Praktische Hilfe bei Azubi-Schwächen

15. Juni 2015

Wenn es bei Auszubildenden an grundsätzlichem Wissen und Können mangelt, gibt es diverse Ansätze, um Abhilfe zu schaffen. Von nicht behobenen Defiziten sind stets mehrere Aspekte des Beschäftigungsverhältnisses betroffen.

Agentur für Arbeit bietet „ausbildungsbegleitende Hilfen“

Die sogenannten abH bieten sich stets dann an, wenn Probleme in der Ausbildung eine Lösung verlangen. Die Probleme gleichen sich erfahrungsgemäß immer wieder, weiß man in der Arbeitsagentur: Die Berufsschulnoten stehen beispielsweise auf der Kippe, Lücken in Fachtheorie und Fachpraxis werden deutlich, Lernhemmungen zeigen sich, Prüfungsängste sind unübersehbar, Probleme mit der Deutschen Sprache liegen vor oder es gibt Schwierigkeiten im sozialen Umfeld. Die dadurch verursachten Motivationsdefizite lassen Jugendliche schon einmal über den Erfolg der angefangenen Ausbildung nachgrübeln. Die abH sind als Gegenmittel zu solchen Entwicklungen bewährt. Der Einstieg ist jederzeit nach Ausbildungsbeginn möglich. Sie bestehen aus individuell zugeschnittener Lernunterstützung sowie sozialpädagogischer Betreuung. Erfahrene Ausbilder, Lehrkräfte und Sozialpädagogen begleiten das Programm. Kontakt für Arbeitgeber: 0800 4 5555 20 (kostenfrei)

„Einstiegsbegleiter“ für Azubis kann man lernen

Die Servicestelle Bildungsketten bietet ab Juni 2015 Basisseminare für Berufseinstiegsbegleiterinnen und -begleiter (Bereb) an, die in Kooperation mit den Jobstarter-Regionalbüros in vier Regionen umgesetzt werden. Ziel der Seminarreihe ist es, Bereb für ihren Auftrag, die Ziele der Berufseinstiegsbegleitung und ihre komplexe Rolle zu sensibilisieren. Die Basisseminare sind ein Angebot der Servicestelle Bildungsketten im neuen ESF-Bundesprogramm „Kofinanzierte Berufseinstiegsbegleitung“. Die zweitägigen Seminare enthalten drei Themenblöcke, die zugleich Spielraum für regionalspezifische Aspekte und unterschiedliche fachliche Akzente bieten. Die Teilnehmenden erfahren, auf welchen programmatischen Grundlagen die Berufseinstiegsbegleitung fußt (Modul 1), wie die Begleitung im Arbeitsumfeld Schule gelingt (Modul 2) und welche Faktoren für die Integration in Ausbildung in der nachschulischen Phase eine besondere Rolle spielen (Modul 3).


 Nachteilsausgleich“ hilft in der Prüfung

Damit behinderte Menschen berufliche Zwischen- und Abschlussprüfungen erfolgreich absolvierenkönnen, haben sie einen Anspruch auf die Berücksichtigung ihrer Behinderung, der im Grundgesetz verankert ist. Alle beruflichen Abschlussprüfungen müssen daher den spezifischen Behinderungen der Prüfungsteilnehmer angepasst werden. Anerkannt werden zum Beispiel Sehschwächen oder Legasthenie, während die mangelhafte Beherrschung der deutschen Sprache nicht als Unterstützungsgrund gilt. Zu den Anpassungsmaßnahmen gehören mehr Zeit für die Prüfungsaufgaben, Prüfung am Arbeitsplatz, Unterstützung durch eine Begleitperson während der Prüfung oder technische Hilfen. In der Publikation „Nachteilsausgleich für behinderte Auszubildende: Handbuch für die Ausbildungs- und Prüfungspraxis“ (ISBN 978-3-7639-5407-0) stellt das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) jetzt Praxisbeispiele zu den Prüfungsmodifikationen für Auszubildende mit Körperbehinderung, Lernbehinderung, Mehrfachbehinderung, psychischer Behinderung und Sinnesbehinderung (Hör-/Sprach- oder Sehbehinderung) vor.


