Was meinst Du?

24. April 2013

Frauen arbeiten nicht nur anders als Männer, sie führen auch – effizienter. Beim Blick nach Nordamerika lassen sich Beispiele dafür finden und wissenschaftliche Beweise entdecken, dass Unternehmen, die diesen Umstand vernachlässigen, weniger erfolgreich sind.

Wer den Tweets von Padmasree Warrior folgt, dem wird verhältnismäßig oft das Wort „networking“ begegnen. Das mag damit zusammenhängen, dass sie als Chief Technology and Strategy Officer des Netzwerk-Spezialisten Cisco von Berufs wegen viel mit dem Thema zu tun hat. Wer genauer hinsieht, wird indes feststellen, dass der Begriff auch Kernbestandteil ihrer persönlichen Strategie ist. Einer Strategie, die sie als Einwanderin ohne Rückflugticket in die indische Heimat zu einer der gefragtesten Führungskräfte der USA gemacht hat – und das nicht irgendwo, sondern ausgerechnet in der männerdominierten IT-Branche.

Die Frau, die inzwischen ihre Ambitionen auf den Chefsessel von Cisco angemeldet hat, twittert aber nicht nur zu Technik und Karriere. Ebenso oft finden sich zum Beispiel selbstverfasste Haikus, eine Gedichtform wie geschaffen für die Kürze des Formats. „Don’t you wish you could?; Bring the outside in with you; Blooms, hues and all. Spring.“ sandte sie kurz nach Frühlingsanfang auf den Weg in die telekommunikative Welt. So etwas liest man bei ihren männlichen Kollegen eher selten.

Strippenzieherin in der Wireless-Zunft

Die weibliche Seite ihrer Managementfähigkeiten kommt an. Ihre Führungskraft ist nicht nur im eigenen Haus unumstritten, ebenso wenig wie ihre Kreativität und Visionskraft. Das Wirtschaftsmagazin Forbes führte sie 2012 auf seiner Liste „The World's 100 Most Powerful Women“ – 20 Plätze vor Harry Potter-Erfinderin J.K. Rowling. Branchenkenner bezeichnen sie als eine der 25 einflussreichsten Frauen in der „Wireless”-Industrie.

Das angesehene Aspen Institute verlieh ihr den ersten vergebenen „Leadership in Science and Technology Award“. Das Wall Street Journal ist der Ansicht, dass sie zu den „50 Women to Watch” gehört. Das Technologiemagazin „Fast Company” rechnet sie zu den „100 Most Creative People in Business” und „The Economic Times“ führt sie auf der Liste der weltweit einflussreichsten Inder auf Rang 11.

Neue Tugenden schlagen alte Werte aus dem Feld

Padmasree Warrior ist ein herausragendes Beispiel für weibliche Führungskräfte, wie sie wohl den Autoren bei Deutsche Bank Research vorschwebte, als sie in einer Analyse „Deutschland im Jahr 2020“ auch auf die Rolle weiblicher Führungskräfte eingingen. In der abgeleiteten Studie „Frauen auf Expedition“ heißt es unter anderem: „Da die Unternehmen zunehmend genauso flexibel wie der Wandel selbst, in ihrer Gesamtheit innovativ sein müssen und faszinierende Arbeitsplätze bereitstellen müssen, hat Strategieexperte G. Hamel die Eigenschaften aufgeführt, die im 21. Jahrhundert Werte schaffen: ,Kühnheit. Künstlertum. Elan. Originalität. Schneid. Individualität. Tapferkeit. Wagemut.‘ Diesen neuen Tugenden stellt er die Eigenschaften gegenüber, die Management einstmals förderte und belohnte: ,Selbstdisziplin. Sparsamkeit. Ordnungsliebe. Rationalität. Vorsicht. Zuverlässigkeit. Mäßigung. Genauigkeit.‘“

„Frauen dürften vom Wandel profitieren“

Zudem, so heißt es weiter, werde integratives Denken als die Eigenschaft genannt, die große Führungskräfte auszeichne. Darunter sei die Fähigkeit zu verstehen, einander entgegengesetzte Ideen zu erwägen, sie zusammenzubringen und im Endergebnis eine ganz neue und bessere Idee zu erarbeiten. „Von diesem Wandel der an der Unternehmensspitze verlangten Fähigkeiten“, so prognostiziert das 2008 erschienene Papier www.expeditiondeutschland.de, „dürften vor allem Frauen profitieren.“

