Warum sich eine gute Unternehmenskultur lohnt

Über Andreas Bolder

Andreas Bolder ist seit 2002 bei Randstad Deutschland Director Human Resources und seit 2013 als HR-Chef für die gesamte Randstad Gruppe verantwortlich. Beim Personaldienstleister mit Zentrale in Eschborn sind durchschnittlich rund 58.000 Mitarbeiter beschäftigt, davon ca. 3.000 interne Mitarbeiter, in 550 Niederlassungen in rund 300 Städten. Vor seiner beruflichen Laufbahn bei Randstad war der studierte Sozialwissenschaftler in den Bereichen Vertrieb und HR bei den Konzernen Honeywell, Gillette und Sony tätig. Recruiting im Zeitalter der Digitalisierung, Employer Branding sowie flexible Arbeitsmodelle gehören zu den Fokusthemen von Andreas Bolder.

Was ist „Unternehmenskultur“ und wie kann sie gestärkt werden? Andreas Bolder, Director Group Human Resources bei Randstad Deutschland, erklärt.

Herr Bolder, was ist eine Unternehmenskultur und wie kann ein Unternehmen darauf Einfluss nehmen?

Die Unternehmenskultur umfasst ein bestimmtes Set an bewussten wie unbewussten Werten und Einstellungen, die sich im Verhalten von Mitarbeitern und Führungskräften widerspiegeln. Im beste Falle unterstützt die Unternehmenskultur die Strategie und macht ein gemeinsames Arbeiten einfacher und effektiver. Dazu gehören z.B. die Feedbackkultur und die Fehlerkultur genauso wie das Zusammenspiel der verschiedenen Ebenen im Unternehmen.

Den größten Einfluss auf die Unternehmenskultur haben die Führungskräfte und das obere Management, denn sie setzen den Ton im täglichen Arbeiten und geben ein Rollenbild ab. Führungskräfte sind im positiven wie im negativen Sinne immer Vorbild, bewusst oder unbewusst. Die Geschäftsführung kann aber auch bewussten Einfluss darauf nehmen, welche Werte und Verhaltensmuster prominenter vertreten sein sollten sind und wie sie durch das eigene sichtbare Verhalten diese Veränderung unterstützen kann. Weitere Maßnahmen können eine Unternehmenskultur stärken oder weiterentwickeln. So können sie entsprechende Schulungen für Führungskräfte anbieten, oder interne Initiativen starten, die ein bestimmtes Verhalten unterstützen. So können Initiativen für mehr Risikobereitschaft zu einer besseren Fehlerkultur und letztendlich zu mehr Innovationen führen.

Warum sollten Unternehmen darauf Wert legen?

Wir beobachten zwei Trends: Zum einen identifizieren sich Mitarbeiter immer seltener mit ihrem Arbeitgeber. Angestellte fühlen weniger starke Bindungen zu ihrem Arbeitsplatz und sind seltener „Feuer und Flamme“ für ihren Beruf. Hier ist noch Luft nach oben auf Seiten der Unternehmen, denn langfristig führt es zu besserer Mitarbeiterbindung, wenn Arbeitnehmer sich mit dem Sinn und Zweck ihres Unternehmens identifizieren und somit das intrinsische Engagement hochgehalten wird.

Auf der anderen Seite legen Bewerber großen Wert auf die Unternehmenskultur. Unter den wichtigsten Faktoren bei der Arbeitgeberwahl war beim Randstad Employer Brand Research 2018 „angenehme Arbeitsatmosphäre“ auf Platz drei, die „umwelt-/gesellschaftliche Verantwortung“ auf Platz neun. Eine Unternehmenskultur, die mit den Einstellungen der Bewerber übereinstimmt, kann wichtige Punkte im Kampf um Talente bringen. 

Ist die Unternehmenskultur also auch wichtig für das Recruiting?

Ja, unbedingt. Bewerber suchen bewusst nach Indizien für eine Kultur, die zu ihnen passt und ihren Wertevorstellungen entspricht. Da wir in Deutschland inzwischen einen Bewerbermarkt haben, ist es die Aufgabe der Unternehmen, sich von der Masse abzusetzen und den Arbeitnehmern zu signalisieren: „Ihr passt zu uns, auf euch haben wir gewartet.“ Wer darin investiert, die eigene Unternehmenskultur nicht nur auszubauen, sondern auch nach außen zu tragen, leistet mehr für die Arbeitgebermarke als es Einzelmaßnahmen je tun könnten. In 2018 haben sich 87% der Arbeitnehmer in Deutschland bei einem Unternehmen beworben, weil die Unternehmenskultur zu ihnen gepasst hat.