Warum der Krankenstand in den letzten Jahren massiv zurück ging

31. Mai 2010

So selten krank gemeldet wie 2009 haben sich deutsche Arbeitnehmer noch nie – trotzdem schaden sie damit den Unternehmen.

Noch vor zwanzig Jahren waren 25 Fehltage pro Jahr wegen Krankheit der Durchschnitt. Heute sind es 7 Tage – das ist gerade mal ein knappes Drittel davon. Der Rückgang der Krankmeldungen ist jedoch nicht darauf zurückzuführen, dass die arbeitende Bevölkerung übermäßig gesund ist. Er liegt vielmehr darin begründet, dass viele Arbeitnehmer Angst um ihre Stelle haben und deshalb auch im Krankheitsfall zur Arbeit erscheinen.

Präsentismus nennt man dieses Phänomen, das vor allem in den letzten Jahren stetig zugenommen hat. Die Arbeitsmedizin versteht unter Präsentismus die Anwesenheit am Arbeitsplatz trotz Krankheit. Besonders häufig ist das in wirtschaftlich unsicheren Zeiten zu beobachten. Das Gegenteil von Präsentismus ist Absentismus: Dies beschreibt das absichtliche Fernbleiben vom Arbeitsplatz.

Für Arbeitgeber ist die niedrige Fehlquote nur bedingt erfreulich zu bewerten. Mitarbeiter, die sich krank und unpässlich zur Arbeit schleppen, sind weniger leistungsfähig und belastbar, durch unkonzentriertes Arbeiten passieren zudem häufig Fehler. Dem Unternehmen entstehen dadurch höhere Kosten, als wenn sich kranke Arbeitnehmer arbeitsunfähig schreiben lassen und sich zu Hause auskurieren. Präsentismus fördert eher, dass Krankheiten chronisch werden und dadurch längere Fehlzeiten entstehen.

Um Präsentismus entgegenzuwirken und somit im Interesse aller Beteiligten zu handeln, ist es für Arbeitgeber ratsam, klare Vereinbarungen festzulegen – beispielsweise wenn es um Arbeitszeiten, Erreichbarkeit in der Freizeit oder um Urlaubsplanung geht. Auch das Angebot von Sport- und Entspannungskursen sowie von Seminaren zur Stressbewältigung wird von vielen Arbeitnehmern gerne angenommen. Denn es kommt nicht von ungefähr, dass die Ursachen von Krankmeldungen häufig Depressionen, Burn-out-Syndrom und Rückenschmerzen sind.

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