Wissen kompakt: Positive Effekte von Elternzeit

2. Juni 2014

Eine durchdachte und geplante Nutzung von Elternzeit bringt Arbeitnehmern wie Arbeitgebern Vorteile. Das gilt sowohl bei Konzepten gegen den Fachkräftemangel als auch bei Strategien zu mehr Arbeitgeber-Attraktivität.

Antworten auf Fachkräftemangel und Nachfrage nach flexibleren Arbeitszeiten

Das Gesetz im Wortlaut

„Anspruch auf Elternzeit“, heißt es laut § 15 im "Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz vom 5. Dezember 2006 (BGBl. I S. 2748), das zuletzt durch Artikel 1 des Gesetzes vom 15. Februar 2013 (BGBl. I S. 254) geändert worden ist", haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, „wenn sie a) mit ihrem Kind, b) mit einem Kind, für das sie die Anspruchsvoraussetzungen nach § 1 Abs. 3 oder 4 erfüllen, oder c) mit einem Kind, das sie in Vollzeitpflege nach § 33 des Achten Buches Sozialgesetzbuch aufgenommen haben, in einem Haushalt leben und dieses Kind selbst betreuen und erziehen“. Alles Weitere im Wortlaut unter www.gesetze-im-internet.de

Antwort auf den Fachkräftemangel

95 Prozent der Personalverantwortlichen sehen in der Weiterbildung ihrer Mitarbeiter eine Antwort auf den Fachkräftemangel. Dabei setzen 86 Prozent auf Mitarbeiter ab 50 Jahren und 77 Prozent auf Frauen und Männer in Elternzeit. Dies geht aus der TNS Infratest-Studie „Weiterbildungstrends in Deutschland 2014“ hervor, die im Auftrag der Studiengemeinschaft Darmstadt (SGD) bereits zum sechsten Mal in Folge unter mehr als 300 Personalverantwortlichen durchgeführt wurde. „Unternehmen wenden sich immer mehr dem Potenzial in ihren eigenen Reihen zu, um ihren Fachkräftebedarf zu decken. Dabei sehen sie die berufsbegleitende Weiterbildung als geeignete Maßnahme für unterschiedliche Mitarbeitergruppen“, erläutert Brigitta Vochazer, Geschäftsführerin der SGD. So halten 88 Prozent der befragten HR-Manager die Förderung ihrer Auszubildenden, 86 Prozent die Weiterbildung von Mitarbeitern ab 50 Jahren und 77 Prozent die Weiterbildung von Frauen und Männern in Elternzeit für wichtig bis äußerst wichtig. Auf den Zuzug von Fachkräften aus dem Ausland hingegen bauen nur 45 Prozent. „Die berufsbegleitende Weiterbildung ist eine Investition in die Zukunft des Unternehmens in vielerlei Hinsicht: Sie hilft, das Know-how und die Kompetenzen der Mitarbeiter weiterzuentwickeln. Ebenso trägt sie dazu bei, Fachkräfte zu halten. Dieser Ansicht sind die befragten Personalmanager: Für die Mitarbeiterbindung halten 93 Prozent das Weiterbildungsangebot ihres Unternehmens für wichtig bis äußerst wichtig“, so Vochazer. 