Da trifft es sich gut, dass keine fünf Jahre später auch schon der wissenschaftliche Beweis dafür vorliegt, dass nicht nur die weiblichen Führungskräfte einen Vorteil haben, sondern auch die Unternehmen, die sie einsetzen. „Die weibliche Fähigkeit, faire Entscheidungen zu treffen, wenn es um gegensätzliche Interessen geht, machen sie zu besseren Chefs“, fassten Chris Bart, Professor für Strategisches Management an der DeGroote School of Business der McMaster University und Gregory McQueen, geschäftsführender Dekan an A.T. Still University’s School of Osteopathic Medicine in Arizona die Ergebnisse einer Befragung unter 600 Vorständen zusammen. Frauen, so stellten sie fest, würden viel eher die Rechte anderer berücksichtigen und einen kooperativen Ansatz bei der Entscheidungsfindung wählen. „Dieser Weg führt zu einer besseren Leistung ihrer Unternehmen“, sind sich beide Wissenschaftler einig.

Frauen führen im Sinn der Investoren

„Wir wissen schon seit einiger Zeit, dass Unternehmen, die mehr Frauen in der Geschäftsführung haben, bessere Ergebnisse erzielen“, sagt Bart. „Was wir jetzt herausgefunden haben, zeigt, dass es nicht nur richtig ist, Frauen in die Unternehmensleitung aufzunehmen, sondern auch klug.“ Unternehmen mit nur wenigen Frauen in der Führung könne man daher unterstellen, dass sie ihre Investoren hinters Licht führen – wörtlich sagt er „shortchanging“, zu wenig Wechselgeld herausgeben.

Denn Bart und McQueen fanden auch heraus, dass männliche Direktoren, die 75% der Studie ausmachten, ihre Entscheidungen auf Regeln, Vorschriften und traditionellen Vorgehensweisen aufbauten. Weibliche Bereichsleiter dagegen, fühlen sich weniger an diese Parameter gebunden und seien somit eher in der Lage, Umwälzungen herbeizuführen („to rock the boat“) als ihre männlichen Gegenspieler.

Bereitschaft zu fairen Entscheidungen

Darüber hinaus sind weibliche Führungskräfte nach Erkenntnis der Wissenschaftler in signifikantem Umfang bereit, die Interessen vielfältiger Stakeholder in ihre Überlegungen einzubeziehen um zu einer fairen und ethisch tragbaren Entscheidung zu gelangen. Sie würden auch eher dazu neigen, Kooperation, Kollaboration und Konsens öfter und effizienter zu nutzen, um vernünftige Entscheidungen zu fällen.

„Frauen scheinen von vorneherein neugieriger zu sein und mehr mögliche Lösungen zu sehen”, bemerkt McQueen. Auf Geschäftsführungsebene, die nach Handlungsweisen im besten Interesse des Unternehmens und unter Einbeziehung unterschiedlichster Interessen verlangt, so fügt er an, „machen sie diese Eigenschaften zu den effizienteren Führungkräften im Unternehmen.“

Netzwerken als Mittel der Wahl

Wohin das alles führen soll, hat Sheryl Sandberg in ihrem Buch „Lean In: Women, Work, and the Will to Lead“ (wörtlich: Häng dich rein: Frauen, Arbeit und der Wille zu führen) den Weg gezeichnet, das inzwischen als die Bibel der neuen Frauenbewegung gilt. Die Harvard-Absolventin, die da schreibt: „Ich habe keinen Plan. Denn einen Plan zu haben, heißt auf die Optionen von heute begrenzt zu sein“, schmeißt als COO bei Facebook für Mark Zuckerberg den Laden. Zuvor hat sie sich als Verantwortliche des globalen Online-Verkaufs bei Google und als Stabschefin im US-Finanzministerium ihre Sporen verdient. Dieser Tage hat sie parallel zum Erscheinen des Buch die „Lean in Circles“ ins Leben gerufen, in denen Frauen sich gegenseitig bei der Karriere auf die Sprünge helfen sollen.

Wie Warrior ist auch sie, Nummer 10 auf der Mächtige-Frauen-Liste von Forbes, eine klassische Netzwerkerin. Ihre Methode zur Entscheidungsfindung: „Ich gehe im Raum umher und frage: Was meinst du?“

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