Warum orientieren sich Arbeitnehmer in Deutschland beruflich neu? Die Randstad Employer Brand Research (REBR) 2026 zeigt: Eine zu niedrige Vergütung und der Wunsch nach einer besseren Work-Life-Balance führen auch in diesem Jahr das Ranking der Wechselgründe an. Dennoch hat sich im Vergleich zu den Vorjahren ein wesentlicher Faktor verschoben: Ein negatives Arbeitsumfeld, fehlende Karriereperspektiven und ein schlechtes Verhältnis zum Management sind 2026 unter den Top 5 der häufigsten Gründe, warum Menschen sich für einen neuen Arbeitgeber entscheiden.
Vier von zehn Beschäftigten in Deutschland würden ihren Arbeitgeber wegen einer zu niedrigen Vergütung verlassen. Damit bleibt das Gehalt der mit Abstand häufigste Wechselgrund. Auf Platz zwei folgt der Wunsch nach einer besseren Work-Life-Balance: Fast jeder Dritte nennt ihn als Grund für einen Jobwechsel. Das zeigt die aktuelle Randstad Employer Brand Research, für die in Deutschland 4.331 Personen befragt wurden.
Die fünf häufigsten Gründe für einen Arbeitgeberwechsel
Platz 1: Zu niedrige Vergütung – 40 %
Platz 2: Verbesserung der Work-Life-Balance – 30 %
Platz 3: Negatives Arbeitsumfeld – 27 %
Platz 4: Mangelnde Karrieremöglichkeiten – 26 %
Platz 5: Schlechtes Verhältnis zum Management – 25 %
(Quelle: Randstad Employer Brand Research 2026)
Bereits im Vorjahr war eine zu niedrige Vergütung mit 37 % der meistgenannte Wechselgrund. Der Wunsch nach einer besseren Work-Life-Balance lag mit 30 % ebenfalls auf Platz zwei. Beide Faktoren bestimmen damit weiterhin, ob Beschäftigte bei ihrem Arbeitgeber bleiben oder sich nach einer neuen Stelle umsehen.
Veränderungen in den Top 5: Umfeld und Führung werden wichtiger
In der weiteren Rangfolge zeigt sich gegenüber dem Vorjahr eine deutliche Veränderung. 2025 gehörten noch lange Pendelzeiten mit 25 % und ein besonders attraktives anderes Angebot mit 24 % zu den fünf häufigsten Wechselgründen. Auf Platz fünf folgte damals eine schwache Führung mit 20 %.
2026 stehen dagegen drei Gründe in den Top 5, die eng mit dem Arbeitsalltag verbunden sind: ein negatives Arbeitsumfeld, mangelnde Karrieremöglichkeiten und ein schlechtes Verhältnis zum Management. Hier können Arbeitgeber unmittelbar gegensteuern: mit nachvollziehbaren Entwicklungsperspektiven, Führungskräfteschulungen und Maßnahmen zur Konfliktlösung sowie Arbeitsbedingungen, die gute Zusammenarbeit ermöglichen.
„Eine faire Vergütung bleibt die Grundlage. Aber Beschäftigte entscheiden nicht allein aufgrund ihres Gehaltszettels, ob sie bleiben. Sie erleben jeden Tag, ob Führung verlässlich ist, ob sie sich entwickeln können und ob die Zusammenarbeit funktioniert. Genau dort entscheidet sich Bindung“, sagt Verena Menne, Human Resources Director DACH Randstad. „Wer Mitarbeitende halten will, muss deshalb Vergütung, Arbeitsbedingungen und Führung zusammendenken und darf nicht nur auf einzelne Maßnahmen setzen.“
Die Ergebnisse zeigen zugleich, dass nicht alle Bereiche gleichermaßen problematisch sind. Mehr als drei von fünf Beschäftigten bewerten die Atmosphäre bei ihrem aktuellen Arbeitgeber positiv. Wird das Arbeitsumfeld jedoch als negativ erlebt, ist es für mehr als jeden Vierten ein möglicher Wechselgrund. Größere Lücken zwischen den Erwartungen der Beschäftigten und der Bewertung ihrer aktuellen Arbeitgeber bestehen vor allem bei Vergütung, Work-Life-Balance und Karriereentwicklung.
Ältere Beschäftigte priorisieren Bezahlung, jüngere Work-Life-Balance
Eine zu niedrige Vergütung ist in allen Altersgruppen der häufigste Wechselgrund. Bei älteren Generationen fällt sie mit rund 45 % noch stärker ins Gewicht als bei jüngeren mit rund 38 %. Darüber hinaus unterscheiden sich die Schwerpunkte: Jüngere Beschäftigte nennen den Wunsch nach einer besseren Work-Life-Balance häufiger als ältere Generationen – rund 31 % gegenüber 26 %. Ein negatives Arbeitsumfeld ist wiederum für ältere Beschäftigte relevanter: Rund 32 % von ihnen führen es als ihren Wechselgrund an, bei den jüngeren sind es rund 25 %.
„Nicht alle Beschäftigten erwarten dasselbe von ihrem Arbeitgeber“, sagt Verena Menne. „Während in der einen Lebensphase mehr Flexibilität entscheidend sein kann, gewinnen in einer anderen ein verlässliches Umfeld und gute Arbeitsbeziehungen an Bedeutung. Arbeitgeber müssen diese Unterschiede kennen, statt bei der Mitarbeitendenbindung auf eine Standardlösung zu setzen.“
Grundsätzlich bleiben allerdings Wechselwille und Jobwechsel annähernd auf Vorjahresniveau. 24 % der Beschäftigten planten im 1. Halbjahr 2026 einen Arbeitgeberwechsel (Vorjahreszeitraum: 22 %). Tatsächlich gewechselt hatten in den sechs Monaten vor der Befragung 17 % (2025: 16 %).
Über die Studie Randstad Employer Brand Research
Bei welchen Unternehmen wollen wir arbeiten – und warum? Das ermittelt die Studie Randstad Employer Brand Research, die von unabhängigen namhaften Instituten seit 26 Jahren in inzwischen 34 Ländern weltweit durchgeführt wird. Drei Elemente stehen dabei im Fokus: der Bekanntheitsgrad und die Attraktivität der abgefragten Unternehmen sowie die einzelnen Schlüsselfaktoren, die einen attraktiven Arbeitgeber ausmachen. Mehr als 160.000 Arbeitnehmer und Arbeitsuchende zwischen 18 Jahren und Rentenalter wurden Anfang 2026 in Online-Interviews befragt. In Deutschland umfasst das Panel 4.331 Personen.