Mitbestimmung wird bei Randstad stark gelebt

5. Februar 2018

Im Gespräch: Stephan Bretten, Betriebsratsmitglied bei Randstad, und Carlotta Köster-Brons, Leiterin des Randstad Hauptstadtbüros und National CSR-Coordinator

Stephan Bretten, Betriebsratsmitglied bei Randstad

Stephan Bretten ist Betriebsratsmitglied bei Randstad. Im Gespräch mit Carlotta Köster-Brons, der Leiterin des Hauptstadtbüros, beschreibt Stephan Bretten seine Motivation als Betriebsrat aktiv zu sein und gibt Einblick in seine Arbeit. Carlotta Köster-Brons und Stephan Bretten haben im Jahr 2016 zusammen mit acht weiteren Kollegen von Randstad eine Ausbildung zum Integrationsmentor gemacht.

Carlotta Köster-Brons: Seit wie vielen Jahren bist Du bei Randstad beschäftigt?

Stephan Bretten: Ich habe 2005 bei der Firma Randstad als Mitarbeiter im Kundeneinsatz in Moers angefangen.

Carlotta Köster-Brons: Wie bist Du zu Randstad gekommen?

Stephan Bretten: Über eine Anzeige. Nach einem langen Aufenthalt im Ausland habe ich knapp 15 Jahre unter Tage gearbeitet, aber dann wurde es im deutschen Steinkohlebergbau schwieriger. Der Deutsche Steinkohlenbergbau hätte mich damals an einen anderen Standort versetzt, das wollte ich nicht. Meine Frau ist selbständige Ergotherapeutin, anfangs habe ich in der Praxis mitgearbeitet. Aber zusammen zu arbeiten in einer Ehe ist nicht immer so gut. Eines morgens habe ich eine Anzeige von Randstad gesehen, bin hin und hatte mittags meinen Arbeitsvertrag.

Carlotta Köster-Brons: Was war dein erster Einsatz?

Stephan Bretten: Mein erster Einsatz war ein langfristiger Einsatz in Holland, da habe ich für eine große Logistikfirma  kommissioniert. Ein hervorragender Einsatz, der aber nach 9 Monaten zu Ende gegangen ist, weil sich das Unternehmen einen Dienstleister mit niedrigeren niederländischen Löhnen gesucht hat.  Danach bin ich in bestimmt 30 verschiedenen Einsätzen tätig gewesen. Von Tageseinsätzen bis zu längerfristigen Einsätzen.

Carlotta Köster-Brons: Sind neue Einsätze eine Herausforderung?

Stephan Bretten: Ja. Ich bin oft sonntags losgefahren, um mal zu schauen: wo kannst du parken, wie lange brauchst du. Wechselnde Einsätze sind immer mit dem Gefühl verbunden: wo kommst du hin, wie wirst du behandelt und schaffst du, was man von dir erwartet. Nach einer Zeit bekommt man auch ein Gespür. Ich kann zum Beispiel von einem Einsatz erzählen, wo ich schon morgens wusste: Mensch, wo bist du hier gelandet. Ich wurde tatsächlich nicht mit Namen angesprochen sondern: „Hey Du“. Ich glaube, diese Erfahrung macht jeder Zeitarbeitnehmer mal, der in wechselnden Einsätzen ist. Diese reichen von hervorragender Behandlung, immer dann wenn die Kollegen sich freuen, dass man da ist und ihnen hilft, bis zu dem, dass man als Lückenbüßer und billige Hilfskraft gesehen wird.

Carlotta Köster-Brons: Wie war Dein Weg in den Betriebsrat?

Stephan Bretten: Ich war ein halbes Jahr bei Randstad, als Betriebsratswahlen anstanden. Ein Kollege hat eine Liste eröffnet, dort stand ich  auf der Position 3.  Von der Liste sind die ersten zwei Kollegen in den Betriebsrat gewählt worden und im ersten Schritt konnte ich nicht in den Betriebsrat einziehen. Einer der  Kollegen vor mir ist aber nach einem halben Jahr zurück getreten und ich bin nachgerückt. Nach vier Jahren haben wir uns neu sortiert, und unsere jetzige Vorsitzende hat mich angesprochen, ob ich auf ihrer Liste mit kandidieren möchte. Jetzt bin ich in meiner 3. Legislaturperiode und freigestelltes Betriebsratsmitglied.

