Portal statt Hürden

13. Januar 2015

Die Online-Plattform „barrierefrei-studieren.de“ bringt behinderte und schwerkranke Studierende und Förderprogramme einfach, schnell und kostenlos zusammen. Ein Portal, gefördert von der randstad stiftung.

Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen – Mira Maier hat sie als Doktorandin selbst durchlebt. Für ihre eigene Doktorarbeit suchte sie nach geeigneten Stipendien. Eine Aufgabe, die sich über Wochen und Monate hinzog. Die eigene Erfahrung lieferte ihr die Idee, diese Suche durch ein Matching-Verfahren zu vereinfachen und damit die Suchzeit für Schüler und Studenten stark abzukürzen. Sie holte sich nicht nur ihren „Dr.“ sondern wurde auch, gemeinsam mit einem weiteren Doktoranden, Alexander Gassner, zur Gründerin.

Es entstand die ItS Initiative für transparente Studienförderung. Die Initiative möchte mit ihrer Arbeit einen chancengerechten Zugang zu Bildung schaffen. Dazu hat sie die beiden Stipendienportale www.myStipendium.de und www.european-funding-guide.eu geschaffen. Obendrein gründet sie zusammen mit Partnern Stipendienprogramme für diejenigen, die Unterstützung am dringendsten benötigen und für diejenigen, für die es bisher nur wenig Unterstützung gibt.

Als drittes Portal ist nun die neue Plattform www.barrierefrei-studieren.de entstanden. Es richtet sich an Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung. Hintergrund: Studien zeigen, dass jeder vierte Student mit Behinderung die erheblichen beeinträchtigungsbedingten Zusatzkosten nicht oder nur unzureichend decken kann. Zwar gibt es in Deutschland mehr als 1.600 Förderprogramme für sie, aber auch hier gilt bisher: Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen zieht sich hin.

Denn bisher war es unmöglich, alle für sich infrage kommenden Fördermöglichkeiten schnell zu überblicken: Das Spektrum reicht von finanziellen Förderungen (z. B. Stipendien für Behinderte, Fahrtkostenzuschüsse, Gehörlosen- und Blindengeld) über technische Hilfsmittel (z. B. Brailledrucker, Fernlesegeräte) bis zu bedarfsgerechten Arbeitsmitteln, Assistenzleistungen und Förderungen aus dem Bereich Wohnen und Freizeit. Die Förderungen werden dabei nach den unterschiedlichsten Auswahlkriterien vergeben, darunter der Grad der Behinderung, die Art der Behinderung, die Hochschule und die finanzielle Bedürftigkeit.

Die Internetplattform barrierefrei-studieren.de „arbeitet eng mit Rektoren, Dekanen, Studienberatungen, Stipendienbeauftragten, Akademischen Auslandsämtern und Studierendenvertretungen zusammen“, berichtet Mira Maier. „Unsere Intention ist es, dass sich mehr Studierende mit Behinderung über verschiedene Förderangebote informieren und sich aktiv bei Stiftungen, Hochschulen, staatlichen Stellen und Förderern bewerben.“

Das Portal zeigt jedem (angehenden) Studierenden mit Behinderung oder chronischer Erkrankung, welche Förderungen im eigenen Fall beantragt werden können. „Dahinter steckt ein Matching-Algorithmus, der vollautomatisch und in Echtzeit jedem zeigt, was zu ihm passt“, erklärt Mira Maier die Funktionsweise ihrer Plattform. Das Matching-Verfahren beruht auf 13 Filterkriterien, wie dem Grad und der Art der Behinderung, der Hochschule, dem Alter und dem Studienabschnitt.

Mira Maier will mit barrierefrei-studieren.de dazu beitragen, dass mehr Abiturienten mit Behinderung ein Studium aufnehmen. Denn bisher sind Studierende mit Behinderung an den Hochschulen stark unterrepräsentiert. „Studenten mit Behinderung haben einen erschwerten Studienalltag und erhebliche Zusatzkosten“, erklärt sie die Ursache hierfür.

Finanziert wird barrierefrei-studieren.de mit Hilfe von Fördergeldern verschiedener Organisationen und Spendengeber wie der randstad stiftung, der Werhahn Stiftung, der Commerzbank Stiftung, der Kämpgen Stiftung, der Ernst Probst Stiftung, der Lux Stiftung, Total, GlaxoSmithKline, Fraport und NordLB. Geschäftsführer Heinz-Otto Mezger von der randstad stiftung verweist auf das bisherige Engagement bei Projekten wie „Hörsensible Universität Oldenburg“ oder „Barrierefrei in Bildung & Beruf“. Er sagt: „Dieses Projekt passt perfekt zu unserer Arbeit. Inklusion ist ein Thema, mit dem wir uns schon lange und ausführlich befassen.“ Das Portal www.barrierefrei-studieren.de sei ein beispielhaftes Angebot in diese Richtung, „das schon als Idee besticht und in der Praxis absolut vorbildlich ist. Es räumt Barrieren aus dem Weg, öffnet den Zugang zu dringend erforderlicher Förderung und ebnet Menschen mit Behinderung den Einstieg ins Berufsleben.“

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