So kommt die Firma zur eigenen Kita

5. März 2013

Mehr Familienfreundlichkeit zeigen - eine Strategie, mit der Unternehmen gute Mitarbeiter an sich binden wollen. Für viele Eltern steht dabei die Sorge im Vordergrund, dass ihre Kinder gut aufgehoben sind. Die Bundesregierung fördert daher Betriebs"Kitas. Ein Angebot, das auch für kleine und mittlere Betrieben umsetzbar ist.

Das Dilemma gerade für kleinere Firmen liegt auf der Hand: Sie sind mehr denn je auf leistungsstarke Fachkräfte angewiesen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Unternehmen, die den Eltern in ihrer Belegschaft Angebote zur Kinderbetreuung machen, haben Vorteile in diesem Wettbewerb. Aber die damit verbundenen Kosten sind hoch, wenn der Betrieb das Angebot in Eigenregie stemmen möchte.

Anschubfinanzierung gibt es bis zu zwei Jahre lang

Seit 31. Oktober 2012 gibt es wenigstens einen kleinen Silberstreif am Horizont: Ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Unternehmen stellt seitdem Fördermittel bei der Schaffung einer Betriebs-Kita bereit. zum Förderprogramm "Betriebliche Kinderbetreuung"

Die Fördermittel werden als Anschubfinanzierung für bis zu zwei Jahre gewährt, längstens jedoch bis zum Ende der Laufzeit des Programms am 30. Juni 2015. Je neu geschaffenem Ganztagsbetreuungsplatz werden 400 Euro pro Monat gezahlt. Die obligatorische Arbeitgeberbeteiligung an den Betriebskosten für die Betreuungsplätze beträgt mindestens 250 Euro pro Platz und Monat. Gefördert werden neue Gruppen mit Kindern unter drei Jahren von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Gruppen können in bestehenden und neuen Einrichtungen entstehen.

„Mütter und Väter ohne Stress arbeiten effizienter“

Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder: „Mit dem neuen Förderprogramm Betriebliche Kinderbetreuung wollen wir Unternehmen dafür gewinnen, ihre Beschäftigten bei der Kinderbetreuung zu unterstützen. Davon profitieren Eltern genauso wie Arbeitgeber. Denn Mütter und Väter, die ihre Kinder gut aufgehoben wissen, arbeiten stressfreier und effizienter.“

Um auch kleineren Firmen den Einstieg zu erleichtern, fördert das Programm auch Kooperationen mehrerer Arbeitgeber. „Für kleinere und mittelständische Unternehmen gibt es viele andere Möglichkeiten. Dies berücksichtigt auch das neue Förderprogramm Betriebliche Kinderbetreuung“, so Katrin Baranczyk, Projektkoordinatorin bei der Servicestelle Betriebliche Kinderbetreuung. „So können zum Beispiel mithilfe der Förderung Plätze in bestehenden Einrichtungen neu geschaffen werden. Dadurch verringert sich der Organisationsaufwand für die Unternehmen erheblich.“

Externe Dienstleister bringen Erfahrung ein

Nun ist der Betrieb einer Kita bei den wenigsten Arbeitgebern eine unternehmerische Kernkompetenz. Sie können sich aber externer Dienstleister bedienen, die genau auf diesem Feld aktiv sind. Sie haben Erfahrung darin, wie das ganze Projekt überhaupt anzugehen ist. Sie kennen auch die Antworten auf zentrale Fragen wie: Welche Möglichkeiten gibt es überhaupt? Wie sieht die Kosten-Nutzen-Abwägung aus? Wie wird die Idee einer Betriebs-Kita verwirklicht und wie kann der laufende Betrieb organisiert werden?

Dienstleister wie „Paula & Max“ aus Hamburg haben die entsprechende Erfahrung, betreiben in der Regel erfolgreich selbst mehrere Kitas und können schon in einem ersten Gespräch den Planungs- und Handlungsrahmen abstecken. „Oft entsteht bereits hier die erste Diskussion über Plätze für die Aufnahme von externen Kindern“, weiß Geschäftsführerin Catherine Hatam. „Zum Beispiel von Familien, die in der Umgebung wohnen oder auch von einem benachbarten Unternehmen, das Interesse signalisiert hat. Dies kann vor allem zu Beginn oder bei späteren Schwankungen zur Auslastung und Kostensenkung der Kita von Vorteil sein. Auch Varianten für geeignete Räumlichkeiten werden angesprochen.“

Operativer Betrieb lässt sich komplett auslagern

Mit der Expertise holen sich Unternehmen bei Bedarf dann den ganzen operativen Betrieb der Kita bei den Experten ab, ausgehend vom Business-Plan, aus dem ein Festpreis pro Betreuungsplatz errechnet wird, mit dem das Unternehmen kalkulieren kann. Auch der Zeitplan, ein detaillierter Leistungskatalog und das pädagogische Konzept gehören dazu sowie die Beschaffung des Equipments, das Recruiting qualifizierten Personals – und das Stellen und Bearbeiten aller erforderlichen Anträge.

Experten empfehlen zudem, das Augenmerk darauf zu richten, dass die Betreuungsqualität der Kita mehr als nur den Standard erfüllt, wenn sie Mitarbeiter-Eltern wirklich entlasten soll. „Unsere Kitas haben zum Beispiel auch während der Ferien geöffnet, so dass Mitarbeiter nicht mehr an die Ferienschließzeiten gebunden sind“, sagt die Chefin von „Paula & Max“; die schon in einigen Betrieben auch für Geschwisterkinder (6-14 Jahre) ein altersentsprechendes Ferienprogramm sowie eine Betreuung für kranke Kids in einem abgetrennten Bereich anbietet.

Vorteile fürs Firmen-Image am Standort inklusive

Was die Wirtschaftlichkeit eines entsprechenden Investments angeht, macht Hatam auch auf indirekte Vorteile aufmerksam, die eine Betriebs-Kita mit sich bringt: „In Deutschland herrscht noch immer ein großer Mangel an Kita-Plätzen. Die eigene Betriebs-Kita auch für Familien aus der Umgebung zu öffnen, bringt nicht nur gute Regional-PR sondern optimiert gegebenenfalls auch die Auslastung.“ Auch bei Kommunen trage sie zu einem positiven Image bei, denn eine für die Allgemeinheit offene Kita ist auch für die Behörden ein Zeichen für Kooperationsbereitschaft und eine Unterstützung der sozialen Infrastruktur.

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