Orientierung für die Weggabelungen des Lebens

15. August 2014

Umbruchsituationen im Leben – die Wahrscheinlichkeit, damit konfrontiert zu werden, ist heute deutlich höher als noch vor zwei, drei Generationen. Mit „Kompass“ hat die Randstad Stiftung ein berufliches Orientierungsprogramm gefördert, das Menschen darauf vorbereitet.

Geistes- und sozialwissenschaftliche Studiengänge münden nur selten in klar vorgezeichnete Berufswege. „Das gilt insbesondere in Zeiten der Generation Y, deren Lebensläufe in hohem Maße von Unsicherheit und Orientierungslosigkeit geprägt sind“, machte Prof. Dr. Michael Bongardt, Vizepräsident der Freien Universität (FU) Berlin, deutlich. Seine Hochschule war im Mai dieses Jahres Schauplatz einer Tagung im Rahmen des von der randstad stiftung geförderten Programms „KOMPASS zur beruflichen Kursbestimmung und Selbststeuerung“. Das Thema: Wie lassen sich durch Beratungsangebote und Lehrprogramme die Beschäftigungsfähigkeit von Geistes- und Sozialwissenschaftlern steigern?

Vorbereitung auf Übergang ins Erwerbsleben

Wobei, so Heinz-Otto Mezger, Geschäftsführender Vorstand der randstad stiftung, diese Zielgruppe nicht die einzige ist, der sich das Problem stellt. „Beim Übergang ins Erwerbsleben sind von Absolventen unterschiedlichster Disziplinen in besonderem Maße Eigeninitiative, Zielklarheit und Selbststeuerung gefordert.“ Nicht jeder ist darauf vorbereitet, nicht jeder verfügt über einen auf die eigene Persönlichkeit abgestimmten Algorithmus, nach dem er diesen Übergang abarbeiten kann.

Eine wertvolle Hilfe stellen da universitäre Orientierungsprogramme dar, die den Übergang ins Berufsleben erleichtern sollen. Sie steigern die persönliche Zielklarheit und nehmen Furcht vor dem Berufseinstieg. Das war der einstimmige Tenor der auf der Fachtagung präsentierten Programme. Gestützt wird diese Einschätzung von wissenschaftlichen Programmevaluierungen. „Aktuelle Forschungsprojekte zeigen, dass aktives Karrieremanagement im Studium positiv mit der Zufriedenheit im Beruf zusammenhängt“, unterstrich Prof. Dr. Andreas Hirschi, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Bern, in seinem Impulsvortrag.

Entdeckungsreise zur eigenen Identität

Der „Kompass zur beruflichen Kursbestimmung und Selbststeuerung“, der seit 2009 an der FU Berlin gefördert wird, hat zum Ziel, dass sich Studierende nicht nur als Angehörige eines bestimmten Studienfaches oder als „Berufspersonen“ wahrnehmen, sondern über die Zusammenhänge zwischen all ihren Lebensbereichen nachdenken. Das auf zwei Semester angelegte Programm berücksichtigt psychologische Forschungsansätze genauso wie sozialwissenschaftliche Faktoren von Identität, wie zum Beispiel geschlechtsspezifische Rollenzuschreibungen. Mit Kompass machen sich die Studierenden auf eine Entdeckungsreise nach neuen Berufsbildern und Perspektiven.

In Seminaren, Workshops, Coachings und Praxistagen lernen die so Geförderten ihre eigenen Stärken und Chancen ebenso kennen wie die strukturellen Veränderungen der Arbeitswelt. Das Programm zielt darauf ab, Werkzeuge anzubieten, mit deren Hilfe sich die Studierenden ihrer persönlichen und beruflichen Ziele bewusst werden. In systematisch aufeinander aufbauenden Programmbausteinen vermittelt Kompass praktische Strategien, mit denen berufliche Tätigkeitsfelder passend zu den eigenen Zielvorstellungen erschlossen werden können. „Nur durch die Berücksichtigung von inneren und äußeren Faktoren können Studierende selbstbewusst und selbstwirksam ihren Berufsweg gestalten“, erklärt dazu Prof. Dr. Ernst Hoff, der den „Kompass“ an der FU Berlin entwickelt und die Fachtagung in Berlin organisiert hat.

Lern- und Arbeitswelt aufeinander abstimmen

Projekte wie „Kompass“ sind wertvoll für jene, die damit Hilfe für ihre Persönlichkeitsentwicklung und ihre Karriereplanung erhalten. Solche Programme sind jedoch personalintensiv und zeitaufwendig und mit entsprechend hohen Kosten verbunden. Ohne finanzielle Unterstützung von außen wären sie daher im nötigen Umfang nicht durchzuführen. Die Stiftung hat sich beteiligt, weil über die personale Kompetenz Selbstreflexion bei den Studierenden am Beispiel der Berufswahl die generelle Befähigung zur eigenständigen Problemlösung gesteigert wird. „Für die Stiftung“, so Vorstand Mezger, „bildet Kompass damit einen weiteren Baustein im Projektportfolio,  um Lern- und Arbeitswelt besser aufeinander abzustimmen und junge Menschen auf den Übergang ins Berufsleben vorzubereiten.“

Zur Person:

Heinz-Otto Mezger ist seit Mitte 2010 Geschäftsführender Vorstand der randstad stiftung. Die wesentlichen Teile seiner bisherigen Berufslaufbahn hat er bei Randstad Deutschland absolviert, zuletzt als „Integrity Officer“ für das Unternehmen.

INFO

Die wichtigsten Ergebnisse der Tagung sind in einer Dokumentation zusammengefasst, die per kostenlosen Download auf http://www.randstad-stiftung.de/publikationen/berufliche-zielklaerung-un..., www.randstad-stiftung.de/publikationen erhältlich ist.

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