beteiligen sich und betreiben Zukunftsvorsorge

Wenn Unternehmen sich daran beteiligen, betreiben sie aktiv Zukunftsvorsorge, ist Britta Graupner überzeugt, die zuständige Projektreferentin beim Interkulturellen Rat. „Migrantinnen und Migranten aus aller Welt formen unsere Gesellschaft und die darin agierenden Unternehmen mit. Auf Grund der demographischen Entwicklung werden Deutschland und Europa zukünftig noch mehr als bisher auf Zuwanderung angewiesen sein.“

Dazu kommt, so Torsten Jäger vom Interkulturellen Rat, dass „schon jetzt im öffentlichen Diskurs Tendenzen festzustellen sind, bei der Ursachenforschung für die Wirtschafts- und Finanzkrise auf rassistische Ressentiments z.B. gegen ,arbeitsfaule Griechen‘ auszuweichen, statt die tatsächlichen Ursachen wie Deregulierung der Märke oder fehlende Kontrolle der Banken zu benennen“. Es stehe zu befürchten, dass solche Erklärungsansätze, die sich bislang noch auf Mitgliedstaaten und deren Bevölkerung fokussieren, auf Minderheiten in Deutschland übertragen würden, sollte die Krise stärker als bisher auf die deutsche Wirtschaft durchschlagen.

Migrantinnen und Migranten, Flüchtlinge und die Empfänger von Transferleistungen könnten in diesem Fall noch mehr als bisher ins Zentrum von gesellschaftlicher Diskriminierung und Ausgrenzung geraten, die ökonomische Nützlichkeitserwägungen an die Stelle der Würde jedes einzelnen Menschen setze.

„Worte und Taten müssen zusammenpassen“

Hanna Daum, National Coordinator für Corporate Social Responsibility (CSR), hat für Randstad Deutschland die Erklärung unterzeichnet, gemeinsam mit anderen Unternehmen, aber auch mit Organisationen wie der IG Bergbau Chemie Energie (IG BCE) und der IG Metall. Sie weist darauf hin, wie wichtig die Übereinstimmung von Worten und Taten auf diesem Feld für die Glaubwürdigkeit des Unternehmens sind.

„Für die Leistungsbereitschaft und die Arbeitskraft eines Menschen macht es keinen Unterschied, woher er kommt und welche Farbe seine Haut hat“, macht Daum die Haltung ihres Unternehmens klar. „Unter unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern befinden sich Menschen aus der ganzen Welt, bei denen wir keine Unterschiede machen. Randstad macht sich vielmehr stark für Integration und setzt sich dafür ein, dass sich alle Bewerber und Mitarbeiter gleichermaßen willkommen fühlen. Rassismus hat bei uns keine Chance.“

Diversität in der Kultur von Randstad fest verankert

Der Stellenwert von Migration, Diversität und Toleranz ist in der Kultur von Randstad seit der Unternehmensgründung vor 50 Jahren fest verankert. Das bringt der Personaldienstleister durch verschiedene Aktivitäten zum Ausdruck: 2008 zum Beispiel trat Randstad der „Charta der Vielfalt“ bei.

Außerdem entwickelte das Unternehmen zusammen mit dem Projekt „Search inside!“ von InnoVision Concepts in Augsburg die Idee für den Ausbau eines Netzwerks von betrieblichen Integrationsmentoren. Bisher wurden zwölf Mentoren ausgebildet, die unter anderem den Austausch zwischen Personalverantwortlichen und Beschäftigten sicherstellen.

Engagement gegen Rassismus wirkt nachhaltig

„Sich gegen Rassismus zu positionieren ist mehr als ein Lippenbekenntnis“, merkt Hanna Daum hierzu an. „Es bedeutet in der Konsequenz auch entsprechend zu handeln.“ Hier könne jeder Betrieb, jeder Firma mitmachen und einen Beitrag leisten, merkt sie an und macht auf die nachhaltige Wirkung eines Engagements zum Beispiel bei den Internationalen Wochen gegen Rassismus aufmerksam: „Unternehmen, die für die Überwindung von Rassismus eintreten und entsprechende Schritte unterstützen, dürfen positive Auswirkungen auf ihr Ansehen bei Geschäftspartnern, Verbrauchern und Mitarbeitern erwarten.“

Downloadlink zum Materialheft 
www.internationale-wochen-gegen-rassismus.de

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