Übernehmen Roboter die Buchhaltung?

14. Dezember 2017

Mit dem Thema „Digitalisierung in der Buchhaltung –  wie das vernetzte Arbeiten die Prozesse ändert“ startete Randstad Finance jetzt eine neue Veranstaltungsreihe, die „Webtelko“. Dabei erhalten Führungskräfte und Personalverantwortliche aus dem Kundenkreis Impulse zu aktuellen Trends in ihrem Arbeitsbereich.

Die Digitalisierung in der Fertigung stellt unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ gerade einen ganzen Wirtschaftszweig „auf neue Füße“. Die Folgen davon erreichen inzwischen in immer größerem Umfang auch die Sekundärprozesse in den Unternehmen, „eine Trennung ist nicht mehr durchhaltbar“. Diese Analyse des Status lieferte lud Prof. Dr. Wolfgang Maaß vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, Berlin. Er lud die Teilnehmer der Konferenz ein, sich unter diesen Vorzeichen Gedanken zu machen über „Technologien der Künstlichen Intelligenz für die Digitalisierung der Buchhaltung“.

Orga und Big Data sind die Treiber

In seinem Vortrag machte der Wirtschaftsinformatiker deutlich, wie ausgedehnt das Wachstumsfeld ist, das sich aus Dienstleistung rund um die Produktion entwickelt. Dabei identifizierte er die Orga als eindeutigen inhaltlichen Treiber des Wandels, während auf technologischer Seite Big-Data die Marschrichtung vorgibt. Die Unternehmen seien auf dem Weg, sich aus alten Geschäftsmodellen zu emanzipieren und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, sagte Maaß: „In vielen Branchen bedeutet das radikale Neuerfindung.“ Deshalb dürfe man die industriellen Bereiche nicht exklusiv betrachten, sondern müsse die klassische Dienstleistung in die Perspektiven einbeziehen.

Durchgängige Qualität der Informationen

Eine Schlüsselrolle in seinem Vortrag spielten „selbstlernende Systeme“, bei denen es rapide Fortschritte gebe. Damit ließen sich Themen angreifen, die bisher nur unter großem Aufwand mit menschlicher Intelligenz und Erfahrung zugänglich waren – „und mit Ausprobieren“. Nunmehr aber würden über Maschinen Daten erfasst und Entscheidungsprozessen zugeordnet, um durchgängige Informationsqualität herzustellen; die Buchhaltung sei in diesem Zusammenhang „ein integraler Bestandteil, der sich gerade zum Status 4.0 entwickelt“. Denn der Einsatz von KI geht nach Maaß‘ Einschätzung inzwischen über Prozessveränderung hinaus; er führt zu Innovationen. „Wir kommen in Bereiche, in denen wir Handlungswissen abbilden und Entscheidungen anbieten können.“

Maschinen erkennen „gültig“ und „ungültig“

Grundlage dafür ist das „Maschinelle Lernen“ in einem von Menschen überwachten Umfeld: Auf Basis von statistischen Modellen ließen sich Fallbeispiele erzeugen und schließlich auch Vorhersagen und Handlungsempfehlungen erzeugen. Für die Buchhaltung ergibt sich nach seiner Einschätzung daraus eine solide Fallprüfung und Entscheidungsvorlage auf Basis einer Mustererkennung. Das möge nicht stets zu 100 Prozent zutreffen, liefere aber eine Faktengewichtung von hoher Wahrscheinlichkeit. Die Entscheidung zum Beispiel, was ein gültiger oder ein ungültiger Buchungssatz ist, lasse sich damit weitgehend automatisieren. Auch Bilanzen eigneten sich sehr gut als Grundlage zum Trainieren eines Systems. In Zukunft würden Bilanzen maschinell geprüft, ob es sich um gültige oder ungültige Bilanz handelt oder ob sie problematische Passagen enthalten.

Erst optimieren, dann automatisieren

Uwe Herre, Director Finance & Administration bei Randstad Deutschland, legte anschließend dar auf welchem Niveau sich Digitalisierung beim führenden deutschen Personaldienstleister schon bewegt. Dabei stehen vor allem Prozesse im Fokus, bei denen Mitarbeiter von Routinearbeiten entlastet werden – nicht nur, um die Produktivität zu heben, sondern auch um Arbeitsabläufe wieder abwechslungsreicher zu machen. Dabei teilte er eine Erkenntnis mit seinen Zuhörern, die gerade in kleinen und mittleren Unternehmen dem Zugang zur Digitalisierung neue Vorzeichen gibt: „Es kann durchaus sinnvoll sein, erst einen Prozess zu optimieren, bevor man ihn an den Roboter gibt.“ Denn im Unterschied zur klassischen Prozessoptimierung geht die Veränderung bei Robotik von der untersten Ebene aus – der konkreten Handlung.

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