Mitarbeiterzeitung: Gedruckt zählt noch immer

Bei der Kommunikation eines Unternehmens mit seinen Mitarbeitern stehen alle Signale auf Digitalisierung. Alle? Es gibt weiterhin gute Argumente für gedruckte Medien.

Ob es nun „Intranet“ heißt und das klassische „Schwarze Brett“ auf dem Arbeitsplatzrechner abbildet oder „Social Intra Media“ und die Strukturen und Dialogformen von Facebook & Co. aufgreift: Für die interne Firmenkommunikation scheint kein Weg mehr an der Digitalisierung vorbei zu führen. Lesen Sie auch den Artikel: Social Media statt schwarzes Brett. Doch der erste Eindruck, den überzeugend realisierte Angebote erzeugen, täuscht. Es gibt nach wie vor gute Argumente für die klassische Mitarbeiterzeitung.

  1. Nicht jeder Mitarbeiter verfügt über einen Arbeitsplatz-Monitor oder über ein Empfangsgerät für digitale Nachrichten. Eine Zeitung kann ohne jedes technische Hilfsmittel gelesen werden.
  2. Nach wie vor ist für die große Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung das Lesen von Zeitungen eine gelernte Form von Informationsaufnahme. Im Gegensatz zu Online-Medien hat man dort das gesamte Informationsangebot im Griff und im Überblick.
  3. Jeder weiß es, viele haben es schon erlebt: Informationen auf dem Bildschirm sind flüchtig. Sie können verschwinden oder nachträglich verändert werden. Auf Informationen, die „schwarz auf weiß“ verteilt werden, kann man sich berufen.
  4. Eine bunte, redaktionelle Mischung von Themen im optischen Kontext erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass auch Informationen außerhalb des eigenen Zuständigkeitsbereichs wahrgenommen werden.
  5. Die Lektüre von Mitarbeiterzeitung erfolgt frei und unbeobachtet. Es gibt keine „Cookies“, keine „Lesebestätigung“ und kein „Tracing“. Die Mitarbeiter können die Informationen in der Frequenz und Intensität aufnehmen, die ihnen behagt, ohne dass sie sich sorgen müssen, ihr Leseverhalten könnte dokumentiert werden.
  6. Die Distribution einer Zeitung erfolgt ohne Zugangskennung und Passwort. Das bedeutet, dass auch Bewerbern, Interessenten, externen Kräften, Geschäftspartnern, Mitarbeitern in Elternzeit oder im Krankenstand, Ehemaligen und Rentnern auf diesem Weg unkompliziert Informationen zum Unternehmen verfügbar gemacht werden, ohne dass die IT-Abteilung eigene Sicherheitsvorkehrungen treffen muss.
  7. Anders als der technische Zugang zu einem Intranet oder einem ähnlichen System bringt die „greifbare“ Zeitung bei ihren Empfängern das Zugehörigkeitsgefühl zum Tragen und wirkt identitätsstiftend.
  8. Gerade bei Medien, in denen nicht nur die Geschäftsleitung schreibt (und die eher verkleideten Dienstanweisungen gleichen), sondern an denen auch die Mitarbeiter beteiligt sind, ist die gedruckte Veröffentlichung von Berichten und Fotos auch ein Zeichen der Wertschätzung.

Diversifikation ist Trumpf

Bei allen genannten Vorzügen wäre es allerdings trotzdem töricht, auf Online-Medien zu verzichten oder sie auszublenden. Insbesondere bei der Schnelligkeit oder beim Umfang von Informationen bieten sie Optionen, die weit über das hinausgehen, was gedruckte Medien leisten. Zudem kommen die Verantwortlichen, genau wie in den traditionellen Verlagshäusern auch, nicht umhin, sich über die Medienkompetenz und das Medienverhalten unterschiedlicher Zielgruppen Gedanken zu machen.

Wobei darauf zu achten ist, dass es innerhalb der Belegschaft keine Zwei-Klassen-Informationsgesellschaft geben darf. So sollte der Zugang zu ausschließlich online veröffentlichen Informationen z.B. über öffentliche Terminals ermöglicht werden. Und selbstverständlich lohnt es sich immer, die PDFs der gedruckten Hefte online zum Download oder zum Durchblättern zur Verfügung zu stellen. Das entsprechende Knowhow sollte in allen Unternehmen, die im E-Marketing oder E-Business unterwegs sind, inzwischen vorhanden sein.