Mitarbeiter-Qualifikation mit Herz und Hardware

1. Februar 2016

Die Digitalisierung verändert das Anforderungsprofil für Mitarbeiter. Soziale Kompetenz und Computer-Können gehen dabei idealerweise Hand in Hand.

Technisches Verständnis wird im digitalen Arbeitsumfeld erwartet

  • Unternehmen, die stark digitalisiert sind, verfügen in der Regel schon über eine höher entwickelte Arbeitsorganisation
  • Social Skills sind beim nachhaltigen Recruiting von Fachkräften genauso ein Querschnitts-Kriterium wie IT-Anwenderkenntnisse
  • Wissensmanagement wird für Teams mit heterogenen Merkmalen und Qualifikationen bedeutsamer.
  • Systematische Analyse von Kompetenzprofilen und beruflichen Ambitionen hilft den Führungskräften bei der Personalentwicklung

Unternehmen, die schon über eine IT-Abteilung verfügen, werden diese künftig kräftig verstärken müssen. Unternehmen ohne eigene IT-Spezialisten kommen nicht umhin, sich bald darüber Gedanken zu machen, wie sie das im Zuge der Digitalisierung ändern wollen. Mit Computer-Cracks allein ist die Aufgabe aber nicht zu lösen, auch der menschliche Faktor gewinnt an Bedeutung.

Antworten für den Fachkräftebedarf

Diese Rückschlüsse legt eine aktuelle Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) nahe. Das „Policy Paper“ trägt den Titel „Qualifikationsbedarf und Qualifizierung – Anforderungen im Zeichen der Digitalisierung“. Sie befasst sich vor allem mit der Gemengelage, aus der Antworten auf den Fachkräftebedarf kleiner und mittlerer Unternehmen kommen sollen.

Die Umfrage, die dem Papier zugrunde liegt, zeigt: Zwei Drittel der stark digitalisierten Unternehmen in Deutschland erwarten von einem Großteil der Belegschaft künftig IT-Fachwissen. Das alleine reicht ihnen aber nicht: Auch soziale Kompetenzen werden immer wichtiger, wie die repräsentative Umfrage des IW unter insgesamt knapp 1.400 Personalleitern und Geschäftsführern zeigt.

Computerkenntnisse für alle

Während sich früher nur einzelne Mitarbeiter mit Computer und Internet auskennen mussten, erwarten Unternehmen das zunehmend von einem Großteil ihrer Mitarbeiter. „Klar ist: Wer sich in einem digitalen Arbeitsumfeld bewegt, muss mit der entsprechenden Technik umgehen können“, sagt IW-Arbeitsmarktexperte Oliver Stettes.

„Das reicht aber noch nicht, denn das Internet macht die Arbeit zeitlich flexibler, dezentraler und selbständiger.“ Dies ermöglicht neue Formen der Zusammenarbeit. Kompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit und Selbstorganisation werden daher noch wichtiger als sie heute bereits sind – davon sind acht von zehn der stark digitalisierten Betriebe überzeugt.

Hohe Erwartungen an soziale Kompetenzen

Vorkenntnis durch Schule und Uni erwartet

Bei der Frage, wie und wo digitale Fähigkeiten vermittelt werden sollen, fällt das Votum der Firmen eindeutig aus: Mehr als acht von zehn der bereits stark digitalisierten Betriebe wünschen sich, dass bereits in Schulen und Unis mehr Computerkenntnisse vermittelt und Medienkompetenzen gestärkt werden. Das seien die Voraussetzung für den verantwortungsbewussten beruflichen Umgang mit dem Internet, der für viele Beschäftigte immer wichtiger wird.

Hoher Erwartung an soziale Kompetenzen

Was die Autoren aus den Umfrage-Ergebnissen analysieren, deutet auf eine verstärkte Bewusstseinsbildung zum ausbalancierten Wechselspiel von Mensch und Maschine hin. „Im digitalen Wandel steigen zugleich auch die Anforderungen an die sozialen Kompetenzen der Mitarbeiter noch einmal an“, schreiben sie. „Flexible Arbeitsorganisationen, die Arbeit in virtuellen Teams und dezentrale Entscheidungsstrukturen bedürfen Mitarbeiter mit hoher Kooperationsbereitschaft, ausgeprägter Kommunikationsstärke sowie der Fähigkeit und der Bereitschaft sich und die eigene Arbeit eigenständig und eigenverantwortlich zu organisieren.“

Digitalisierte Firmen besser vorbereitet

Zufrieden zeigen sich die IW-Forscher damit, wie Unternehmen heute schon auf diese Herausforderungen vorbereitet sind, allen voran jene, die bereits stark digitalisiert sind. Sie seien in der Personalentwicklung und Weiterbildung nicht nur engagierter, sondern auch vorausschauender. Die systematische Analyse von Kompetenzprofilen und beruflichen Ambitionen helfe dabei den Führungskräften, die Mitarbeiter für Veränderungen zu gewinnen und zu befähigen.

Strategie für Wissensmanagement

„Eine lernförderliche Arbeitsumgebung, altersgemischte Teams und Wissenstransfersysteme leisten die Gewähr, dass die Beschäftigten in einem digitalisierten Umfeld das erforderliche berufliche und betriebliche Erfahrungswissen aufbauen, erhalten, weiterentwickeln und auch an andere weitergeben können“, heißt es in dem IW-Papier. „Jedes zweite stark digitalisierte Unternehmen ist in dieser Hinsicht gut gerüstet. Unter den Betrieben, die sich bislang eher zurückhaltend mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzen, trifft dies nur auf jeden Vierten zu.“

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