Meinungsmacher zum Thema „Veränderungen beherrschen“

27. März 2011

Sie kennen sich aus. Sie beziehen Position. Sie tragen zur Meinungsbildung bei. Zeitgenossen, die etwas zu sagen haben, äußern pointierte Gedanken zu Themen, die im aktuellen Heft eine Rolle spielen.

„Warum nicht auf einen Spaziergang in den nahe gelegenen Park, um ein Gespräch zu führen?“

Georg-W. Moeller ist Business-Coach für Persönlichkeitsentwicklung und Change-Management und selbständiger Unternehmer im Hotel „Domicil“ in München.

„Wer mit seinen Mitarbeitern nur einmal im Jahr den Dialog sucht und dieses verzweifelte Bemühen unter dem Titel „Jahresgespräch“ in der Rubrik „Personalentwicklung“ verbuchen möchte – der ist auf dem Holzweg. Schon weil diesen Gesprächen auf beiden Seiten die Vertrautheit fehlt, können sie ihren eigentlichen Zweck nicht erfüllen: einen tiefgreifenden Gedankenaustausch, eine wechselseitige Bereicherung und einen offenen Dialog. Insbesondere wenn diese Pflichtveranstaltungen nach Schema F und anhand vorgefertigter Checklisten geführt werden, geht ihr Nutzen gegen null.

Mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern meines Hotels führe ich regelmäßige, übers Jahr verteilte Gespräche. Die Anlässe dazu sind oft spontan, aber ich achte darauf, dass nicht mehr als ein Monat zwischen diesen Unterhaltungen verstreicht. Und was das jährliche Hauptgespräch angeht: Warum dazu nicht auf einen Spaziergang in den nahe gelegenen Park? Sich während des Dialogs Notizen zu machen, ist nicht nötig: Die wirklich wichtigen Dinge kann man sich merken und anschließend notieren. Die unwichtigen braucht man auch nicht aufzuschreiben. Sie werden überrascht sein, wie ergiebig, offen und befreiend solche Gespräche sind. Und weil ein Spaziergang im Frühjahr, Sommer oder Herbst angenehmer ist als im Winter, befreien Sie sich auch noch vom Zeitdruck zum Jahresende.“

„Ein vermeintlich einfaches Instrument erweist sich bei näherer Betrachtung als äußerst facettenreich.“

Prof. Dr. Klaus Watzka lehrt Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Jena und ist Autor des Buches „Zielvereinbarungen in Unternehmen – Grundlagen, Umsetzung, Rechtsfragen“.

Organisationen existieren einzig und allein, um Ziele zu erreichen. Nur ihre Erreichung sichert langfristig die grundsätzliche Überlebensfähigkeit, die Akzeptanz und den Erfolg von Organisationen. 

Akzeptiert man diese Überlegungen, dann erhalten Zielvereinbarungen mit den Mitarbeitern eine überragende Wichtigkeit als Steuerungsmechanismus für das Leistungsverhalten der Belegschaft. Ein vermeintlich einfaches Instrument erweist sich bei näherer Betrachtung als äußerst facettenreich.

In der praktischen Umsetzung lauern jedoch eine Fülle von Anwendungsfehlern. Gerade Managementsysteme, die jeder vermeintlich auf Anhieb versteht und die eine hohe Plausibilität aufweisen, bieten bei genauer Betrachtung genügend Möglichkeiten, wichtige Stellschrauben zu übersehen, falsch zu justieren oder im Routinehandeln nur noch „oberflächlich“ zu bedienen. Fehlerhafte Handhabung verhindert den Erfolg des Führungsinstruments und raubt die Akzeptanz bei den Mitarbeitern. Aus einem eigentlich leistungsfähigen Mechanismus wird dann nur noch ein jährliches „hohles Ritual“, das zwar Ressourcen in Form von Zeit, Geld und Nerven frisst, aber für die Organisation keinerlei positive Wirkungen erzielt.

Ziele sind eine mächtige Kraft: Schon die reine Existenz löst bei Mitarbeitern Motivations- und Leistungssteigerungen aus. Man muss sie also gar nicht unbedingt nach Zielerreichung bezahlen. Fast reflexhaft und viel zu vorschnell machen manche Organisationen aus einem reinen Führungsansatz zusätzlich auch ein Vergütungssystem.

„Im Augenblick der Veränderung einen Gesprächspartner zu haben, der zuhört, versteht, erklärt und hilft: unbezahlbar.“

Jens Kort ist Geschäftsführer der 1995 gegründeten Deutschen Kinderkrebsstiftung in Bonn.

„In Deutschland erkranken jährlich rund 2.000 Kinder und Jugendliche an Krebs. Dank großer medizinischer Fortschritte haben heute drei Viertel aller Betroffenen die Chance, wieder gesund zu werden. Trotzdem: Der Moment, in dem Eltern und Kinder die Diagnose erhalten, stellt alles auf den Kopf. Meistens aber nur bei den Eltern. Denn sie haben eine Vorstellung von Krankheit, Leid und Tod

Was dagegen die Kinder an den Tag legen, ist staunens- und bewundernswert: Neugier, Tatkraft, Kampfgeist – und die Bereitschaft, die Veränderungen anzunehmen. Natürlich haben sie auch Angst, große Angst! Aber wer einmal Geschichten gelesen hat, wie Kinder mit diesen gewaltigen Umbrüchen umgehen, wird erkennen, dass es bei der Bewältigung von Krisen auf andere Dinge ankommt als auf Checklisten, Sanierungsprogramme und Change Management.

Im Augenblick der Veränderung einen Gesprächspartner zu haben, der zuhört, versteht, erklärt, hilft: unbezahlbar. Sich ein Bild vom „Danach“ zu machen, auf das man sich freuen kann: unverzichtbar. Und wenn ich mir jedes Jahr die Kinder in unserem Waldpiratencamp ansehe, wie sie trotz ihrer Krankheit Spaß miteinander haben und sich am Leben erfreuen, dann weiß ich: Mut tut gut!“

Illustration: Daniel Althausen

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