Mit VerA und abH gegen den Frust

Nicht nur Ausbildungsbetriebe leiden unter den Defiziten von Azubis. Auch den Berufsanfängern selbst fehlen Erfolgserlebnisse und die Freude am Weitermachen. Der drohende Ausbildungsabbruch lässt sich jedoch abwenden.

Kostenlose Unterstützung für Arbeitgeber und Azubis

Groß- und Kleinschreibung, Getrennt- und Zusammenschreibung, „s-Laute“, Straßennamen, Worttrennung und Zeichensetzung. Zehn Unterrichtsstunden haben Azubis Zeit, bei einem Seminar im Bildungszentrum der IHK Bonn/Rhein-Sieg ihre Mängel bei Rechtschreibung und Grammatik auszumerzen. Motto: „Fit für den kaufmännischen Schriftverkehr.“ Die Argumentation: Schriftstücke und E-Mails mit orthografischen Fehlern sind immer schlechte Visitenkarten. Darum braucht jeder, der Texte zu verfassen hat, eine sichere orthografische Grundlage. Das Versprechen: Das Seminar vermittelt systematisch und übersichtlich die Prinzipien der deutschen Rechtschreibung. Berufsnahe Beispiele und gezielte Übungen befähigen die Auszubildenden dazu, am Arbeitsplatz auch schwierigere Rechtschreibfälle zu meistern.

Spezielle Trainingspakete

Ob nun die Azubis selbst oder ihre Arbeitgeber die Gelegenheit nutzen, nachzubessern, wo Lücken bestehen, sei dahingestellt. Am Bedarf dagegen scheint kein Zweifel zu bestehen. Denn in eine ganz ähnliche Richtung zielen die Angebote verschiedener Berufsbildungszentren (bbz), die den Unternehmen die Mühe bei den Grundlagen abnehmen wollen, damit diese sich auf ihre eigentlichen Ausbildungsinhalte konzentrieren können.

Mit einem „Trainingspaket Azubis“ sollen diese zum Beispiel im ersten Lehrjahr das „Lernen lernen“ und Wege finden, mit den täglichen Lernanforderungen angemessen umzugehen. Dazu kommen Unterrichtseinheiten zu relevanten Themen wie Mathematik, Technik, Berichtsheft-Führung und dergleichen.

Hilfestellung von der Agentur für Arbeit

Ein gut akzeptiertes und bewährtes „Heilmittel“ sind die sogenannten „ausbildungs-begleitenden Hilfen (abH)“ der Agentur für Arbeit. Sie helfen den Jugendlichen bei der Bewältigung des praktischen und theoretischen Lernstoffes, stabilisieren dadurch das Ausbildungsverhältnis und tragen zu guten Prüfungsergebnissen bei. Der Einstieg ist jederzeit nach Ausbildungsbeginn möglich, und es gibt individuell zugeschnittene Lernunterstützung sowie sozialpädagogische Betreuung. Erfahrene Ausbilder, Lehrkräfte und Sozialpädagogen begleiten das Programm. Die Kosten werden - nach erfolgreicher Überprüfung der Voraussetzungen durch die Berufsberatung - komplett von der Arbeitsagentur getragen.

Motivationsdefiziten vorbeugen

Die Probleme gleichen sich erfahrungsgemäß immer wieder, weiß man in der Arbeitsagentur: Berufsschulnoten stehen auf der Kippe, Lücken in Fachtheorie und Fachpraxis werden deutlich, Lernhemmungen zeigen sich, Prüfungsängste sind unübersehbar, Probleme mit der Deutschen Sprache liegen vor oder es gibt Schwierigkeiten im sozialen Umfeld. Auf diesem Nährboden gedeihen Motivationsdefizite, die Jugendliche über den Erfolg der angefangenen Ausbildung in Grübeln bringen. Im schlimmsten Fall führt dies zum Abbruch der Ausbildung – sowohl für Azubis wie für Arbeitgeber ein Verlust.

Mit Hilfe von „alten Hasen“ die Hürden überwinden

Die abH erweisen sich grundsätzlich als wirksam, um diesen Effekten vorzubeugen. Zumal es sich gerade für mittelständische Unternehmen mitunter als sehr schwierig erweist, während der praktischen Ausbildung noch theoretische Nachhilfe zu leisten. Ein spezieller Unterricht und gegebenenfalls begleitende sozialpädagogische Betreuung im Rahmen von abH schaffen Abhilfe. Sie fördern das Erlernen theoretischer Kenntnisse und praktischer Fertigkeiten. Der Zeitaufwand beträgt drei bis acht Stunden pro Woche. Der Unterricht findet außerhalb der Arbeits- oder Berufsschulzeit statt.

Wegbegleiter mit Ruhe(stand)

Einen anderen, ebenso attraktiven wie unkompliziert gangbaren Weg liefert VerA. Die Abkürzung steht für das Projekt „Verhinderung von Abbrüchen und Stärkung Jugendlicher in der Berufsausbildung durch SES-Ausbildungsbegleiter“. Es ist 2008 entstanden auf Initiative des Senior Experten Service (SES) – eine der größten deutschen Ehrenamtsorganisationen für Fach- und Führungskräfte im Ruhestand. Sie hat es zusammen mit den Spitzenverbänden der deutschen Industrie, des Handwerks und der freien Berufe aufgelegt. VerA wird im Rahmen der Initiative Bildungsketten vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

VerA ist ein deutschlandweites Angebot an alle, die in der Ausbildung auf Schwierigkeiten stoßen und mit dem Gedanken spielen, ihre Lehre abzubrechen. Sie bekommen einen Begleiter auf die Seite, der – selbst schon im Ruhestand – auf lange Erfahrung und die nötige Gelassenheit zurückgreift. Diese werden vom SES gezielt auf ihre Aufgabe vorbereitet, sind ehrenamtlich tätig, kennen die Sorgen junger Menschen und helfen so, wie der Jugendliche es braucht und wünscht. In der Selbstdarstellung heißt es: „Sie beantworten fachliche Fragen, begleiten Übungen für die Berufspraxis, unterstützen die Vorbereitung auf Prüfungen, kümmern sich um den Ausgleich sprachlicher Defizite, fördern die soziale Kompetenz und Lernmotivation und stärken das Vertrauensverhältnis zwischen Auszubildendem und Ausbilder.“

Im „Tandem“ zum Erfolg

Der SES nimmt Anfragen nach Ausbildungsbegleitern von jeder Seite entgegen – von den Auszubildenden oder deren Eltern, den Beratern bei den Kammern, den Ausbildungsbetrieben und den Berufsschulen. Die Auswahl des Begleiters trifft der SES. Eine VerA-Begleitung ist für den Auszubildenden und den Ausbildungsbetrieb kostenlos. Sie läuft zunächst über zwölf Monate, kann aber bis zum Abschluss der Lehre verlängert werden. Die Ziele der Ausbildungsbegleitung legen die Senior Experten und Jugendlichen im Einzelfall und gemeinsam fest. Die Experten helfen übrigens auch dann, wenn das Ausbildungsverhältnis vorzeitig beendet wird. Motto: „Im Tandem geht die Suche nach einem geeigneten neuen Ausbildungsplatz leichter von der Hand.“