Teilzeit-Ausbildung für junge Eltern

10. April 2014

Mit flexiblen Arbeitszeiten lässt sich schon zum denkbar frühesten Zeitpunkt beginnen. Arbeitgeber öffnen so Nachwuchskräften eine zusätzliche Ausbildungs-Option.

Die Ausbildungslandschaft verändert sich mit Riesenschritten. Nicht nur die Inhalte folgen dem Wandel der Wirtschaft, die Form nimmt auch Rücksicht auf veränderte Biografien. Angesichts der immer größeren Mühe, die das Recruiting von Nachwuchskräften macht, wächst das Interesse an zusätzlichen Möglichkeiten, Mitarbeiter zu gewinnen. Ein relativ großes Potenzial findet sich in der Gruppe der jungen Eltern, „für die eine Ausbildung in Teilzeit Berufsperspektiven eröffnet“, wie der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), Friedrich Hubert Esser, erklärt.

Hoher Anteil ist ohne Berufsabschluss

Daten aus einer Sonderauswertung des Mikrozensus 2011 belegen dies: Demnach waren fast 47% aller jungen Mütter (rund 117.000) und etwa 31% aller jungen Väter (rund 21.000) im Alter von 16 bis 24 Jahren ohne Berufsabschluss und besuchten weder eine Schule noch absolvierten sie eine duale Ausbildung. „Hier besteht Handlungsbedarf. Wir müssen jungen Eltern den Einstieg ins Berufsleben ermöglichen. Eine Ausbildung in Teilzeit gibt diesen jungen Menschen eine Chance auf einen Berufsabschluss“, betont Esser.

Um der Lebenssituation der jungen Eltern gerecht zu werden, sind die traditionellen Abläufe und Strukturen der Berufsausbildung nicht geeignet. Als Ausweg wurde die Form der Teilzeitberufsausbildung geschaffen. Die Grundlage dafür ist im § 8 des Berufsbildungsgesetzes formuliert. Es gibt durch eine Verkürzung der wöchentlichen Ausbildungszeit sowohl jungen Eltern als auch Unternehmen die Möglichkeit, Ausbildung und Familie zeitlich miteinander zu vereinbaren.

Gesetzliche Grundlage besteht seit 2005

Wörtlich heißt es dort: „Auf gemeinsamen Antrag der Auszubildenden und Ausbildenden hat die zuständige Stelle die Ausbildungszeit zu kürzen, wenn zu erwarten ist, dass das Ausbildungsziel in der gekürzten Zeit erreicht wird. Bei berechtigtem Interesse kann sich der Antrag auch auf die Verkürzung der täglichen oder wöchentlichen Ausbildungszeit richten (Teilzeitberufsausbildung).“
Das BIBB hat dazu noch weitergehende Interpretationen erarbeitet:

  • Ein berechtigtes Interesse ist z.B. dann gegeben, wenn der Auszubildende ein eigenes Kind oder einen pflegebedürftigen Angehörigen zu betreuen hat.
  • Es ist jeweils im Einzelfall zu prüfen, ob die Auszubildenden bei einer täglichen oder wöchentlichen Reduzierung der betrieblichen Ausbildungszeiten noch in dem für die Ausbildung erforderlichen Maß in die betriebliche Praxis eingebunden werden können. Als Richtschnur soll eine wöchentliche Mindestausbildungszeit von 25 Stunden nicht unterschritten werden.
  • Die Teilzeitberufsausbildung führt grundsätzlich nicht zu einer Verlängerung der kalendarischen Gesamtausbildungsdauer. Im Einzelfall kann eine verkürzte tägliche oder wöchentliche Arbeitszeit aber mit einer Verlängerung der kalendarischen Ausbildungsdauer verbunden werden, wenn die Verlängerung erforderlich ist, um das Ausbildungsziel zu erreichen.

Vorteile für alle Beteiligten

Vom innovativen Instrument einer Ausbildung in Teilzeit profitieren nach Auffassung des BIBB-Präsidenten alle Beteiligten: „Die Auszubildenden, weil sie eine Berufsausbildung und ihre Familienverantwortung besser miteinander vereinbaren können, und die Betriebe, weil sie Potenziale einer motivierten und verantwortungsbewussten Zielgruppe nutzen und ihren Fachkräftenachwuchs von morgen sichern.“ Außerdem würden mehr Menschen in den Arbeitsmarkt integriert und seien dadurch weniger von Unterstützungsleistungen abhängig.

Vielen Betrieben und jungen Erwachsenen ist diese Ausbildungsform, wie das BIBB beobachtet, noch nicht ausreichend bekannt. Darauf lässt jedenfalls die geringe Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Teilzeit schließen. Bundesweit wurden 2011 nur 1.173 derartige Verträge geschlossen. Dies entspricht einem Anteil von lediglich 0,2%. Der Frauenanteil liegt bei rund 92 %. Bundesweit durchlaufen derzeit etwa 3.000 junge Erwachsene eine duale Ausbildung nach dem Teilzeitmodell.

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