Freiwillig arbeiten bis 70: Positive Resonanz auf den Vorstoß von BA-Chef Weise

12. Januar 2015

Im Sommer 2014 führte die große Koalition die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren ein – bis Ende November wurden bereits 186.000 Anträge bei der Deutschen Rentenversicherung eingereicht. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, regte in einem Gespräch mit der „Welt“ zu einer Gegenreaktion an: „Man sollte nun auch Anreize dafür setzen, dass Arbeitnehmer, die fit sind, freiwillig bis 70 arbeiten können“.

„Flexible Ausstiege aus dem Erwerbsalter in die Rente sind grundsätzlich ein gutes Modell“, erklärt Weise am vergangenen Freitag gegenüber der „Welt“. Mit seiner Forderung, die freiwillige Rente auf das Alter von 70 Jahren auszuweiten, stößt er offenbar nicht nur bei den Arbeitgebern auf Zustimmung. Diese zeigten sich über die große Resonanz auf die abschlagsfreie Rente mit 63 besorgt: „Die falschen Anreize zur Frührente wirken offenbar“, sagte Alexander Gunkel, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) der „Welt“. „Die abschlagsfreie Rente mit 63 wirft uns leider beim nötigen Ausbau der Beschäftigung Älterer spürbar zurück“.

Auch auf Seiten der Politik mehren sich laut „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) die Fürsprecher für den Flexibilitätsvorschlag von Weise: Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel halte es für eine gute Idee, wenn ältere Arbeitnehmer länger im Beruf bleiben. Für die Arbeitsmarktsprecherin der Grünen, Brigitte Pothmer, sind flexible Rentenübergänge „längst überfällig“. Sie kritisierte gegenüber der FAZ, dass durch die abschlagsfreie Rente mit 63 dem Arbeitsmarkt fast 200.000 Fachkräfte verloren gegangen seien. Karl Schiewerling, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der Union, sagte in der FAZ: „Die Forderung nach einem flexiblen Rentenübergang ist richtig, allerdings macht eine starre Altersgrenze keinen Sinn“. Für eine mögliche Förderung zog Schiewerling allerdings deutliche Grenzen. Sie dürfte „kein zusätzliches Steuergeld kosten und nicht die Beiträge der Sozialversicherungen in die Höhe treiben“. Bis Februar will eine Arbeitsgruppe der großen Koalition Lösungsvorschläge präsentieren.

Dass Handlungsbedarf besteht, wird durch Zahlen bekräftigt, die das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) Anfang des Jahres veröffentlichte: Durch den Renteneintritt der „Babyboomer“ – die Generation der fünfziger und sechziger Jahre – wird sich der Fachkräftemangel in bestimmten Berufsfeldern massiv zuspitzen. Dem IW zufolge geht von den heute 6,7 Millionen Fachkräften in circa 140 Berufen innerhalb von 15 Jahren fast jeder Dritte in den Ruhestand.

Quelle: BAP, 5. Januar 2015

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