Carlotta Köster-Brons: Was ist Deine Aufgabe im BR?

Stephan Bretten: Ich bin stellvertretender Vorsitzender unseres Presse- und Öffentlichkeitsausschusses und im Personalausschuss für die Eingruppierungen und Einstellungen mit meiner Kollegin zuständig. Außerdem bin ich Mitglied im Sozialausschuss. Wir bemühen uns darum Kollegen, die langfristig krank sind oder sonstige Schwierigkeiten haben, vernünftig zu betreuen und auch an die entsprechenden Institutionen zu vermitteln.

Carlotta Köster-Brons: Was ist deine Motivation? Warum engagierst Du Dich?

Stephan Bretten: Ich komme aus einer Familie, in der die Mitbestimmung und gewerkschaftliche Tätigkeiten immer schon großgeschrieben wurden. Mein Großvater war Mitglied in der USPD und mein Vater war auch immer Gewerkschaftsmitglied. Ich hätte niemals gedacht, dass die Mitbestimmung bei einer Firma wie Randstad so stark gelebt wird. Meine Aufgaben sind es, die kleinen und großen Sorgen der Kollegen zu erkennen und zu  helfen. Wir hatten jetzt den Fall, dass ein Kollege einen persönlichen Ausrutscher hatte, der folgerichtig zu einer Kündigung hätte führen müssen. Ich habe mich für den Kollegen stark gemacht, nachdem ich mit ihm gesprochen habe und er mir seine persönliche Situation erklärt hat und dass das ein riesen Ausrutscher war. Der Kollege war 7 Jahre bei uns und plötzlich stand durch sein Verhalten eine Kündigung im Raum. Ich habe dann in intensiven Gesprächen mit seiner zuständigen Disponentin erreichen können, dass auf eine Kündigung verzichtet wurde. Wenn der mich dann nur anruft und sagt: „Mensch, vielen Dank, dass du dich so engagiert hast“. Das sind die Sachen, die mich glücklich machen.

Carlotta Köster-Brons: Themenwechsel. Seit dem 1. April 2017 gilt das neue Arbeitnehmerüberlassungsgesetz. Was ist Deine persönliche Meinung dazu?

Stephan Bretten: Meine persönliche Meinung ist, dass ich Equal Pay für unsere Kollegen begrüße. Was ich für ganz furchtbar halte ist die Höchstüberlassungsdauer. Ich möchte das an einem Beispiel klar machen: Wir haben ein Projekt im Ruhrgebiet, da arbeiten zu 90% Frauen und die Frauen haben zu einem großen Teil Teilzeitverträge. Der Kunde wird Equal Pay mitgehen. Aber nach 18 Monaten müssen die Kolleginnen da ja raus. Die Firma Randstad ist durchaus in der Lage bei uns andere Einsätze anbieten zu können, aber die Kolleginnen werden diese nicht so einfach wahrnehmen können, da sie ihre Kinder im Kindergarten und in der Schule haben und einen Teilzeitjob brauchen. Ich denke, dass Equal Pay, wo Fachkräfte und grundsätzlich gute Leute gesucht werden, nicht die Schwierigkeit sein dürfte, aber die Höchstüberlassungsdauer ist für die Kollegen schlimm.

Carlotta Köster-Brons: Was wünschst Du Dir von der neuen Bundesregierung für die Zeitarbeit?

Stephan Bretten: Ich wünsche mir, dass man eine Möglichkeit findet, die Höchstüberlassungsdauer nochmals zu überdenken. Vielleicht gibt es Spielräume zwischen Equal Pay und der Höchstüberlassungsdauer.

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