Hohe Kosten, eine schwache Nachfrage und unsichere Auftragsentwicklung setzen nicht nur Unternehmen unter Druck. Die wirtschaftliche Unsicherheit zeigt sich auch in den Belegschaften: Mehr als die Hälfte der Unternehmen hat in den vergangenen zwölf Monaten eine Zunahme der mentalen Belastung bei ihren Mitarbeitenden beobachtet. Das zeigt die Randstad-ifo-HR-Befragung für das zweite Quartal 2026.

Die zentralen Ergebnisse:

  • 51 % der Unternehmen beobachten eine gestiegene mentale Belastung oder mehr Stress bei ihren Mitarbeitenden
  • 49 % sehen Unsicherheit durch die wirtschaftliche Lage oder Auftragsentwicklung als Belastungstreiber
  • 45 % führen die Belastung auf Veränderungsprozesse im Unternehmen zurück
  • 37 % nennen eine hohe Arbeitsmenge oder hohen Zeitdruck, 35 % Personalengpässe

Vor allem Unternehmen mit 250 bis 499 Beschäftigten melden eine Zunahme von mentaler Belastung oder Stress bei ihren Mitarbeitenden (73 %). Zugleich ist in dieser Größenklasse auch die Arbeitsauslastung besonders häufig gestiegen: Das geben 56 % der Unternehmen an.

Bei Unternehmen mit 50 bis 249 Beschäftigten beobachten 57 % eine Zunahme der mentalen Belastung, bei Großunternehmen ab 500 Beschäftigten sind es 53 %. Unter den Kleinunternehmen mit bis zu 49 Beschäftigten liegt der Anteil bei 38 %.

Randstad Infografik „Wirtschaftliche Unsicherheit wird zum Stressfaktor in Unternehmen“
Randstad Infografik „Wirtschaftliche Unsicherheit wird zum Stressfaktor in Unternehmen“

Mentale Belastung nimmt häufiger zu als die Arbeitsauslastung

Die Entwicklung der Arbeitsauslastung hingegen fällt deutlich uneinheitlicher aus. Während 38 % der Unternehmen von einer gestiegenen Arbeitsauslastung berichten, ist sie bei 41 % in den vergangenen zwölf Monaten unverändert geblieben. 21 % berichten sogar von einem Rückgang. Eine abnehmende mentale Belastung beobachten dagegen lediglich 3 % der Betriebe – die Gegenüberstellung deutet darauf hin, dass das Arbeitspensum allein die Entwicklung nicht erklärt.

„Mentale Belastung darf deshalb nicht auf die Belastbarkeit von Beschäftigten verkürzt werden. Denn es geht bei Weitem nicht nur darum, wie gut oder schlecht jemand mit einem hohen Workload umgehen kann. Auch unklare Perspektiven, Veränderungen im Unternehmen und knappe personelle Ressourcen erzeugen Druck, der ebenfalls belastet, aber schwerer greifbar ist als eine hohe Arbeitsauslastung. Arbeitgeber müssen deshalb die Bedingungen in den Blick nehmen, unter denen Menschen arbeiten – und nicht nur auf den individuellen Umgang mit Stressfaktoren“, sagt Verena Menne, Human Resources Director DACH Randstad.

Unsicherheit und Veränderungsprozesse sind die häufigsten Belastungstreiber

Tatsächlich führt fast die Hälfte der Unternehmen (49 %) die mentale Belastung ihrer Mitarbeitenden auf Unsicherheit durch die wirtschaftliche Lage oder Auftragsentwicklung zurück. Doch auch Veränderungsprozesse spielen mit 45 % eine große Rolle als Belastungstreiber.

Vor allem mit zunehmender Unternehmensgröße werden Veränderungsprozesse häufiger zum Belastungsfaktor. Während 30 % der Kleinunternehmen sie als Treiber mentaler Belastung nennen, tun dies schon 46 %  der Unternehmen mit 50 bis 249 Beschäftigten und 63 % der Betriebe mit 250 bis 499 Beschäftigten. Bei Großunternehmen geben 65 % Veränderungsprozesse als Belastungstreiber an.

„Mentale Gesundheit ist nicht nur ein individuelles, sondern auch ein Führungs- und Organisationsthema”, sagt Menne. „Führung kann wirtschaftliche Unsicherheit zwar nicht beseitigen. Sie kann aber verhindern, dass fehlende Orientierung zusätzlichen Druck erzeugt. Dazu braucht es verlässliche Kommunikation – auch wenn noch nicht jede Antwort feststeht –, klare Prioritäten und eine Arbeitsplanung, die Zeitdruck und Personalengpässe realistisch berücksichtigt. Gerade in größeren Organisationen kommt es deshalb darauf an, Veränderungen nachvollziehbar zu kommunizieren und ihre Auswirkungen auf Arbeitsabläufe und Kapazitäten im Blick zu behalten.“

 

Über die Randstad-ifo-HR-Befragung

Die vorgestellten Ergebnisse stammen aus der Randstad-ifo-HR-Befragung, die quartalsweise durch das ifo-Institut im Auftrag des Personaldienstleisters Randstad durchgeführt wird. Sie erschien bisher unter dem Namen Randstad-ifo-Personalleiterbefragung. Die Studie befragt 500 bis 1000 Personalverantwortliche in deutschen Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branchen. Die bisherigen Randstad-ifo-HR-Befragungen (bzw. vormals Personalleiterbefragungen) finden Sie auf unserer Webseite. Jetzt Randstad-ifo-HR-Befragungen ansehen.

Zur Person
Verena Menne, HR Group Director der Randstad Gruppe Deutschland
Verena Menne, HR Group Director der Randstad Gruppe Deutschland

Verena Menne

Human Resources Director DACH Randstad

Verena Menne leitet seit Dezember 2022 als Director Group HR den Personalbereich der Randstad Gruppe Deutschland. In ihrer Funktion trägt sie die Gesamtverantwortung für die operative und strategische Ausrichtung des Personalbereichs (seit Juli 2026 erweitert auf den DACH-Raum). Seit 2011 ist die diplomierte Wirtschaftswissenschaftlerin in unterschiedlichen Rollen bei Randstad aktiv. Zuletzt war sie als Human Resources Manager Operations tätig für Randstad Enterprise Group, Randstad Outsourcing, Randstad Sourceright GmbH und Tempo-Team Deutschland.