Beschäftigte wünschen sich noch mehr flexible Arbeitszeit

Mit viel Selbstbewusstsein treiben Frauen in Deutschland ihre Karriere voran, auch wenn sie dabei nach wie vor auf Barrieren stoßen. Knapp zwei Drittel der berufstätigen Frauen schätzen sich selbst als erfolgreich im Beruf ein (65 Prozent) und sehen auch für die Zukunft gute Karrierechancen (66 Prozent). Das zeigen die diesjährigen Ergebnisse der internationalen Frauenstudie des Managementberatungs-, Technologie- und Outsourcingdienstleisters Accenture. Trotz dieser optimistischen Einschätzung müssen viele Frauen aber noch immer viele Hürden auf ihrem Weg zum beruflichen Erfolg überwinden. Einerseits fehlt es an flexiblen Arbeitszeitmodellen, die speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Dieses Problem wird sich nach Einschätzung der befragten Frauen sogar noch verschärfen: 37 Prozent glauben, dass es in Zukunft schwieriger werden wird, Beruf und Privatleben miteinander in Einklang zu bringen. Männer sind hier jedoch noch pessimistischer: 49 Prozent der Befragten gaben an, dass eine gute Work-Life-Balance schwieriger zu erreichen sein werde. „Die Umfrageergebnisse legen auch nahe, dass sich auch viele Männer mehr Zeit für Familie und Privatleben wünschen", sagt Sandra Babylon, Managing Director im Geschäftsbereich Financial Services und Leiterin der Women Initiative bei Accenture im deutschsprachigen Raum. „Das Ergebnis deckt sich mit unseren Erfahrungen, dass sich gerade jüngere männliche Kollegen mehr Zeit neben dem Beruf wünschen, um etwa ihre Rolle als Väter besser wahrnehmen zu können. Das bedeutet für die Arbeitgeber, dass sie sowohl die Kariere von Frauen fördern, gleichzeitig aber geschlechterübergreifend neue Wege bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben gehen müssen. Neben flexiblen Arbeitszeitmodelle zählen dazu auch der Einsatz von Technologien zum vernetzten Arbeiten wie auch das Angebot, längere Auszeiten zu ermöglichen, etwa die Elternzeit.“

Männer akzeptieren Elternzeit immer besser, Empfehlungen fürs Personalmanagement

Deutlich gewachsene Akzeptanz von Elternzeit bei Männern

Für deutlich mehr Männer und Frauen als noch vor 20 Jahren kommt es heute infrage, dass Männer eine Elternzeit in Anspruch nehmen. 56 Prozent der Frauen und 44 Prozent der Männer können sich das heute für ihre Partnerschaft vorstellen. Vor 20 Jahren hätten es gerade einmal 37 bzw. 33 Prozent gut gefunden, wenn in ihrer Partnerschaft der Mann Erziehungsurlaub genommen hätte. Das ist ein Ergebnis der Vorwerk Familienstudie, die das Wuppertaler Familienunternehmen gemeinsam mit dem Allensbacher Institut für Demoskopie herausgebracht hat. Die Einstellung in anderen Bereichen hat sich dagegen kaum geändert. Insgesamt halten sowohl Männer als auch Frauen noch verbreitet an tendenziell traditionellen Ansichten fest. Dazu kommt: 65 Prozent der Eltern mit Kindern unter 16 Jahren haben das Gefühl, dass sie nicht allen Anforderungen gerecht werden. Überdurchschnittlich häufig klagen – überwiegend teilzeitbeschäftigte – berufstätige Mütter über zu wenig Zeit. Das ist auch kein Wunder, schließlich schultern sie neben ihrer Berufstätigkeit meist auch den Großteil der Haus- und Familienarbeit. Während Mütter vor allem beklagen, sich nicht genug um die eigenen Bedürfnisse kümmern zu können, kommen aus Sicht der Väter eher die Partnerin und die Kinder zu kurz.

Nachhaltigkeit im Personalmanagement zielt auf Wiedereinstieg von Eltern ab

„Im Zuge des zunehmenden Fachkräftebedarfs wird es für Unternehmen immer wichtiger, sich attraktiv auf dem Bewerbermarkt zu positionieren und bewährte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen zu halten“, heißt es in der Broschüre „Früher beruflicher Wiedereinstieg von Familien“ aus dem Familienministerium. So sei es heute vielfach schon fester Bestandteil eines nachhaltigen Personalmanagements, qualifizierten Beschäftigten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern und sie damit langfristig an das Unternehmen zu binden. Eine der wichtigsten Maßnahmen sei die Förderung des beruflichen Wiedereinstiegs nach der Geburt eines Kindes. Es rechne sich für Unternehmen finanziell, die Potenziale erfahrener Beschäftigter mit Kindern zu nutzen. „Denn jede längere Auszeit und jedes Ausscheiden ist für das Unternehmen mit Kosten für Überbrückung, Qualifizierung oder Neueinstellung verbunden“, heißt es in der Broschüre. „Die Kosten steigen, je länger die Auszeit dauert. Ein zeitnaher Wiedereinstieg ist die betriebswirtschaftlich deutlich bessere Lösung für das Unternehmen.“ Als Grundlage für diese Einschätzung dient die Prognos-Studie „Betriebswirtschaftliche Effekte familienfreundlicher Maßnahmen“ von 2006.

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