Warum nicht Fachkräfte importieren?

Die Hürden für das Recruiting von Mitarbeitern im Ausland sind niedriger, als viele glauben. Vor allem für KMU ergeben sich dadurch erweiterte Möglichkeiten, ihren Personalbedarf zu decken.

  • Fachkräfte aus dem Ausland sind auch für KMU erreichbar und wertvoll.
  • Dem erhöhten Aufwand fürs internationale Recruiting steht ein kalkulierbarer Nutzen entgegen.
  • Unternehmen können für ihr Recruiting vielfach Hilfestellung in Anspruch nehmen und vorteilhafte rechtliche Regelungen nutzen.

Dem Fachkräftemangel durch Personalsuche im Ausland begegnen – was für große Konzerne inzwischen eine Selbstverständlichkeit ist, stößt bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) noch immer auf Vorbehalte. Vom hohen finanziellen Aufwand bis zu sprachlichen Defiziten reichen dabei die genannten Argumente. Nicht überall können sich Mittelständler auf einen Service stützen wie in Bayerisch-Schwaben, wo die IHK schon 2011 damit begonnen hat, einschlägige Hilfestellung zu leisten. „Mit den Auslandshandelskammern (AHKs) in Spanien und Irland konnten wir konkrete Angebots-Pakete zur Personalsuche vereinbaren – exklusiv für schwäbische Firmen“, berichtete damals Axel Sir, Leiter des IHK-Geschäftsfeldes International. „Ein ähnliches, spezielles Angebot besteht mit unseren griechischen Partnern des Enterprise Europe Network EEN – Hellas. Hier haben wir besonders die Nachfrage nach Ingenieuren berücksichtigt.“

Vorausschauende Personalpolitik blickt über die Grenzen

Dass sich auch ohne solchen Beistand das Recruiting jenseits der Grenzen bezahlt macht, hat das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) im November 2014 mit einer ausführlichen Dokumentation gezeigt. Für die Studie „Werdegang internationaler Fachkräfte und ihr Mehrwert für KMU“ wurden gut 600 mittelständische Unternehmen und 250 internationale Fachkräfte aus den Bereichen Gesundheit sowie Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) befragt. Die Studie empfiehlt KMU, vor dem Hintergrund des demografischen Wandels stärker als bisher eine vorausschauende Personalpolitik zu betreiben. „Ich ermutige alle Unternehmerinnen und Unternehmer, Diversität und Internationalisierung als Investitionen in die Zukunft ihres Unternehmens zu verstehen“, so Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel.

Rechtlicher Rahmen ist flexibler als befürchtet

Ein zentrales Ergebnis der BMWi-Studie: Die Nationalität spielt bei der Personalrekrutierung in KMU keine entscheidende Rolle – wenn diese im Ausland aktiv werden. Mehr als 80 Prozent der Unternehmen, die aktiv nach internationalen Fachkräften suchen, wollen ihre Aktivitäten fortführen oder ausbauen. Bisher rekrutieren allerdings nur sehr wenige KMU gezielt internationale Fachkräfte. Häufigster Hinderungsgrund sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen; sie werden als noch nicht flexibel genug wahrgenommen. Allerdings sind die gesetzlichen Flexibilisierungen beim Zuwanderungsrecht u. a. durch die „Blaue Karte EU“ bei KMU und Fachkräften aus dem Ausland „bisher noch zu wenig bekannt“, wie es im BMWi heißt.

Info-Portal weist beiden Seiten den Weg zueinander

Um dem Abhilfe zu leisten, hat das Ministerium mit dem Internetportal „Make it in Germany“ eine zentrale Informationsplattform geschaffen. Das Portal zeigt, wie internationale Fachkräfte erfolgreich ihre Karriere in Deutschland gestalten und warum es sich lohnt, hier zu leben und zu arbeiten. Interessierte erhalten Tipps zur Unternehmensgründung oder können passende Jobangebote abonnieren und automatisch in die gewünschte Sprache übersetzen lassen. Arbeitgeber bekommen Tipps bei der Rekrutierung internationaler Fachkräfte.

Vorteile für exportorientierte Firmen

So heißt es unter anderem in den Empfehlungen für die Vorbereitung des Auslands-Recruitings: „Insbesondere dann, wenn Sie ein exportorientiertes Unternehmen führen, kann die Rekrutierung von Fachkräften aus den Zielmärkten besonders vorteilhaft sein. Hilfreich ist, frühzeitig Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die Chancen des Einsatzes einer internationalen Fachkraft zu sensibilisieren.“ Oder es wird bei den Tipps für die Stellenausschreibung darauf hingewiesen, dass „Fachkräfte aus dem Ausland mit Hinweisen auf Tarifverträge und die „üblichen Bewerbungsunterlagen“ nur selten vertraut“ sind. Zudem sollten Unternehmer bereits die Stellenausschreibung nutzen, „um auf Integrationsangebote oder mitarbeiter- und familienfreundliche Aspekte ihrer Unternehmenskultur hinzuweisen“.

Anerkennung von Qualifikationen

Was den Schritt zur Fachkräfte-Akquise im Ausland weiter vereinfacht: Im August 2015 wurde ein neuer Aufenthaltstitel zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen geschaffen. Danach kann einem Zuwanderungs-Interessierten, der nicht aus der EU stammt, eine Aufenthaltserlaubnis von bis zu 18 Monaten für die Durchführung einer Bildungsmaßnahme erteilt werden, wenn dies für die Feststellung der Gleichwertigkeit der Berufsqualifikation erforderlich ist. Nach Feststellung der Gleichwertigkeit besteht die Möglichkeit zum einjährigen Verbleib im Deutschland zur Arbeitsplatzsuche.

Zugang für Nicht-EU-Bürger

Schon die 2013 in Kraft getretene Beschäftigungs-Verordnung hatte den Arbeitsmarkt auch für Fachkräfte mit Berufsausbildung aus Nicht-EU-Ländern geöffnet. Voraussetzung ist, dass es sich um einen Beruf handelt, für den nach der Positivliste der Bundesagentur für Arbeit ein Engpass auf dem deutschen Arbeitsmarkt besteht und dass ein Arbeitsvertrag vorliegt. Außerdem ist die Feststellung der Gleichwertigkeit des ausländischen Bildungsabschlusses mit einer deutschen qualifizierten Berufsausbildung erforderlich. Hier dient das BQ-Portal für die Anerkennungspraxis als Orientierung.