Sind Arbeitsverträge verständlich?

Arbeitgeber suchen auf vielen Ebenen nach einer neuen An-Sprache für Mitarbeiter. Am juristischen Jargon des grundlegenden Dokuments aber scheitert noch häufig das gegenseitige Verstehen.

  • Mit klarer und offener Sprache beugt man Missverständnissen und Fehlinterpretationen vor.
  • Verständliche Formulierungen und Erläuterungen zum Vertrag stärken das Vertrauen.
  • Besonders bei den Pflichten schaden Deutungs-Spielräume beiden Seiten.

Jugendgerechte Begriffe im Recruiting, einfache Sprache in der internen Kommunikation, offener Dialog im Mitarbeitergespräch: Immer mehr Ansatzpunkte sollen für bessere Verständlichkeit und sprachliche Akzeptanz im Rahmen des Employer Branding sorgen. Dann aber kommen rechtliche Aspekte ins Spiel und es ist Schluss mit der Verständlichkeit. Insbesondere das Schlüsseldokument für die Verbindung von Arbeitnehmer und Arbeitgeber, der Arbeitsvertrag, driftet häufig in komplexen Fachjargon ab. Damit ist der Grundstein für Misstrauen und Zweifel gelegt.

Mögliche Fragen der Arbeitnehmer erkennen und aufgreifen

Dabei gibt es für Personalverantwortliche durchaus schon Möglichkeiten, sich auch auf diesem Feld schlau zu machen und Impulse für einschlägige Dokumente zu sammeln. So hat der Berufsverband der Rechtsjournalisten e.V. in Berlin eine Website erstellt, die genau dieses Thema adressiert: arbeitsvertrag.org „Wir richten uns damit zwar in erster Linie an Arbeitnehmer,“ sagt Mathis Ruff, Vorsitzender des Verbands. „Aber natürlich ist es für Arbeitgeber sinnvoll, sich mit den Fragen zu beschäftigen, die sich aus unverständlichem Vertragsdeutsch ergeben – und ihre Texte dann anzupassen oder zu verändern.“

Unverständnis führt zu unkalkulierbaren Reaktionen

Ein Kernproblem beim Verständnis des Arbeitsvertrags stellen nach Ruffs Erfahrung häufig die darin geregelten Pflichten dar, vor allem jene, bei denen dem Unternehmen Schaden entsteht, wenn Mitarbeiter sie nicht befolgen. „Verschwiegenheitspflicht, Geheimhaltungspflicht, Wettbewerbsverbot – da steht für den Arbeitgeber außer Frage, was damit gemeint ist oder gemeint sein soll. Für Arbeitnehmer, die mit der juristischen Abgrenzung dieser Pflichten nicht vertraut sind, bedeuten diese Begriffe mitunter etwas ganz anderes“, berichtet Ruff aus Erfahrung in der juristischen Praxis. „Bei den Reaktionen bzw. damit verbundenen Verhaltensweisen findet sich dann die ganze Bandbreite von Ignorieren und Dumm-Stellen bis Unverständnis, Unsicherheit, Zweifel. Was auch immer geschieht: Es dient weder den Zielen des Unternehmens noch der Identifikation des Mitarbeiters mit seinen Aufgaben und Pflichten.“

Kritisches Beispiel sind Überstunden-Regelungen

Ein Punkt, der oft strittig ist, wenn eindeutige Regelungen fehlen, sind Überstunden. „Dieses Thema kocht in der öffentlichen Diskussion immer wieder hoch, spielt aber auch bei Überlegungen den Arbeitnehmer zu Work-Life-Balance eine zunehmend wichtige Rolle“, merkt Ruff an. „Gerade Unternehmen, die sich in diesem Bereich profilieren wollen, tun gut daran, im Arbeitsvertrag eine ebenso eindeutige wie verständliche Regelung zu definieren.“ Anregungen dafür finden Personalverantwortliche zum Beispiel in dem „Ratgeber – Erster Arbeitsvertrag“, der auf der Website des Verbands als E-Book zum kostenlosen Download zur Verfügung steht.