Wer darf netzwerken?

Das Angebot von Möglichkeiten, sich innerhalb eines Unternehmens und jenseits seiner Grenzen zu vernetzen, wächst kontinuierlich. Das Internet bietet dabei nicht die einzige Möglichkeit. Auch außerhalb der virtuellen Welt nimmt der Nutzen von Netzwerken zu. Unternehmen tun gut daran, derlei zu fördern – auf allen Hierarchie-Ebenen.

Große Business-Networks wie XING und LinkedIn sind heute alltägliche Tools bei der beruflichen Vernetzung. Sie ersetzen nicht nur die alte Visitenkartenbox auf dem Schreibtisch durch ein wesentlich besser zu aktualisierendes Medium. Sie dienen auch dazu, neue Kontakte in der eigenen Branche, auf dem eigenen Kompetenzfeld oder in der eigenen Region zu knüpfen.

Vom Monitor zum Stammtisch

Die Verbindungen überschreiten dabei häufig die elektronischen Grenzen. Nicht von ungefähr haben sich in vielen deutschen Orten inzwischen „Stammtische“ oder „Partys“ etabliert, auf denen die Geschäftspartner ihren virtuellen Kontakten von Angesicht zu Angesicht begegnen. „In unserer Stammlokalität der Kaiser-Karl-Stube haben wir am 13. November die oberste Etage ganz für uns alleine und pflegen so in Ruhe in gemütlicher Atmosphäre neue Kontakte“, wirbt zum Beispiel der Aachener Stammtisch um Besucher und verspricht: „In immer neuer Zusammenstellung dieser Runde entstehen nach einer kurzen Vorstellungsrunde jedes Teilnehmers die verschiedensten interessanten Verknüpfungen.“

Keine Angst vor dem Headhunter

Unternehmen beäugen diese Begegnung, wenn sie denn davon etwas mitbekommen, häufig argwöhnisch. Macht doch zum Beispiel LinkedIn keinen Hehl daraus, ständig aktuelles „Futter“ für Headhunter zu liefern. Es liegt als Gegenstrategie auf der Hand, dieser Herausforderung offensiv zu begegnen. Ähnlich wie beim Prinzip „Bring Your Own Device“ heißt es hier, den Spagat zwischen der Wertschätzung hochkarätiger Mitarbeiter und den Schutzinteressen des Unternehmens zu meistern.

Dabei spielen oft grundsätzliche Abwägungen eine Rolle, zum Beispiel jene, ob die Chancen einer offensiven Social-Media-Strategie größer sind oder die Risiken. Dabei spielt der Personal-Gedanke nur eine Teilrolle neben Marketing, PR und Vertrieb. Ein Recruiting neuer Mitarbeiter ohne den Einsatz von Netzwerken scheint zudem in den meisten Branchen heute kaum mehr denkbar.

An Social Media kommt keiner mehr vorbei

Die Zahlen aus dem Markt lassen ein Ignorieren der Sozialen Netzwerke auf jeden Fall nicht mehr zu. Vier von fünf (78%) Internetnutzern in Deutschland sind in einem sozialen Netzwerk angemeldet und zwei Drittel (67%) nutzen diese auch aktiv. Das berichtete der Hightech-Verband Bitkom im Sommer 2013 auf Grundlage einer aktuellen Studie zur Verbreitung sozialer Netzwerke. Danach sind die Nutzerzahlen vor allem bei den Älteren stark gestiegen: 55% der Internetnutzer in der Generation 50-Plus sind derzeit in sozialen Netzwerken aktiv. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren waren es erst 46%.

Persönliches Miteinander verstärkt die Wirkung

Wie das Thema „Stammtische“ zeigt, springt allerdings zu kurz, wer beim Stichwort Netzwerken nur ans Internet denkt. Familienfreundliche Unternehmen pflegen schon seit langem – in der Regel stammt der Brauch aus Vor-WWW-Zeiten – das besondere Netz, das sich zwischen den Angehörigen von Mitarbeitern knüpfen lässt. In der Regel wird hier der Begriff „Unternehmens-Familie“ weit geknüpft.

Auch Ehemaligen- oder Alumni-Netzwerke gewinnen in dem Maß an Bedeutung, wie das Branding von Unternehmen und Hochschulen voranschreitet. Gerade weil in diesem Zusammenhang identitätsstiftende Maßnahmen ergriffen werden, ist eine Wirkung derselben über den Tag des Ausscheidens aus der Firma hinaus wahrscheinlich. Wenn dann ein Mitarbeiter des Unternehmens X für einen Abend sich wieder mit den alten Kollegen bei Y zusammenfindet, ist das in einer stabilen Beziehung anstandslos machbar. In einer instabilen Beziehung wiegen andere Probleme schwerer.

Wertvolle Netze außerhalb der Firma

Eine vielfach unterschätzte Form des Netzwerkens ist die, die sich im Ehrenamt und in der Freizeit abspielt. Im dort bestehenden Beziehungsgeflecht findet genau jener Ausgleich statt, der eine Work-Life-Balance trägt. Ob Schützenverein oder freiwillige Feuerwehr, ob Altenbetreuung oder Karate-Kurs, ob Gemeinderat oder Kirchenchor: Die dort erworbenen oder angereicherten Fähigkeit des Einzelnen lassen sich fast immer in deren Arbeitsleben positiv integrieren. Vorausdenkende Unternehmen unterstützen solche Netzwerke aktiv im Rahmen ihres Selbstverständnisses bei der Corporate Social Responsibility (CSR).

Nutzen oder Spaß?

Womit auch klargestellt ist, dass Netzwerken kein Privileg für höhere Hierarchieebenen ist. Ein Unterschied mag zwar darin liegen, dass „weiter oben“ der Nutzen- und Effizienzgedanken bei der Teilnahme an einem Netzwerk stärker ausgeprägt ist und weiter unten mehr das Unterhaltsame oder Gesellige. Und dass für Spezialisten der Austausch mit Kollegen sich eher aufs Fachliche denn aufs Menschliche konzentriert. Die verbindende Wirkung mit ihren positiven Effekten allerdings ist überall die gleiche.