Bildung auch für Sicherheitsfragen relevant

Ob im Krankenhaus, in der Werkstatt oder im Büro: Eine Ausbildung stellt junge Menschen vor große Herausforderungen – und ihre Arbeitgeber auch. Denn sie tragen Verantwortung für die Gesundheit am Arbeitsplatz - ganz besonders für unter 18-Jährige, weil diese physisch und psychisch noch in der Entwicklung sind. Eine wichtige Säule im Arbeitsschutz ist dabei die Gefährdungsbeurteilung durch den Arbeitgeber. Vor allem bei Jugendlichen empfiehlt sich ein individuelles, personenbezogenes Vorgehen. „Während beispielsweise der eine Azubi schon ausgewachsen ist und schwere Gegenstände heben kann, ohne seine Gesundheit zu gefährden, ist der gleichaltrige Kollege vielleicht noch nicht so kräftig“, sagt Werner Lüth, Experte für Arbeitssicherheit bei TÜV Rheinland. Eine Sicherheitsunterweisung muss vor Beginn der Beschäftigung und anschließend bei unter 18-Jährigen mindestens halbjährlich erfolgen. Auch hier bietet sich ein jugendgerechtes Vorgehen an. „Jugendliche denken und handeln anders als ihre älteren Kollegen“, erklärt Werner Lüth. Ein gemeinsames und aktives Erarbeiten und Einüben der Schutzmaßnahmen funktioniert oft besser als ein bloßer Vortrag des Chefs. Dann wird eher deutlich, warum vermeintlich 'uncoole' Schutzausrüstung wie Schutzbrille und -helm notwendig ist.

Richtige Berufswahl scheitert oft an mangelnder Vorbildung

„Unser aktuelles System der Berufsinformation und -beratung garantiert nicht, dass junge Menschen die Ausbildung wählen, die tatsächlich die beste für sie ist", sagte McKinsey-Beraterin Solveigh Hieronimus bei Vorlage der Umfrageergebnisse im Rahmen der Studie „Education to Employment 2014“ für Deutschland. Zwei Drittel (64%) aller jungen Menschen gaben an, sich falsch oder nur unzureichend informiert zu fühlen, was ihre spätere Berufswahl betrifft. Auch die Einschätzungen von Arbeitgebern und Bildungseinrichtungen darüber, wie gut vorbereitet die jungen Menschen ins Berufsleben starten, klaffen in Deutschland der Studie zufolge weit auseinander. Während sich 43% der befragten Arbeitgeber dazu skeptisch äußern, sind die Bildungseinrichtungen mit 83% positiver Bewertung deutlich optimistischer. "Eine Diskrepanz in der Wahrnehmung haben wir in allen untersuchten Ländern festgestellt, aber in Deutschland ist sie besonders groß", betont McKinsey-Berater Kai Holleben, der gemeinsam mit Hieronimus die Untersuchung für den deutschen Arbeitsmarkt geleitet hat. Sein Fazit: „Der Austausch zwischen Arbeitgebern und Bildungseinrichtungen über die Anforderungen an Berufsanfänger funktioniert nicht optimal.“

Zeugnisnoten sind nicht alles – Vorab-Tests empfohlen

Für Unternehmen wird es zunehmend schwieriger, Ausbildungsplätze erfolgreich zu besetzen. Nur wenige Arbeitgeber sind voll und ganz zufrieden mit der Qualität der Bewerbungen um betriebliche Ausbildungsplätze. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie von cut-e, des internationalen Marktführers für webbasierte Tests für die Personalauswahl und -entwicklung. Personaler sind vor allem mit der Qualität der Bewerbungen unzufrieden. Aufschlussreich: Über 25 Prozent der befragten Personalabteilungen setzen ausschließlich Offline-Verfahren ein zur (Vor-)Auswahl von Auszubildenden. Zwölf Prozent der Befragten gaben an, dass sie überwiegend Offline-Verfahren anwenden. Acht Prozent setzen keine Instrumente zur Vor-Auswahl ein. Diese Firmen gehen nach Auffassung der Experten von cut-e ein größeres Risiko ein, teure Fehlentscheidungen zu treffen, weil ihnen Informationen als Entscheidungsgrundlage fehlen. Hier gebe es Optimierungspotenzial, sagt Andreas Lohff, Geschäftsführer der cut-e Gruppe. „Es ist erstaunlich, dass nicht mehr Unternehmen Tests zur Vorauswahl einsetzen, hier scheinen Zeugnisnoten immer noch ausschlaggebend zu sein.“ Besonders in Zeiten mit wenigen guten Bewerbungen sei es umso wichtiger, die Auswahlentscheidung abzusichern. Die Studie kann kostenlos bestellt werden unter www.cut-e.de/azubi-auswahl.

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