Das Haus verlassen trotz Krankmeldung?

24. März 2010

Ist eine Kündigung rechtskräftig, weil der Arbeitnehmer trotz Arbeitsunfähigkeit das Haus verlässt?

Ein Mitarbeiter ist krankgeschrieben, weil er sich den Arm gebrochen hat. Da es ihm ansonsten gut geht und er auch das Bett nicht hüten muss, macht er einen Spaziergang, um ein wenig an die Luft zu kommen. Unglücklicherweise trifft er dabei auf seinen Chef. Ist das ein Grund zur Kündigung?

In diesem Fall wäre es kein Kündigungsgrund, da ein Spaziergang die Heilung des gebrochenen Armes nicht beeinträchtigt. Eine Krankschreibung bedeutet nicht automatisch, dass man zu Hause im Bett bleiben muss, sagt der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt. Im Gegenteil: Frische Luft oder auch ein Treffen mit Freunden kann die Genesung sogar fördern und beschleunigen, was dem Arbeitgeber dann letztendlich wieder zugute kommt.

Betrachtet werden muss immer der Einzelfall. Das Verhalten bei einer Grippe mit Fieber ist anders zu bewerten als bei einem Knochenbruch oder einer Depression. Was im einen Fall gesundheitsschädigend ist, mag im anderen Fall positiv für den Erkrankten sein. Deshalb ist das Verlassen des Hauses bei Arbeitsunfähigkeit nicht sofort ein schwerwiegender Kündigungsgrund. Sogar das Nachgehen einer gewerblichen Nebentätigkeit trotz Krankmeldung ist laut Gesetz kein Grund, den Arbeitnehmer zu entlassen.

Anders sieht es aus, wenn ein Mitarbeiter während der Zeit seiner Arbeitsunfähigkeit Renovierungsarbeiten im großen Stil vornimmt, obwohl er beispielsweise wegen Rückenschmerzen krank geschrieben ist. Bei einem solchen Fauxpas ist eine Kündigung gerechtfertigt.

investor relations